Finden die Hölzernen Männer endlich eine neue Heimat?

Veröffentlicht am 14. Dezember 2016 von Johannes Michel

„Für uns ist es nicht vorstellbar, die Hölzernen Männer hinter verschlossenen Türen, etwa in einem Museum, zu zeigen. Sie müssen aktiv erlebbar bleiben.“ Die Ansichten der Architekten von Brückner & Brückner sind klar. Im Baunacher Stadtrat zeigten sie einen Entwurf für die Unterbringung des Wahrzeichens der Stadt in der Zentscheune. Außerdem standen die Jahresrückblicke auf der Agenda.

Seit Jahren sind die Hölzernen Männer, das Wahrzeichen der Stadt Baunach, eingelagert. Die Idee einer Einhausung und einer erneuten Aufstellung im Freien scheiterte, ins Spiel kam dann die Zentscheune. Sie dient bisher als Lager und könnte bei überschaubarem Aufwand zur neuen Heimat der Hölzernen Männer werden. Vom Architekturbüro Brückner & Brückner, das sich auch verantwortlich fürs Bürgerhaus Lechner Bräu zeigte, wurde dem Stadtrat am 13. Dezember 2016 ein erster Entwurf vorgestellt.

Grundgedanke: Die Hölzernen Männer sollten auch von außen sichtbar sein, etwa durch eine große Fensterscheibe und eine Lichtinstallation. Dafür müssten die beiden Tore der Zentscheune ausgebaut und durch einen modernen Eingangsbereich ersetzt werden. Ebenso müsste ein Teil der Dachbalken weichen, da ansonsten die Höhe nicht ausreicht. Durch diese Maßnahmen würde die Zentscheune, wenn auch ohne Heizung, zu einem neuen Veranstaltungsort in Baunach. Denn rund um die zentral in ihr aufgestellten Hölzernen Männer wären Veranstaltungen, insbesondere aus dem kulturellen Bereich, denkbar. Eine erste Kostenschätzung gab es auch: 250.000 Euro veranschlagen die Architekten.

Hölzerne Männer Entwurf
An eine solche Einhausung für die Hölzernen Männer war einmal gedacht.

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Nun könnten sie, wenn das Projekt weiter verfolgt wird, in die Zentscheune einziehen.

Über den Entwurf wurde im Stadtrat länger diskutiert, besonders in Sachen Eingangsbereich. Es ergaben sich auch Meinungsverschiedenheiten zur Nutzung: Soll der Raum eher ein Platz für die Hölzernen Männer sein oder auch weiterhin den Vereinen als Ausschank bei Festen dienen? Ein Beschluss über den Entwurf an sich wurde noch nicht gefasst, zunächst sollen die neuen Ideen dem Denkmalschutz und der Regierung von Oberfranken vorgelegt werden. Dann könnte im Frühjahr ein möglicherweise angepasster Entwurfsplan erneut in den Stadtrat kommen. Kostentechnisch günstiger, das betonte Bürgermeister Ekkehard Hojer, wäre die Einhausung im Freien auch nicht gekommen. Sie war mit rund 200.000 Euro veranschlagt worden, plus einer umfangreichen Restaurierung (ca. 100.000 Euro) der Hölzernen Männer, die weiterhin teilweise der Witterung ausgesetzt wären. Diese Restaurierung würde bei einer Unterbringung in der Zentscheune deutlich günstiger.

Baunach-Allianz und Nachhaltigkeit

Einen Zwischenbericht zur Baunach-Allianz gab Bürgermeister Hojer. Die erste öffentliche Versammlung habe am 22. November in Rentweinsdorf stattgefunden – für die fünf Handlungsfelder Siedlungsentwicklung, Tourismus/Freizeit, Daseinsvorsorge, Wirtschaft und Bürgerliches Engagement/Identität seien „Themenpaten“ benannt worden. Zur Bürgerbeteiligung werde es eine Webseite geben, die beauftragt wurde. Die erste Gemeindewerkstatt, die das weitere Vorgehen festlegt, ist für den 31. Januar 2017 im Baunacher Bürgerhaus angesetzt.

Für die Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit in der Region“ berichtete Prof. Dr. Thea Stäudel dem Stadtrat. Sie blickte auf den ersten Baunacher Nachhaltigkeitstag im April und den Infoabend „Bienenfreundliche Gestaltung von Flächen in der VG Baunach“ im Oktober zurück und erklärte erste Projekte wie die Pflanzung von 2.200 Wildkrokussen in städtischen Grünflächen. Ausgeweitet werden soll die Öffentlichkeitsarbeit, weitere geplante Aktionen seien beispielsweise eine Blühwiese m Regenrückhaltebecken am Tiergarten, Infotafeln und die Ansprache von Privateigentümern und Unternehmern.

