Zu viele Plätze, zu wenige Besucher

Veröffentlicht am 29. Juli 2014 von Johannes Michel
Logopädie Scheßlitz



Als im Winter 2012 ein erster Infoabend in Sachen „Verkleinerung der Pfarrkirche“ auf dem Programm stand, wurde klar, welch dringlicher Handlungsbedarf in Baunach besteht. Nun stellten Architekt, Domkapitular und Pfarrer erstmals das vollständige Konzept vor. Es sieht zum einen die Reduzierung der Sitzplätze vor, zum anderen entsteht Platz für Veranstaltungen, Büros und kirchliches (Vereins-)Leben.

„Immer wieder gab es Gerüchte in der Stadt, vor allem aufgrund der langen Wartezeit.“ Dekan Stefan Gessner begrüßte die Besucher der Infoveranstaltung am 25. Juli 2014 und bat um Verständnis, dass seit der ersten Einladung aus dem Winter 2012 anderthalb Jahre vergangen seien. Diese Zeit sei aber nötig gewesen, um die Planungen anzugehen und mit dem Bistum Würzburg, das auch die Finanzierung zum größten Teil übernehmen wird, abzustimmen. Rede und Antwort standen daher auch Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, seit 1989 Leiter der Hauptabteilung Bau- und Kunstwesen bei der Diözese sowie Architekt Benedikt Gerber.

Gessner berichtete zunächst über die Ausgangslage. Der aktuelle Kirchenraum, der Anfang der 1970er Jahre deutlich erweitert worden war, sei mittlerweile zu groß geworden. Selbst in der Christmette an Heilig Abend seien nicht mehr alle Plätze besetzt. Hinzu kämen exorbitante Heizkosten sowie eine insgesamt schlechte Atmosphäre – zu wenige Menschen verteilen sich über zu viele Plätze. Für die „Gemeindebildung“ fehlten der Pfarrei zudem Büros für die Hauptamtlichen – zentral an einem Ort, Räume für kirchliche Vereine sowie ein ordentliches Pfarrbüro. „Gerade eine Pfarrgemeinde in Randlage eines Bistums muss auch attraktive Arbeitsplätze anbieten können“, so Gessner. Also gab es Gespräche mit der Bischöflichen Finanzkammer, dem Kunstreferat der Diözese, dem Landesamt für Denkmalpflege und der Kirchenverwaltung. Gerade in letzterem Gremium wurde viel diskutiert, der Pfarrgemeinderat wurde mit einbezogen, abschließend wurden die katholischen Vereine und Verbände zu Gesprächen eingeladen.

Infoabend Kirche Baunach 2014
Infoveranstaltung in der Kirche: Etwa rechts des linken Fensters (oben) würde die Trennmauer entstehen.

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FC Baunach

Raumgewinn durch Decken

Architekt Gerber durfte anschließend die Planungen vorstellen. Die Kirche soll in etwa auf ihre ursprünglichen Ausmaße verkleinert werden, und im Anbau aus den 1970er Jahren würden, durch das Einziehen von Decken, Veranstaltungs- und Gruppenräume und Büros auf insgesamt drei Etagen entstehen. Die Nutzfläche der Kirche würde sich von 600 auf etwa 400 Quadratmeter reduzieren, hinzu kämen aber 960 Quadratmeter an anderen Räumen. Das Heilige Grab, das bislang auf- und abgebaut wird, würde einen festen Platz bekommen, aber wie bisher nur alle drei Jahren zu sehen sein. Und auch weitere Schätze wie die gotische Pieta oder das Fastentuch könnten besser präsentiert werden.

Als „tragbare Lösung für Baunach“ bezeichnete Domkapitular Dr. Lenssen das Projekt. Die Alternative wäre Abriss und Neubau, was die Kosten aber deutlich erhöhen würde. Aktuell gibt es zu diesen noch keine Schätzung, Lenssen nannte nur die Zahl fünf Millionen Euro – so viel würde ein vollständiger Neubau im geplanten Umfang kosten. Und Dekan Gessner wies darauf hin, dass Baunach eine einmalige Chance habe, das Gebäude wieder auf einen aktuellen Stand zu bringen, in zehn oder 20 Jahren sehe die Finanzlage des Bistums ganz anders aus. Allein in Baunach soll sich, laut Prognosen, die Zahl der Katholiken von heute 2.350 auf 2.000 im Jahr 2030 und unter 1.600 im Jahr 2050 reduzieren.

 

Wie könnte die Pfarrkirche nach dem Umbau aussehen? Bilder und Infotexte finden Sie in unserer Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

Planzeichnungen: Architekt Benedikt Gerber

 

Kommentar: Das richtige Konzept?!

Logo-260Keine Erweiterung, keine Neubauten. Diese Prämissen gibt die Diözese Würzburg zu Recht den Pfarrgemeinden vor. Die Probleme sind dabei an vielen Orten gleich: Große Kirchen, umfangreiche Immobilien, Sanierungsbedarf – bei sinkenden Besucherzahlen. Dass sich in Baunach was tut und die Kirche, die vor allem in der kalten Jahreszeit zum Problemfall wird, nun möglicherweise saniert werden kann, ist ein Geschenk. Auch der Rückbau des Kirchenraumes beziehungsweise die Verwendung vorhandener Fläche für bislang fehlende Dinge wie Büros und Gruppenräume ist richtig.

Und die Verantwortlichen haben auch recht, wenn Sie eines nicht wollen: Ein neues Gebäude, ein Pfarrheim. Denn das würde in den kommenden Jahrzehnten die Kosten ebenfalls wieder nach oben treiben. Für größere Veranstaltungen hat die Stadt erst im vergangenen Jahr das Bürgerhaus eingeweiht – und die Kirche kann sich den Saal bei Bedarf mieten. Das sagte auch Dekan Gessner bei der Infoveranstaltung.

