Im Stadtrat: Tunnel zur Ortsumgehung? Boxen für die Kinder?

Veröffentlicht am 4. September 2013 von Johannes Michel

Zukunftsinvestitionen, Millionenbeträge und Unverständnis. Mit diesen Schlagworten lässt sich die Baunacher Stadtratssitzung vom 3. September 2013 treffend zusammenfassen. Die wichtigsten Themen waren die Ortsumgehung mit einer möglichen Tunnellösung und die Erweiterung der Kindertagesstätte St. Magdalena. In beiden Fällen gab es nicht wirklich Positives zu vermelden – und einige Stadträte verzweifelten an Regierung und Naturschutz.

Umgehung: Ein Tunnel für 40 Millionen Euro?

Fassen wir den aktuellen Stand in Sachen Ortsumgehung von Baunach und Reckendorf kurz zusammen: Die Stadt wünscht sich eine Ostumgehung, um auch das Gewerbegebiet optimal anbinden zu können. Dem entgegen stehen Naturschutzgebiete europäischen Rangs. Das Staatliche Bauamt Bamberg favorisierte bei einer Infoveranstaltung im Jahr 2012 eine Westumgehung. Bei Gesprächen mit der Regierung von Oberfranken und der Höheren Naturschutzbehörde kam Anfang 2013 die Idee eines Tunnels auf. Nun liegen dazu erste Details vor.

Da noch genauere Untersuchungen des Untergrunds ausstehen, geht die Zentralstelle für Brücken- und Tunnelbau der Autobahndirektion von Kosten zwischen 17 und 46 Millionen Euro aus. Nicht berücksichtigt sind damit einhergehende Maßnahmen wie die Verlegung des Sportplatzes des 1. FC Baunach, durch den die Tunneleinfahrt führen würde. Insgesamt wäre der Tunnel 660 Meter lang und hätte zwei Einfahrten mit einer Länge von jeweils 250 Metern. Teuer würde er auch, da in diesem Bereich Maßnahmen des Hochwasserschutzes nicht zu umgehen sind und da technische Anlagen wie eine Regenwasserpumpe sowie Videoüberwachung, Brandschutz- und Lüftungsanlagen notwendig wären. Außerdem würde er Gebäude mit relativ geringer Überdeckung unterqueren, wodurch Gebäudeunterfangungen oder sogar Abbrüche erforderlich sein könnten. Der zuständige Baudirektor Bernhard Ettelt empfiehlt daher, vorhandene oder weitere Alternativen intensiv zu prüfen und die Tunnelvariante gegebenenfalls zu verwerfen. Bürgermeister Ekkehard Hojer verlas außerdem eine Kurzbeurteilung eines Stadt- und Umweltplaners, der erhebliche Beeinträchtigungen des FFH-Gebietes auch bei einer Tunnellösung festgestellt hatte. Er kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede zwischen einer Tunnellösung und der Westumfahrung (auch dort finden Eingriffe in Naturschutzgebiete statt) nicht mehr gravierend seien.

Umgehung und Tunnel Baunach, Plan, 2013
Gesamtansicht mit den drei möglichen Lösungen: Ostumgehung, Tunnel, Westumgehung (zum Vergrößern anklicken).

Umgehung und Tunnel Baunach, Plan 2, 2013
Im Süden: Der Sportplatz des FC Baunach fiele der Tunneleinfahrt zum Opfer.

Umgehung und Tunnel Baunach, Plan 3, 2013
Im Norden würde der Tunnel entlang der Bahnstrecke verlaufen.

Es folgte eine Diskussion im Stadtrat über die „Perversität des EU-Naturschutzes“, wie Stadtrat Erich Langhojer (SPD) die Situation bezeichnete. Irgendwann müsse dieses System einmal in sich zusammenbrechen. Stadtrat Reinhold Schweda (CSU) wies darauf hin, dass bei einer Tunnellösung das Gewerbegebiet nicht angebunden wäre und weiterhin durch die Stadt angefahren werden müsste. Bürgermeister Hojer hatte diese Anbindung zuvor als überaus wichtig bezeichnet, vor allem falls einmal die Baunachbrücke gesperrt und/oder saniert werden müsse. Der Stadtrat beschloss daher einstimmig, am Beschluss aus der Sitzung vom 5. Februar 2013 festzuhalten. Er sprach sich damals dafür aus, die Ostumgehung zu favorisieren, sich aber Alternativen im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans nicht zu verschließen.

