Baunach: Pflegekräfte trafen Politik

Veröffentlicht am 6. Juli 2017 von Johannes Michel

„Was brauchen wir für eine gute Pflege? – Austausch von Praxis und Politik.“ Unter diesem Motto hatte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Ingrid Fischbach, nach Baunach eingeladen. Bei einer Besichtigung des dortigen Seniorenzentrums stand auch eine Diskussionsrunde mit Pflegekräften auf dem Programm.

„Was wir uns in Berlin ausdenken, kommt in der Fläche manchmal anders an“, sagte Zeulner zur Begrüßung und stellte damit gleich das Ziel des Termins in den Vordergrund: Den Austausch zwischen Pflegekräften und Verantwortlichen mit der Politik. Ausgesucht für das Treffen habe man sich das Seniorenzentrum in Baunach, ein Vorzeigeobjekt in der Region. Das Zentrum ist dort im ehemaligen Jagdschloss untergebracht – und an allen Ecken und Enden begegnet den Besuchern die Historie des Gebäudes. Die Wohnbereiche sind zwar in modernen Anbauten untergebracht, Gemeinschaftsräume und Aufenthaltsbereiche dagegen im Schloss.


Die Staatssekretärin wurde zu Beginn durch das Seniorenzentrum geführt.

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Bei einer Führung zu Beginn zeigten Pflegedienstleiterin Anita Seiferth und die Geschäftsführerin der Krankenhausgesellschaft Bamberg, Monika Röther, den Gästen das Gebäude. Gekommen war auch Landrat Johann Kalb. Die Einrichtung in Baunach gehört eher zu den kleineren, 48 Bewohner werden hier betreut. „Privatwirtschaftlich ließe sich ein solches Haus nur schwer betreiben“, erklärte Kalb der Staatssekretärin Ingrid Fischbach, die am gleichen Tag außerdem zur Patienten- und Pflegebeauftragten der Bundesregierung ernannt worden war.

Nichts wandert in den Papierkorb

Im Mittelpunkt stand aber der Austausch. Fischbach erklärte, dass sich die neuen Regelungen der vergangenen Monate, also zum Beispiel das Pflegestärkungsgesetz oder die generalisierte Ausbildung von Pflegekräften nun der Realität stellen müssten. Die Politik müsse die Entwicklungen genau beobachten und gegebenenfalls nachjustieren. Das von Anfang an perfekte Gesetz gebe es leider selten. „Außerdem müssen wir schon jetzt die Weichen für die nächste Legislaturperiode stellen. Was Sie mir daher heute mitgeben, wandert nicht in den Papierkorb, sondern wird direkt dem Ministerium rückgemeldet“, so Fischbach. Gerade deshalb sei der Austausch mit der Praxis sehr wichtig.


Monika Röther, Emmi Zeulner, Ingrid Fischbach und Johann Kalb hörten sich die Beiträge der Pflegekräfte genau an.

In der Diskussion ging es den Pflegekräften und Verantwortlichen vor allem um grundsätzliche Dinge, etwa die Abrechnung. Es dürfe nicht sein, dass die Suche nach dem besten Abrechnungsweg im Vordergrund stünde – und nicht das Wohl der Patienten oder Bewohner. Auch die neue generalisierte Ausbildung wurde angesprochen. Sie besagt, dass Pflegekräfte sich nicht mehr von Anfang an festlegen müssen, ob sie in die Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege gehen. Die Entscheidung kann nach den ersten zwei Jahren gemeinsamer Ausbildung fallen. Die Sorge der Pflegekräfte in Baunach war, dass es dennoch weiterhin eher eine Tendenz in Richtung Krankenpflege geben werde – aufgrund der besseren Bezahlung in den Krankenhäusern. Zudem müsse ein Altenpfleger langfristige Beziehungen zu den Bewohnern oder ambulant betreuten Patienten aufbauen können, was im Krankenhaus aufgrund der kürzeren Verweildauer oft nicht derart entscheidend sei. Somit bliebe doch ein deutlicher Unterschied zwischen den Berufen.


Einige Themen beschäftigten die Runde länger.

Auch um die vermehrte Dokumentationspflicht, gerade im Rahmen von Überprüfungen, ging es. Es sei keinem zuzumuten, 50 Seiten Papier auszufüllen, so ein Redebeitrag. Ebenfalls thematisiert wurde die Präsenz von Allgemeinärzten – manche seien nicht mehr zu Hausbesuchen bereit. Fischbach meinte, es bleibe noch viel zu tun, ein Mosaik aus Einzelmaßnahmen müsse eine Sicherung der ärztlichen Versorgung auch auf dem Land ermöglichen, durch eine Landarztquote, finanzielle Unterstützung und Hervorhebung der positiven Seite der Arbeit als Allgemeinmediziner. Gerade dies sei verlorengegangen.

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