Aber: Viele Baunacher sind unzufrieden. Nicht allein wegen des Rückbaus, wegen des dann kleineren Kirchenraums. Sondern, weil wieder eine Front-zentrierte Kirche entstehen soll. Das zeigte nicht nur die Diskussion nach der Präsentation durch den Architekten. Was hätten die Baunacher für Möglichkeiten? Wäre es eine Option, den Kirchenraum rückzubauen, den alten Chorbereich als kleine Nebenkapelle für Andachten zu nutzen, den momentanen Altarraum zu belassen und zu verkleinern und die Gläubigen halbrund um den Altar anzuordnen, mit Blick auf das erst in den 1990er Jahren eingebaute Altarbild? Das soll zwar auch nach den aktuellen Plänen erhalten bleiben, verlöre aber seine Bedeutung. Vergangene Woche klang es aber so, als wäre alles längst entschieden.

Wie geht es nun weiter? Nach einer Kostenschätzung sollen Finanzierungsgespräche mit dem Bistum folgen. Die Pfarrei Baunach würde, so Domkapitular Lenssen, maximal 150.000 Euro tragen können, dies sei die Verschuldungsobergrenze. Bauzeiten und so weiter wurden noch nicht thematisiert.

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  1. Sabine Saam 29. Juli 2014 at 14:33 - Antworten

    Ich finde die Planungen gut. Prinzipiell, aber…

    In Baunach macht die Inklusion also vor der Kirchentür halt.

    Fast.
    Wie man bei einem Umbau über 3 Etagen im 21.Jahrhundert ohne Fahrstuhl/Lift planen kann, ist mir einfach unbegreiflich. Dekan Gessner stellt das Gesamtkonzept der Planung unter die Vorgabe „Nachhaltigkeit und Gemeinschaft gewährleisten“, schließt aber mobilitätseingeschränkte Mitarbeiter im kirchlichen Dienst, die an den „Rand der Diözese“ kommen, von der Erreichbarkeit der Büro-, Lager- und Besprechungsräume im 1.und 2.OG aus.
    Ist es so abwegig, dass ein Pastoralreferent, Pastoralassistent, Kaplan, Pfarrer oder anderer kirchlicher Würdenträger z.B. im Rollstuhl ist oder aufgrund anderer Einflüsse nicht leichtfüßig eine Treppe „hochhüpft“?

  2. russ 31. Juli 2014 at 22:24 - Antworten

    wie krank muss man sein, um die verschandelung und den mißbrauch einer sogenannten“ kirche“ gut zu finden???

    wen wunderts, das soviele plätze in dieser kirche leer bleiben! vielleicht sollte man die schlagzeilen der politik
    z.B. „inklusion“ einfach mal aus der kirche heraushalten und die kirche im dorf bleiben lassen.
    vielleicht sollte – ich meine absolut – man den parteien den gebraucht des wortes „christlich“ ein für alle mal verbieten.
    dann könnte sich die kirchen wieder am christlichen glauben orientieren und die anderen könnten sich in ihr ungläubiges maul hauen.
    und wenn sich die frau saam verständlicherweise einen aufzug wünscht, dann soll sie das sagen und nicht das parteigeschwätze von der inklusion daherbringen.
    im klartext kann normalerweise allen geholfen werden.

    ich war in der „alten“ kirche ministrant und mir tut es im herzen weh, wenn man solche nachrichten im zusammenhang einem „gotteshaus“ lesen muss.

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    Dieser Kommentar wurde zwar unter einem existierenden Namen (kein Pseudonym) veröffentlicht, wie es unsere Richtlinien vorschreiben. Nachdem in Baunach Diskussionen über die Identität des Kommentators auftauchten, haben wir den Kommentator unter der uns hinterlassenen E-Mail-Adresse angeschrieben, bislang aber keine Antwort erhalten. Daher ist auch uns der wirkliche Name des Kommentators unbekannt. Wir lassen den Kommentar aber stehen, um den Diskussionsverlauf unter diesem Artikel nicht zu verfälschen.
    Ihr Nachrichten-am-Ort-Redaktion

  3. dr russ,reinhold 5. August 2014 at 17:58 - Antworten

    entgegen mancher mutmassung stammt artikel unter
    dem namen russ nicht von mir.wäre auch unter meinem
    niveau.
    dr russ reinhold.

  4. dr russ,reinhold 6. August 2014 at 13:47 - Antworten

    Es wäre positiv,wenn der Kommentator „Russ“ aus der
    Anonymität hervortreten würde,um dem „Ortsgerede“
    über z.B. Dr Russ oder Michael Russ die Basis zu entziehen.
    andernfalls kann ich mir ein anwaltliches Vorgehen
    vorstellen??
    Dr Russ Reinhold.

  5. Sabine Saam 7. August 2014 at 09:30 - Antworten

    Lieber Herr Dr.Ruß,

    in der Anonymität lässt es sich leicht schimpfen, und hier im Netz ja sowieseo.
    Insofern kann ich Ihren Ärger gut verstehen.

    Nicht nur mit „Klartext“ sondern auch mit „Klarnamen“ kann normalerweise allen geholfen werden.

  6. dr russ,reinhold 7. August 2014 at 12:10 - Antworten

    Werte Sabine Saam,
    ich gebe Ihnen völlig Recht(„Klarnamen“) und bedauere
    es sehr,dass wir beide ungewollt Anlass zu allerlei
    Spekulationen geworden sind.
    Gruss Ihr Reinhold Dr Russ

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