„Verkehrsberuhigung“: Breitengüßbach müsste viele Millionen investieren

Veröffentlicht am 2. Dezember 2016 von Johannes Michel

Im April wurde zuletzt über die Verkehrsbelastung in Breitengüßbach diskutiert – in Auftrag gegeben wurde eine Verkehrszählung. Deren Ergebnisse liegen nur vor und wurden in einer Gemeinderatssitzung präsentiert. Daraus ergeben sich gleich mehrere Handlungsschwerpunkte. Da nicht alles gleichzeitig finanzierbar ist, muss Breitengüßbach eine Prioritätenliste erstellen.

Neben der Umsetzung von Maßnahmen aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) und der Aufwertung des Bahnhofsbereichs hat Breitengüßbach noch eine dritte große Baustelle, die in vielen Bereichen zudem mit ISEK und Bahn einhergeht: Die Verbesserung der Verkehrssituation – und zwar im Sinne der Entlastung der Ortsdurchfahrt. Im Juli wurde dazu eine weitere Verkehrszählung durchgeführt, die interessante Entwicklungen aufzeigt. Durch die Sperrung der Staatsstraße zwischen Zapfendorf und Unteroberndorf sowie der Brücke Zückshuter Straße und der errichteten Behelfsbrücke im Süden ergab sich für die Ortsdurchfahrt eine wesentlich geringere Belastung als noch vor einigen Jahren.

„2007 wurden pro Tag rund 20.000 Fahrzeuge an der Hauptkreuzung gezählt, nun waren es nur mehr 10.000“, erklärte Verkehrsgutachter Prof. Dr. Harald Kurzak. „Bei einer so deutlichen Entlastung der Kreuzung ließe sie sich ohne Weiteres zurückbauen.“ Aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse würde es zwar mit einem Kreisverkehr schwierig, denkbar seien aber versetzte Kreuzungsäste. Nur: Die aktuelle Situation wird nicht von langer Dauer sein. Schon in Kürze wird die Brücke in der Ortsmitte wieder geöffnet, die Staatsstraße nach Zapfendorf dann voraussichtlich im Sommer 2017. Somit ist anzunehmen, dass der Durchgangsverkehr wieder deutlich zunehmen wird. Selbst bei der Zählung im Juli erfasste Kurzak aber Fahrzeuge aus Coburg, die nicht die Autobahn nutzen, sondern über die Ortschaften fahren. Und 400 Fahrzeuge kamen bei der Zählung aus Richtung Baunach – ebenfalls eine stolze Zahl.

Viele Maßnahmen bedingen sich gegenseitig

Interessantes Detail: Die Breitengüßbacher Ortsdurchfahrt ist in Richtung Norden stärker belastet als in Richtung Süden. „Wer von Norden kommt, biegt als Rechtsabbieger auf die Autobahn ab – von Süden kommend hingegen ist der Autofahrer Linksabbieger. Entgegen seiner Aussagen vom April nannte Kurzak daher als Priorität Nummer 1 den Umbau dieses Bereichs: Wer von Hallstadt / Kemmern anfahre, müsse künftig auf eine abknickende Vorfahrtsstraße direkt auf die Autobahn geführt werden. Für die aus Breitengüßbach kommenden Fahrzeuge habe das aber den Nachteil, nicht mehr vorfahrtsberechtigt zu sein – es könnte, gerade im Berufsverkehr, somit zu Wartezeiten kommen.

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So oder ähnlich ließe sich die Auffahrt zur Autobahn Breitengüßbach Süd umbauen: Von Kemmern kommend würde die Vorfahrtsstraße auf die Autobahn münden, wer nach Breitengüßbach will, müsste nach der Kurve rechts abbiegen. Luftbild: Google Maps, Montage: Nachrichten am Ort

Ebenfalls als wichtig bezeichnete Kurzak eine Brücke Süd, also eine Brücke an Stelle der momentanen Behelfsbrücke. Die mache aber nur Sinn, wenn eine Verbindung zur Kreisstraße Richtung Zückhut bestehe, ansonsten würde sie nicht angenommen, die von Zückshut kommenden Autofahrer würden weiterhin die Kreuzung innerorts nutzen. Die Kombination aus dieser Brücke und dem Umbau der Autobahnauffahrt Breitengüßbach Süd könne bereits eine deutliche Entlastung der Ortsdurchfahrt bringen – dann könnte die Bamberger Straße moderat zurückgebaut werden, Querungshilfen den Verkehr weiter verlangsamen. Und: Die Autobahnabfahrt Breitengüßbach Mitte sollte, so Kurzak, auf einen Kreisverkehr stoßen, um hier die Rückstaus auf die Autobahn zu vermeiden.