Tipp zum Weiterlesen: Alle Infos zu einer möglichen Umgehung finden Sie in unserer Artikelsammlung zum Thema B279.

Erweiterung der KiTa: Von 650.000 auf über 1,1 Millionen Euro?

Unverständnis für eine Entscheidung der Regierung von Oberfranken zeigte der Stadtrat in Sachen Erweiterung der Kindertagesstätte St. Magdalena. Bereits in zwei Sitzungen (2. Juli und 12. Juni 2013) hatten sich die Räte mit dem Thema beschäftigt. Architekt Stefan Paptistella hatte, in enger Zusammenarbeit mit dem Betreiber AWO, eine Planung ausgearbeitet, die eine Erweiterung des Gebäudes durch einen Anbau im hinteren Bereich sowie Umgestaltungen im Innenbereich vorsah. Obwohl das Landratsamt Bamberg sich mit der kompakten Planung (Erweiterung um 120 Quadratmeter) einverstanden erklärt hatte, wurde sie von der Regierung von Oberfranken abgelehnt. Begründung: mangelhafte Belichtung und fehlende Lagermöglichkeiten. Paptistella hatte daher eine neue Variante zusammengestellt: Sie sieht ein „Wegrutschen“ vom bisherigen Gebäude und den Anbau von drei „Boxen“ mit jeweils 80 Quadratmeter Nutzfläche vor. Jede besteht aus einem Gruppen- und Ruheraum sowie aus einem Sanitärbereich. Da die Boxen in den Hang integriert werden müssen, kommen Stelzen zum Einsatz. Mit Gesamtkosten von 1,13 Millionen Euro käme diese Variante fast 500.000 Euro teurer als bisher geplant, der Zuschuss der Regierung bliebe aber bei rund 400.000 Euro.

KiTa St. Magdalena Variante 1, 2013
Planung 1: Architekt Stefan Paptistella wollte zunächst direkt ans Gebäude anbauen (gelb markiert).

KiTa St. Magdalena Variante 2, 2013
Planung 2: Die Regierung von Oberfranken empfand den Entwurf als zu klein. Heraus kam eine „Boxenlösung“.

Während sich einige Stadträte und Bürgermeister Hojer die Boxen optisch vorstellen konnten und die moderne Bauweise begrüßten, kamen sie bei manchen nicht gut an (Anneliese Saam, CSU: „Schweizer-Käse-Boxen“). Kritisiert wurden allgemein die hohen Kosten und die Ablehnung der Regierung von Oberfranken. Reinhold Schweda schlug eine zusammenhängende Bauweise im Rahmen eines komplett neuen Gebäudes auf dem Grundstück der KiTa vor. Eine solche Lösung soll Architekt Paptistella in den kommenden Wochen nun, in enger Abstimmung mit Stadtratsmitgliedern, erarbeiten. Die Planung muss noch 2013 abgeschlossen werden, um Fördergelder zu erhalten. Ebenso ist eine Eröffnung vor Ende 2014 nötig.

Weitere Themen der Sitzung vom 3. September 2013

In weiteren Tagesordnungspunkten beschloss der Stadtrat, einen Wohncontainer zur Notunterbringung bei Zwangsräumungen anzuschaffen. Die Kosten für einen gebrauchten Container und einen zusätzlichen Sanitärcontainer liegen bei rund 20.000 Euro. In Zusammenarbeit mit dem St.-Michaelsbund wird die Stadtbücherei Baunach ab Februar 2014 den Verleih von E-Books ermöglichen. Die Leser zurzeit fast 350 Leser erhalten damit Zugriff auf einen großen Pool an E-Books, die über den St.-Michaelsbund und kooperierenden Büchereien beschafft werden und allen angeschlossenen Büchereien zur Verfügung stehen.

Johannes Michel. Fotos und Grafiken: Architekt Paptistella, Zentralstelle für Brücken- und Tunnelbau, ANUVA Stadt- und Umweltplanung GbR

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