Landwirtschaftliche oder doch lieber thermische Verwertung?

Veröffentlicht am 29. September 2016 von Sophia Benoit

Breitengüßbach ist zurzeit in aller Munde – große Themen wie die ICE-Baustelle und das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) beschäftigen die Gemeinde. Doch trotz alledem darf die dringend notwendige Sanierung der Kläranlage nicht außer Acht gelassen werden. Christian Brückner vom Ingenieurbüro Gaul stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Sachverstand zur Sanierungsplanung und die zur Auswahl stehenden Varianten vor.

Der Wasserrechtsbescheid für die Kläranlange vom 26. November 2012 ist befristet bis Ende 2016, eine Verlängerung ist aber bereits beantragt. Der Bescheid enthält die Forderung von umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zum einen aufgrund der Klärschlammproblematik, da der Schlamm auf der Anlage nicht ausreichend stabilisiert wird und es zu einer Nachfaulung kommt – was nicht zugelassen ist. Zum anderen entsprechen Anlagenteile wie Rechen und Sandfang nicht mehr den Stand der Technik, was sich auch auf die Betriebssicherheit auswirkt. Die Teile seien marode und die Maschinentechnik sei fix und fertig, so Hubert Dorsch (CSU), Zweiter Bürgermeister und Zuständiger für die Kläranlage im Bauhof.

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Sanierungskonzept mit zweitem Belebungsbecken. (Quelle: Büro Gaul Ingenieure)

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Thermische Verwertung mit guten Aussichten für die Zukunft

Am 9. August 2016 ergaben sich nach Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt zwei Lösungsmöglichkeiten für die Gemeinde Breitengüßbach. Zum einen ist das die Sanierung der Bestandsteile und Schlammverwertung durch Klärschlammstabilisierung in einem zweiten, neu zu erbauenden Belebungsbecken, oder einer Schlammfaulung, wie es bereits in den Sanierungskonzepten der Jahre 2013 und 2015 dargestellt wurde. Durch den Bau eines zweiten Belebungsbeckens würden beide Becken parallel laufen und ausreichend Kapazität zur Verfügung stellen, um den Schlamm im Becken unter Sauerstoffzufuhr zu stabilisieren. Beim Faulungsverfahren wird der Schlamm in einen sogenannten Faulturm unter Sauerstoffausschuss stabilisiert – ähnlich wie bei einer Biogasanlage. Hier müsste kein zweites Belebungsbecken gebaut werden, sondern das Geld gespart beziehungsweise für eine Faulungsanlage investiert werden. Bei beiden Konzepten kommt noch die Ertüchtigung der maschinentechnischen Anlagen hinzu und bei beiden kann der Klärschlamm auch weiterhin landwirtschaftlich verwertet werden. Allerdings ist es politisch absehbar, dass eine landwirtschaftliche Verwertung des Schlammes voraussichtlich nur noch zehn Jahre möglich wäre. Weiterhin muss eine Schlammstabilisierung von mindestens 25 Tagen zwingend eingehalten werden. Die Gesamtkosten für die „Verfahrensumstellung auf anaerobe Klärschlammstabilisierung mit Faulgasverwertung“ belaufen sich auf 2,44 Millionen Euro, das sind 390.000 Euro mehr als wenn ein zweites Belebungsbecken gebaut wird.

Zum anderen gibt es die Möglichkeit, den Klärschlamm nicht zu stabilisieren, heißt mit einem Schlammalter von weniger als 25 Tagen. Diese Lösung wäre gekoppelt an eine Klärschlammentsorgung im Kraftwerk – also einer thermischen Verwertung. Eine Entscheidung für die Schlammentsorgung im Kraftwerk hat auch Vorteile. Es müssten keine Investitionen für zusätzliche Neubauten getätigt werden – wie Beckenbau oder Faulgasanlage. Außerdem gäbe es bei der thermischen Schlammverwertung keine Auflagen mehr hinsichtlich der Schlammentsorgung und die Aussicht auf einen Wasserrechtsbescheid mit langer Laufzeit vom Wasserwirtschaftsamt fällt deutlich besser aus. Notwendig wären weiterhin Ertüchtigungsmaßnahmen an den übrigen Anlagenteilen und es wird zum Beispiel zusätzlich noch eine Schlammentwässerung benötigt, bevor der Schlamm dann im Kraftwerk verbrannt werden kann.

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Sanierungskonzept mit Faulgasverwertung. (Quelle: Büro Gaul Ingenieure)

Eine Vorplanung soll bis Ende Oktober 2016 erstellt werden

Die beiden Lösungsmöglichkeiten warfen viele Fragen bei den Gemeinderatsmitgliedern auf. Rainer Klehr (UBB) erkundigte sich, wie groß Breitengüßbach mit dem Ausbau noch werden dürfte. Dorsch nannte dabei eine Einwohnerzahl in der Größenordnung von 6500/ 6800. Der Bevölkerungsentwicklung nach wird die Einwohnerzahl in den nächsten Jahren nicht extrem ansteigen. Auf die Frage von Stefan Schor (CSU), ob garantiert wird, dass der thermische Schlamm abgenommen wird, verwies Brückner auf einen abzuschließenden Dienstleistungsvertrag. Momentan gäbe es Dienstleister auf dem Markt wie zum Beispiel E.ON, Zementwerke oder andere Kraftwerksbetreiber, die dafür in Frage kommen würden, so Brückner. Dorsch merkte außerdem an, dass das Verfahren der Faulung zwar energiesparender sei als ein weiteres Becken, weil der Schlamm nicht durch Langzeitbelüftung sondern durch Vergärung stabilisiert wird, das Verfahren aber eher bei einer Größenordnung von mehr als 9.000 Einwohner verwendet wird.

Im nächsten Schritt wird in die Vorplanung gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Gaul gegangen und anhand von Kostenhochrechnungen auf 50 Jahre werden die beiden Varianten verglichen und letztendlich eine Entscheidung getroffen, ob die Wahl auf die landwirtschaftliche Entsorgung oder doch auf die thermische hinausläuft, so Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ verkündete Reinfelder, dass der Zuwendungsbescheid für den Breitbandausbau in der beantragten Höhe von 514.000 Euro von Dr. Markus Söder, Heimatminister der Regierung Oberfranken, ausgehändigt wurde. Der Bescheid sei Grundlage für den Vertrag mit der Telekom, der nun rechtskräftig ist, so Reinfelder.

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