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Jugend, Barrierefreiheit und das Bürgerhaus

Wie in jeder Jahresabschluss-Sitzung in Baunach standen außerdem diverse Jahresrückblicke auf dem Programm. Den Anfang machte Laura Galizia für die Jugendarbeit und die offene Ganztagsschule. An drei Tagen der Woche gebe es regelmäßige Angebote, gut angenommen worden seien die Aktionen im Jahr 2016 mit rund 70 Teilnehmern – vom „VG Dance Club“ bis hin zur „VG Jugend-Cool-Tour“ und dem „JUZ-Dinner“. Zusammen mit der Feuerwehr hieß es „Action 112“, mit der Stadtbücherei lud die Jugendarbeit zum Jugendkino. Für die offene Ganztagsschule sind in Baunach aktuell 28 Schüler angemeldet, aufgrund von Brandschutzbestimmungen fehle zurzeit aber der „Chill-Raum“ als Rückzugsmöglichkeit für themenspezifisches Arbeiten und als Ruheraum. Auf das Ferienprogramm der VG Baunach blickte der Jugendbeauftragte Luigi De Vita zurück – an 52 Veranstaltungen, davon 16 in Baunach, hätten fast 400 Kinder und Jugendliche teilgenommen.

Diverse Erfolge in Sachen Barrierefreiheit konnte die Behindertenbeauftragte der Stadt, Heyke Koch, vermelden – etwa die Spur mit glatten Steinplatten über den Marktplatz, die Umsetzung des Postbriefkastens an den Marktplatz, den elektrischen Türöffner am Bürgerhaus oder den neuen Fußgängerweg rund um die Baunachbrücke. 38 Bürger habe sie im vergangenen Jahr beraten, meist in Sachen barrierefreier Umbau und Anträgen an die Sozial- und Pflegekasse. Organisiert wurden auch zwei Infoveranstaltungen. Der Jahresbericht der Seniorenbeauftragten Maria Reich lag nur schriftlich vor – er enthält Rückblicke auf vielfältige Veranstaltungen für Senioren, von Theaterbesuchen bis hin zur Adventsfeier.

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Der Briefkasten am Marktplatz ist nun barrierefrei zu erreichen.

Gut läuft es bei der Stadtbücherei und im Bürgerhaus, wie Melanie Schmitt berichtete. Erneut stieg die Medienanzahl der Bücherei (von 11.350 auf 12.750), 40.000 Entleihungen konnte die Bücherei in 2016 verzeichnen (plus 5.000). Auch die Gebühreneinnahmen stiegen, so dass die Neuanschaffung der Medien davon zu großen Teilen finanziert werden kann. Für 51 Veranstaltungen zeichnete sich das Büchereiteam verantwortlich, rund 3.000 ehrenamtliche Stunden wurden geleistet. Für das Bürgerhaus notierte Schmitt 27 städtische Veranstaltungen, 22 Belegungen durch Vereine und 19 gewerbliche Vermietungen – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr.

Baunach geht es nach wie vor sehr gut

Mit seinem Jahresbericht schloss Bürgermeister Ekkehard Hojer die Stadtratssitzung. Er konnte weiterhin hohe Gewerbesteuereinnahmen (ca. 3 Millionen Euro) vermelden, weiterhin hoch bleibt damit die Kreisumlage, die von der Stadt an den Landkreis Bamberg gezahlt werden muss (ca. 2 Millionen Euro). Die Verschuldung sank wieder unter eine Million Euro auf 236 pro Einwohner (Durchschnitt in Bayern ca. 700 Euro).

Hojer ließ außerdem die wichtigsten Themen aus 2016 Revue passieren, darunter das Bundesprogramm Breitbandförderung, den Bundesverkehrswegeplan, den Start in Sachen neues Baugebiet mit Sondergebiet Pferdehof, die Anschaffung eines Kommandowagens und eines Mehrzweckfahrzeugs für die Feuerwehr, den erstmals zweitägigen Weihnachtsmarkt, die Barrierefreiheit am Marktplatz, die Sanierung der Sportanlagen des FC Baunach, den Umbau der Kirche und des Beinhauses sowie die kommende große Brückenbaustelle der B279.

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