Über 430 Jahre Stadtgeschichte: Weiter geht’s im Hallstadter Rathaus

Veröffentlicht am 25. Januar 2017 von Johannes Michel

Eines hat sich in den vergangenen Jahren in Hallstadt deutlich gezeigt: Für eine Stadtverwaltung ist das aktuell hoch im Kurs befindliche Konzept „Großraumbüro“ eher weniger geeignet. Aufgrund eines Wasserschadens und anschließend hoher Schadstoffbelastung residierten die Mitarbeiter der Stadt Hallstadt lange im Bürgerhaus, seit anderthalb Monaten steht wieder das historische Rathaus zur Verfügung. Und das bietet nun einmal viele Vorteile.

Was war nicht in den zurückliegenden Monaten und Jahren in Hallstadt diskutiert worden: Soll die Stadtverwaltung tatsächlich noch einmal ins historische Rathaus zurückziehen? Wäre nicht ein Neubau besser, der dann vollständig barrierefrei sein würde, mit Aufzug, großen und höheren Räumen? Der Stadtrat positionierte sich allerdings klar für eine erneute Sanierung. Und Ende 2016 stand der große Umzug auf dem Programm.

Anderthalb Monate später haben sich die rund 30 Mitarbeiter schon im neuen alten Rathaus eingelebt. Zwar, so betont Pressesprecherin Janina Selig, müssten noch ein paar kleinere Abschlussarbeiten erledigt werden – das ist dem Rathaus aber kaum anzusehen. Das „Ambiente“ dafür sieht gar nicht nach einem typischen Verwaltungsgebäude aus. Offenliegende Holzbalken, niedrige Decken und viele kleine Fenster versprühen einen Charme, den nur wenige Rathäuser zu bieten haben. Natürlich ist das Rathaus trotzdem ein Verwaltungsgebäude, allerdings eines, das ein echtes Wohlfühlen am Arbeitsplatz möglich macht.


Das historische Rathaus ist eines der markantesten Gebäude in Hallstadt.

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Lediglich ein Aufzug fehlt

Das war im Bürgerhaus, in dem die Stadtverwaltung fast sieben Jahre residieren musste, ganz anders. Die Geräuschkulisse war hoch, die Platzverhältnisse waren beschränkt – Rückzugsmöglichkeiten zum konzentrierten Arbeiten oder für Besprechungen gab es nicht. „Das war auch unangenehm für die Bürger, etwa im Bürgeramt. Wenn zwei Bürger da waren, bekam der eine das Anliegen des anderen automatisch mit“, erklärt Bürgermeister Thomas Söder. „Das Bürgerhaus war eben nicht auf eine Verwaltung ausgerichtet, sondern ist eher ein repräsentativer Bau – das zeigt schon der große Eingangsbereich mit Treppenhaus.“ Im Rathaus hat die Stadt, obwohl die Gebäude ähnlich groß sind, fast das Doppelte an Nutzfläche zur Verfügung.

Nicht vorhanden ist im Rathaus ein Aufzug. „Das war im Bürgerhaus für die Besucher natürlich sehr gut, im Rathaus aber war die Barrierefreiheit nicht vollständig möglich.“ Ein Aufzug hätte pro Stockwerk den Verlust eines Raumes bedeutet – zu viel. Das Versäumnis liegt möglicherweise in der Vergangenheit: „Höchstens bei der letzten großen Sanierung hätte man einen Aufzug noch berücksichtigen können“, so Söder. Für Besprechungen gibt es im Erdgeschoss aber einen barrierefrei zugänglichen Raum – und die Behindertentoiletten im Untergeschoss sind über einen Treppenlift erreichbar.


Schon im Treppenhaus wird klar: Hier trifft alt auf neu.

Im Rahmen der Sanierung wurde eine Lüftungsanlage eingebaut, die eine mögliche Restfeuchte über die Jahre austrocknet. Sie sorgt zudem dafür, dass weniger gelüftet werden muss. Auch der Brandschutz wurde verbessert – durch Entfernung des Styropors unter den Steinplatten im Treppenhaus, Fluchtwege aus den Fenstern mit Drehleitern und eine neue Brandmeldeanlage. Die erneute Sanierung mit den zahlreichen Verbesserungen und Anpassungen im Bereich der Technik kostete die Stadt noch einmal zwischen 1,4 und 1,6 Millionen Euro. Die, so betont Bürgermeister Söder, wären aber auch angefallen, wenn die Stadtverwaltung ein neues Domizil bekommen hätte. Denn bei einer anderen Nutzung hätte das historische Gebäude aus den Jahren 1576 bis 1580 nicht einfach so stehen bleiben können.


Künftig soll auch Kunst im Rathaus zu sehen sein – in Zusammenarbeit mit der neuen Artothek.

Auch der Stadtrat zieht wieder um

Ein bisschen wird die Stadt aber auch mit dem Bürgerhaus schräg gegenüber verbunden bleiben – schließlich befindet sich dort der Sitzungssaal für die Stadtratssitzungen. Im Februar soll er erstmalig wieder für eine Sitzung zur Verfügung stehen, bisher fanden diese im Mehrzweckraum der Hans-Schüller-Schule statt.

 

Viele weitere Fotos vom sanierten Rathaus finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wählen).

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