Gastbeitrag: ISEK und Verkehrssituation als unzertrennliche Bausteine

Veröffentlicht am 16. Januar 2017 von Redaktion

Die Zückshuter Brücke in Breitengüßbach ist offen, Ende 2017 wird dann auch die Behelfsbrücke im Süden von der Bahn zurückgebaut. Somit wird wieder mehr Verkehr durch den Ortskern fließen. Wie lässt sich das künftig steuern? Der Gemeinderat diskutierte darüber schon im November 2016. Bernhard Pfister aus Breitengüßbach äußert sich dazu in einem Gastbeitrag.

Ein Gastbeitrag von Bernhard Pfister

Das „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept“ (ISEK) und die genaue Betrachtung der Verkehrssituation sind unzertrennliche Bausteine jeder Entwicklungsmaßnahme in Städten oder Dörfern, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Breitengüßbach hat in den letzten zwei Jahren intensiv an einem ISEK gearbeitet. Bürger und Gemeinderat haben für den Ort Wünsche und Entwicklungsmöglichkeiten konkretisiert und in einem umfassenden Manuskript zusammengestellt. Unterlagen, die sich sehen lassen können und auch in der Tiefe der Sache nicht so leicht zu übertreffen sind.

Dennoch haben parallel dazu Veränderungen stattgefunden, die darüber hinaus einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Der Neubau der ICE-Strecke von Nürnberg nach Erfurt wurde im Bereich Breitengüßbach im Rahmen einer acht Monate langen Streckensperrung realisiert. Neue Brückenbauwerke wurden und werden noch errichtet, statt Bahnhof ist nun ein neuer Haltepunkt entstanden und der Bahnlärm der neuen viergleisigen Strecke wird durch meterhohe Schallschutzwände auf ein erträgliches Maß reduziert. Ein Preis, der dem Fortschritt einer modernen Gesellschaft geschuldet ist und der auf die doch so wichtigen zukünftigen Verkehrsentwicklungen ausgerichtet bezahlbar scheint.

Wir Breitengüßbacher sind als Verkehrsknotenpunkt in ganz besonderer Weise von diesen Entwicklungen berührt, dürfen uns aber auch über die damit verbundenen Vorteile freuen.

Viele Bürgerinnen und Bürger,  die unmittelbar von den Baumaßnahmen  und deren Folgen betroffen sind, haben die Entwicklungen zähneknirschend angenommen und sich mittlerweile damit abgefunden.

Die stattgefundenen Veränderungen haben für Breitengüßbach auch einige unübersehbar positive Aspekte mit sich gebracht. Es sind neue Wegeverbindungen (Rad- und Fußwege) östlich und westlich der Eisenbahntrasse entstanden, der Wohnbereich östlich der Bahnstrecke wurde über eine Fußgängerunterführung an den Haltepunkt Breitengüßbach angebunden, die freiwerdenden Flächen um das alte Bahnbetriebsgelände schaffen Platzangebote für Park- und Straßenflächen und für den Bahnhof und dessen Nebengebäude drängen sich förmlich geschmeidige Umnutzungskonzepte auf. Eine enormes Potenzial, das uns Investitionen abverlangt, die unseren Ort für die Zukunft fit machen und seine Wohn- und Lebensqualität steigern werden.

Damit nun alle diese Dinge unter einen Hut gebracht werden können, hat der Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die möglichen Maßnahmen im Ortskern, entlang der ICE-Strecke, im Bahnhofsbereich und an den vielen Schnittstellen aufzeigen und den finanziellen Rahmen abstecken soll. Dieser Machbarkeitsstudie werden konkrete und gezielte Maßnahmen in allen verifizierten Bereichen folgen und das ist auch gut so.

Ende 2017 werden die Behelfsbrücken im Norden und Süden von Breitengüßbach wieder zurückgebaut. Die Behelfsbrücke im Norden wird durch ein neues Brückenbauwerk mit einer Anbindung an die St 2197 Richtung Zapfendorf ersetzt und so der alte Status wieder hergestellt.

Die Behelfsbrücke im Süden von Breitengüßbach wird ersatzlos verschwinden. Der gesamte Verkehr aus den Wohnbereichen östlich der Eisenbahnstrecke muss dann wieder über den Ortskern fließen. Eine Verkehrsuntersuchung im Juli 2016 hat gezeigt, dass eine Brücke im Süden von Breitengüßbach erforderlich ist, um langfristig einen vernünftigen Beitrag zur Entlastung des Ortskerns zu leisten.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für den Bau der ICE-Strecke konnten sich die Gemeinden Breitengüßbach und Kemmern nicht über eine gemeinsame Brücke am bestehenden Kreisverkehr, im Süden Breitengüßbachs, einigen. Kemmern hat sein Wegerecht in Anspruch genommen und eine eigene Brücke, südlich der Autobahnbrücke, gebaut. Eine Tatsache, der man sicher lange nachtrauern wird, aber die nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Breitengüßbach fehlt es an finanziellen Möglichkeiten eine zusätzliche Brücke über die Eisenbahnstrecke  alleine zu schultern. Wie können wir nun dieser Situation begegnen, nicht kontraproduktiv zum laufenden ISEK agieren und einen Schritt nach vorne tun?

Die gerechte und sinnvolle Verteilung der Verkehrsströme im Ort darf nicht wieder auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Die machbaren Dinge müssen jetzt aufgegriffen, geplant  und umgesetzt werden, um nicht letztlich wieder dem Nachsehen eine Freude zu bereiten. Also was tun zwischen ISEK, Machbarkeitsstudie und den eigenen Eitelkeiten, die uns auf den kommunalpolitischen Wegen stets begleiten?

Der ICE-Ausbau hat Breitengüßbach eine neue Straßenverbindung von der Klingenstraße zur Behelfsbrücke hin beschert. Die Behelfsbrücke wird aber Ende 2017 rückgebaut. Die Verlängerung dieser Straßenverbindung bis hin zur neuen Kemmerner Eisenbahnbrücke wäre eine gute und auch machbare Lösung, die auf der Hand liegt und den bestehenden Möglichkeiten, wenn man genau hinschaut, gerecht wird.

Sie verknüpft die Gegebenheiten mit der laufenden Machbarkeitsstudie zum ISEK vorteilhaft, bildet für die östlich der Eisenbahnstrecke liegenden Wohngebiete eine zusätzliche Verkehrsanbindung, die den Ortskern entlastet und so die gesamte Verkehrsbelastungen gerechter verteilt. Wir müssen also bestrebt sein alles zu tun, um diese realistische Möglichkeit auszuschöpfen. Besonders weil in den  nächsten zwei Jahren bauliche Veränderungen an der Autobahnbrücke, die dort die Eisenbahntrasse kreuzt, stattfinden und diese planerisch eine geeignete Straßenverbindung beeinträchtigen könnten.

Es gilt jetzt Wege zu suchen, die Möglichkeiten auszuschöpfen und daran intensiv zu arbeiten. Wer nach Wegen sucht, wird auch welche finden. Populismus und Eigeninteressen müssen jetzt einfach hinten anstehen.

Bernhard Pfister, Breitengüßbach

 

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