Kein Elektroauto für Baunach: „Wir müssen nicht die Testfahrer der Nation sein“

Veröffentlicht am 8. Februar 2012 von Johannes Michel

Der elf Jahre alte Renault des Baunacher Klärwärters steht kurz vor dem Ableben und die Verwaltung tat sich im Auftrag des Stadtrats nach Alternativen um. Dabei kam die Idee auf, ein Elektroauto zu beschaffen – der Klärwärter legt vor allem Kurzstrecken zurück. Vor allem die hohen Kosten machten den Stadträten in der jüngsten Sitzung allerdings zu schaffen, genauso wie das „Versuchskaninchen“-Risiko.

„Der aktuelle Kangoo ist mittlerweile elf Jahr alt und hat 110.000 Kilometer Laufleistung hinter sich. Gemäß dem Auftrag des Stadtrats habe ich mich nach einem Elektroauto als Alternative zu einem herkömmlichen Antrieb umgeschaut“, erläuterte Bürgermeister Ekkehard Hojer bei der Stadtratssitzung am 8. Februar 2012. Die Elektrovariante des Kangoo, des einzig passenden Elektroautos aus Serienfertigung, kostet 8.000 Euro mehr als der Benziner (Listenpreis). „Zusätzlich benötigen wir eine Ladebox für 850 Euro, nachdenken sollte man auch über eine Solarstation.“

Stadtrat Axel Schmidt (CBB) sah die Investition in ein Elektrofahrzeug kritisch. „Warum ist der Kangoo nach 110.000 Kilometern am Ende, obwohl nur Kurzstrecken gefahren werden?“ Thomas Distler (CBB) wies darauf hin, dass der Kangoo generell kein sehr hochwertiges Auto sei und sich schnell verbrauche, besonders, wenn nur Kurzstrecken zurückgelegt werden. Er fragte auch nach den Folgekosten. Hojer: „Das Auto ist für zehn Jahre steuerfrei, die Batteriemiete beträgt 89 Euro pro Monat.“

Zukunftsinvestition oder Versuchskaninchen?

Peter Großkopf (SPD) unterstützte die Anschaffung des Elektro-Kangoo. „Wir sind Mitglied der Klimaallianz Bamberg und könnten daher bei steigenden Benzinpreisen eine sinnvolle Zukunftsinvestition tätigen. Wenn das Fahrzeug noch mit Solarstrom geladen werde, käme die Stadt wahrscheinlich finanziell auf ein ähnliches Ergebnis wie mit einem Benziner.“ Bürgermeister Hojer erläuterte kurz die Energiebilanz. Aktuell beziehe die Gemeinde einen „Mischstrom“, so dass der CO2-Ausstoß des Fahrzeugs bei 66 Gramm pro Kilometer liege, wenn es am gewöhnlichen Stromnetz geladen würde. Zum Vergleich: Der Benzin-Kangoo stoße 97 Gramm CO2 aus. Fast neutral sei das Elektrofahrzeug selbstverständlich, wenn es über Solarmodule betankt werde. Rudi Wacker (SPD) sprach sich dagegen aus, die „Testfahrer der Nation“ zu machen. In eine ähnliche Richtung zielten weitere Redebeiträge.


Der Elektro-Kangoo ist momentan noch fast alternativlos.

Einen Kompromissvorschlag brachte Reinhold Schweda (CSU) ein: „Schieben wir die Anschaffung auf und hoffen, dass das bisherige Fahrzeug noch etwas hält. Vielleicht sind dann auch Elektroautos anderer Hersteller im Angebot.“ Über diesen Vorschlag ließ Hojer abstimmen, mit einer Gegenstimme wurde er angenommen. „Der Stadtrat ist nicht generell gegen Elektromobilität, sieht die Technik aber noch nicht als ausgereift an“, so Hojer. Durch die Aufschiebung sollen nun Finanzmittel für eine spätere Investition in den Haushalt eingestellt werden.

Johannes Michel, Bilder: Renault


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