Staatssekretär Eck: Warum kommen Sie damit erst jetzt?

Veröffentlicht am 17. Februar 2014 von Johannes Michel

Im Herbst 2013 lief das Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der ICE-Strecke in unserer Region. Besonders betroffen sind die Gemeinden Breitengüßbach und Zapfendorf, wo die Bahnstrecke durch den Ort verläuft. Bei einem Ortstermin mit Staatssekretär Gerhard Eck diskutierten Bürgermeisterin, Gemeinderäte und interessierte Bürger über alternative Lösungsmöglichkeiten.

Bereits in den Einwänden zum Planfeststellungsverfahren hatte die Gemeinde Breitengüßbach klar gemacht, mit zentralen Punkten der Planung nicht einverstanden zu sein. Hauptkritikpunkte sind die lediglich als Wirtschaftsweg ausgelegte Querung der Bahnstrecke mit Anschluss an den Kreisverkehr im Süden sowie die Ersatzlösung für die Brücke Richtung Zückshut (Kreisstraße BA16), die anderthalb Meter höher als bislang werden soll. Damit nimmt die Steigung von aktuell sechs auf mehr als acht Prozent zu – „unzumutbar für Radfahrer, ältere Menschen und Rollstuhlfahrer“, so Gemeinderat Ottmar Geuß (CSU), der den Vororttermin mit Staatssekretär Gerhard Eck und MdL Heinrich Rudrof im Rahmen des kleinen Parteitags der CSU in Bamberg organisiert hatte.

Ortstermin Breitengüßbach Bahn Staatssekretär Eck 2014
Staatssekretär Gerhard Eck (links) mit Heinrich Rudrof und Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (vorne in der Mitte). Auch Bürgermeister Rüdiger Gerst (rechts, sitzend) war gekommen.

Im Infopoint der Bahn am Breitengüßbacher Bahnhof schaute sich Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder zusammen mit den Gästen den Simulationsfilm (siehe unter diesem Artikel) an, der seit Dezember 2013 auch online abrufbar ist. Erste Station war dabei der Bahnübergangsersatz für Kemmern, der nun, entgegen früherer Planungen, mit einer eigenen Brücke realisiert werden soll. Anschließend stand „Breitengüßbach Süd“ auf der Agenda. „Hier baut die Bahn ohnehin eine Behelfsbrücke für den Baustellenverkehr, diese sollte dann erhalten bleiben“, sagte Gemeinderat Alois Ludwig. Reinfelder erklärte, die Gemeinde wolle hier die Mehrkosten für den Ausbau tragen, um die Brücke später einmal für eine Westumfahrung des Kernortes nutzen zu können. Rund 1,7 Millionen Euro wären hier vorzufinanzieren.

Eine Unterführung Richtung Zückshut könnte teuer werden

Diskutiert wurde auch über den Bahnhofsbereich, bei dem die Bahn bislang keine Parkplätze vorsieht. Für den barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen fallen für die Gemeinde weitere 1,8 Millionen Euro an, Rampen statt Treppen sollen hier entstehen – die Bahn sieht keine Barrierefreiheit vor. Und dann folgte die Kreisstraße Richtung Zückshut. MdL Heinrich Rudrof skizzierte die notwendigen Schritte: Zunächst müssten die Vorteile einer Unterführung gegenüber einer Überführung geprüft werden, dann sei eine Kostenberechnung nötig sowie die Aufstellung einer möglichen Finanzierungslösung. Staatssekretär Eck fragte nach den baulichen Voraussetzungen an dieser Stelle. „Sind eine Grundwasserwanne und Pumpen nötig, vervielfachen sich natürlich die Kosten, auch später beim Unterhalt“, so Eck.

Des Weiteren zeigte Eck Verständnis für die Forderungen aus Breitengüßbach, da es sich um Jahrhundertbauwerke handle. Nicht ganz verstehen konnte er den Zeitpunkt: „Warum kommen sie damit erst jetzt?“, fragte Eck. Ottmar Geuß erklärte dies mit dem Personalwechsel an der Gemeindespitze im vergangenen Jahr, Bürgermeisterin Reinfelder fügte Informationen über wenig erfolgreiche Gespräche mit dem Landratsamt an, das sich für die Kreisstraße zuständig zeigt.

Auch das Überwurfbauwerk auf Höhe von Unteroberndorf war ein Thema. Die Gemeinde möchte hier einen erweiterten Lärmschutz erreichen. Eck wunderte sich über den Standort des Bauwerks nahe der Wohnbebauung. „Bei uns gibt es Schutzvorkehrungen für alles, nur nicht für die bewohnten Ortschaften. Wir müssen die Prioritäten wieder beim Menschen setzen!“

 

Die Simulation zeigt die aktuellen Planungen der Bahn zwischen Hallstadt und Ebensfeld (Tipp: Wollen Sie das Video in HD-Qualität sehen? Dann klicken Sie im unteren Bereich des Videos einfach auf das Einstellungsrädchen und wählen dann bei Qualität 720p HD aus…).

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