Klar wurde schnell: Rund um das Thema Verkehr hat Breitengüßbach ein großes Paket an Einzelmaßnahmen abzuarbeiten, viele dieser Bestandteile bedingen sich gegenseitig: Ohne Verkehrsentlastung innerorts gibt es wenig Spielraum für Verbesserungen in diesem Bereich. Gemeinderat Alexander Porst (SPD) brachte es auf den Punkt: „Ohne Brücke Süd lässt sich der Schwerpunkt des ISEK nicht realisieren.“ Sein Fraktionskollege Bernhard Pfister meinte, man könne auch die gerade bei Kemmern entstehende Brücke nutzen, da das wahrscheinlich kostengünstiger käme als eine eigene Brücke. Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder zweifelte das allerdings an – aufgrund der fehlenden Straßenanbindung Richtung Breitengüßbach sowie den Platzverhältnissen unter der Autobahnbrücke. In 2017 soll eine weitere Verkehrszählung für eine Erweiterung des Datenbestands sorgen – und die Gemeinderäte werden dann eine Prioritätenliste erarbeiten müssen.

Verkehrsregelung in der Klingenstraße bleibt

Noch einmal um das Thema Verkehr ging es bei einem Antrag der Breitengüßbacherin Stefanie Car, er lautete: „Zurücksetzung der Straßen Erlein/Klingenstraße in die Zone 30, Einführung der damit verbundenen „Rechts vor Links Regelung“, Aufhebung des Parkverbotes und Verbot für den Lkw- und Schwerlastverkehr sowie den landwirtschaftlichen Schwerlastverkehr nach Verkehrsfreigabe der Brücke Kreisstraße BA 16 (Zückshuter Straße)“. Die Anordnung des Landratsamtes gelte zwar bis Ende 2017, so Reinfelder, beziehe sich aber auf die überörtliche Umleitung, die demnächst abgebaut wird. Einige Gemeinderäte, allen voran Alexander Porst, waren aber der Meinung, die aktuelle Regelung sei besser, sollte eine erneute Verkehrszählung durchgeführt werden. „Prof. Kurzak hat davon gesprochen, dass eine leistungsfähige Verbindung zur Kreisstraße Richtung Zückshut bestehen müsste. Die aktuelle Situation komme dem zumindest ein wenig nahe.“

Gemeinderat Paul Förner (WGH, Wählergemeinschaft Hohengüßbach) empfahl, an den Rückbau der Baustelleneinrichtung der Bahn zu denken, dann falle erneut viel Dreck an, parkende Autos in der Klingenstraße würden die Situation verschärfen. Bei lediglich vier Ja-Stimmen wurde der Antrag von Stefanie Car abgelehnt. Ein Verbot für den Schwerlastverkehr und landwirtschaftliche Fahrzeuge war vom Beschluss ausgenommen, das wäre, so Geschäftsleiter Stefan Neubauer, ohnehin nicht möglich gewesen.

Breitengüßbach als „Gesunde Kommune“

Nach erfolgreicher Bewerbung im Projekt „Gesunde Kommune“ wird Breitengüßbach bis 2018 nun daran teilnehmen. Zusammen mit der Carithek Bamberg, in der Sitzung repräsentiert von Marion Hartmann, sollen eine Bestandsaufnahme durchgeführt, Ziele festgelegt, Aktionen geplant und umgesetzt werden. Gesundheit meine hierbei auch das Lebensumfeld, Themen wie Demenz, Barrierefreiheit und Wohnsituation, so Hartmann. Bei einer Gegenstimme beschloss das Gremium die Teilnahme und Unterstützung des Projekts. Wie sich die Bürger einbringen können, werde in einem der kommenden Mitteilungsblätter näher bekanntgegeben, so Bürgermeisterin Reinfelder.

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