Sanierungskonzept für die Kläranlage

Veröffentlicht am 7. Juni 2017 von Nadine Rener

Schon seit einigen Jahren steht die Frage im Raum, wie es mit der bald 30 Jahre alten Kläranlage in Breitengüßbach weitergehen soll. Es wurden verschiedene Möglichkeiten herausgearbeitet, wie eine Sanierung aussehen könnte, in der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden einige erneut aufgegriffen. Nun fiel auch die Entscheidung für eines dieser Sanierungskonzepte.

Christian Brückner vom Ingenieurbüro Gaul gab in Der Sitzung vom 1. Juni 2017 einen kurzen Rückblick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre. 2011 wurde der Wasserrechtsbescheid neu beantragt, die Betriebserlaubnis wurde aber nicht für die üblichen 20 Jahre ausgestellt und das Wasserwirtschaftsamt forderte eine Sanierung der Kläranlage. Im vergangenen Jahr gab es dann eine Abstimmung mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt und es wurde festgelegt, dass noch ein Forschungsvorhaben des Bundesamtes für Umwelt abgewartet werden soll. Aus diesem Forschungsvorhaben haben sich dann fünf Varianten für die Sanierung der Anlage ergeben.

Was passiert mit dem Klärschlamm?

Von diesen fünf Varianten stellte Brückner die unterschiedlichen Sanierungsmöglichkeiten vor, die noch zur Diskussion stehen. Grundsätzlich ging es vor allem um die Frage, wie mit dem Klärschlamm verfahren werden soll. Die erste Variante sieht eine Stabilisierung des Klärschlamms unter Sauerstoffzufuhr vor. Demnach würde in der Kläranlage ein neues Belebungsbecken gebaut werden, denn mit zwei Becken könne eine solche Stabilisierung sichergestellt werden, so Brückner. Auch bei der nächsten Variante soll der Schlamm stabilisiert werden, aber dies soll unter Sauerstoffausschluss in einem Faulturm geschehen. Daher wäre bei dieser Variante der Bau einer solchen Faulungsanlage notwendig. Eine Alternative dazu würde ebenfalls die Stabilisierung des Schlammes in einer Faulungsanlage mit sich bringen, der Unterschied zur vorherigen Möglichkeit liegt aber in der Vorklärung, es würde also ein neues Vorklärbecken gebaut werden. Die letzte Variante dagegen sieht keine Stabilisierung des Klärschlammes vor, stattdessen soll der Schlamm thermisch verwertet werden. Dies bedeutet, dass der Klärschlamm von einem Dienstleister abgeholt und in einem Kraftwerk entsorgt werden würde.

Nur stabilisierter Schlamm kann landwirtschaftlich verwertet werden, weshalb dies also nur für die ersten drei Varianten möglich ist. Die Klärschlammverordnung und die Düngemittelvorordnung sehen einen Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung für größere Anlagen ab 50.000 Einwohnern ab dem Jahr 2025 vor. Eine landwirtschaftliche Entsorgung von Klärschlämmen sei für kleinere Anlagen aber auch in Zukunft möglich, so Brückner.

Eigene Schlammpresse: ja oder nein?

Damit verbunden, ging es außerdem darum, wie der Schlamm entwässert werden soll. Dieser kann entweder mobil entwässert werden, wobei dies ein Dienstleister vornehmen muss. Hierbei würde möglichst viel Volumen auf einmal gepresst und viel Prozessabwasser entstehen. Oder aber die Gemeinde würde in eine eigene Schlammpresse investieren, wodurch der Schlamm regelmäßig gepresst werden könnte.

Brückner zeigte ebenfalls Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten auf. Bei der ersten Variante mit einem Neubau eines Belebungsbeckens belaufen sich die Investitionskosten auf etwa 3,1 Millionen Euro brutto. Der Vorteil liege aber darin, dass die Anlagentechnik robust sei und die herkömmliche Verfahrenstechnik angewandt würde, so Brückner. Allerdings sei diese Variante auch energieaufwendiger als andere Alternativen, es gebe begrenzte Möglichkeiten zur Optimierung und die Ausstattung des ersten Beckens müsse gedoppelt werden. Die zweite Variante, die eine Faulung vorsieht, und ihre Alternative mit Vorklärung liegen beide bei Investitionskosten von etwa 3,5 Millionen Euro, haben aber den Vorteil, dass sie beide die geringsten Betriebskosten, die beste CO2-Bilanz, eine optimierte Energienutzung und generell die größte Unabhängigkeit vom Strom aufweisen. Die dritte Variante ist zwar bezüglich der Investitionskosten die günstigste Alternative und weist ebenfalls den geringsten Personal- und Wartungsaufwand auf, verzeichnet aber ebenfalls die höchsten Betriebskosten und die stärkste Abhängigkeit beispielsweise von Kraftwerksbetreibern auf.

Reduzierung der Schlammmasse als weiterer Vorteil

Daraus resultierte Brückners Empfehlung für die Gemeinde, nämlich die Umstellung auf anaerobe Schlammstabiliserung, also die Faulung des Klärschlammes, mit der Errichtung einer stationären Schlammentwässerung. Auch der zweite Bürgermeister und Verantwortliche für die Kläranlage, Hubert Dorsch (CSU), sprach sich für die Faulung aus. Er berichtete von Erfahrungen von anderen Gemeinden, die in einigen Fällen durchaus gut waren und wies außerdem auf einen weiteren Reiz der Faulung hin: Bei der Faulung würde die organische Masse so weit abgebaut, dass nichts mehr weiter zersetzt werden könne, der Schlamm sei also gut stabilisiert und die Schlammmenge würde reduziert. „Was nicht anfällt, muss auch nicht entsorgt werden“, so Dorsch. Gemeinderat Bernhard Pfister (SPD) betonte, dass die Menschen immer sensibler gegenüber der Klärschlammproblematik werden würden und eine solche Reduzierung ein großer Vorteil sei. Insgesamt sprachen sich alle Fraktionen daher grundsätzlich für die Faulung des Schlammes vor und im Speziellen für den Bau einer Faulungsanlage und eines neuen Vorklärbeckens, aus.

Aber wie sieht es mit der Finanzierung aus? Die Refinanzierung könne entweder über Gebühren oder Beiträge erreicht werden, erläuterte Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (UBB), in der Regel werde dies aber aufgeteilt. Dies sei aber ein Thema, das noch ausführlicher diskutiert werden müsse, da es sich um einen längeren Prozess handelt. Zudem müssten die Bürger über die nächsten Schritte informiert werden.

Mehr Betreuungsbedarf

Bereits zwei Tage zuvor beschloss der Gemeinderat, den Mehrzweckraum in der Kindertageseinrichtung der Gemeinde Breitengüßbach in einen Gruppenraum umzufunktionieren. Notwendig wird dies aufgrund des erhöhten Bedarfs an Betreuungsplätzen. Als Alternative für den Mehrzweckraum wird eine Containeranlage aufgestellt. Außerdem präsentierten in der Sitzung zwei Planungsbüros ihre Leistungen in Sachen Projektmanagement inklusive der Betreuung eines städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerbs vor. Der Gemeinderat wird sich für eines der beiden Angebote entscheiden.

Grafik: Gaul Ingenieure

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