Stadtrat diskutierte neues Verkehrskonzept

Veröffentlicht am 11. Dezember 2015 von Andreas Scheuerer

Die Stadt Hallstadt möchte weniger Verkehr auf den Haupt- und Durchgangsstraßen haben. Im Zuge der geplanten Altstadtsanierung ab dem kommenden Jahr sichtete der Stadtrat deshalb ein neues Verkehrskonzept, das sowohl zur Entschleunigung als auch zur Reduktion von Autos im Stadtgebiet beitragen soll. Zusätzliche Tagesordnungspunkte betrafen den örtlichen Kinderhort sowie den Haushalt 2016.

Mit einer Präsentation begann die Stadtratssitzung am 9. Dezember 2015 in Hallstadt: Die Firma Obermeyer Planen + Beraten GmbH stellte in Person von Helmuth Ammerl ihr erarbeitetes Verkehrskonzept für die Stadt vor – und dieses war alles andere als knapp. Denn mit genausten Datenerhebungen und -auswertungen sowie Prognosen und Simulationen zeigte Ammerl, wie die moderne Verkehrsplanung arbeitet. Dabei errechnete das Unternehmen zunächst das aktuelle Verkehrsaufkommen in Hallstadt mittels Verkehrszählungen und stellte fest, dass die derzeitige Verkehrsbelastung der Stadt, beispielsweise in der Lichtenfelser Straße, die mit rund 10.000 Autos täglich befahren wird, hoch einzuschätzen ist. Diese werde bis in das Prognosejahr 2030 nicht abnehmen, erklärte Ammerl in seinen Ausführungen. Wenn die Stadt verkehrstechnisch beruhigt werden soll, müsse bald gehandelt werden.

Der Vorschlag des Planungsbüros betraf sogenannte Verkehrsbildungsmaßnahmen, welche in einem gesamten Verkehrskonzept eingebettet werden müssen, wie Ammerl betonte. Dieses beinhaltet einen verkehrsberuhigten Bereich in der Lichtenfelser Straße mit Tempo 30, der hin zur Bamberger Straße sogar in eine Tempo-20-Zone übergehen solle. Außerdem müsste die Fahrbahn auf etwa sechs Meter verschmälert und mit punktuellen Einengungen für Fußgänger-Querungen bestückt werden, um den Verkehr zu bremsen. Darüber hinaus sieht die Beratungsfirma Anpassungsmaßnahmen vor allem in der Kilianstraße vor, denn diese werde häufig benutzt, um die Hauptstraße zu umfahren. In mehreren Planungsfällen zeigten die Berechnungen, dass im Zuge der geplanten Maßnahmen eine starke Entlastung der Hauptstraßen in Hallstadt von bis zu 37 Prozent weniger Verkehr möglich ist.

Des Weiteren hatte Ammerl eine Verkehrssimulation für das Hallstädter Gewerbegebiet dabei, denn auch hier ist das Verkehrsaufkommen in Spitzenzeiten sehr hoch und führt zu häufigem Rückstau. Dieser Umstand sei jedoch „relativ einfach zu ändern“, so Ammerl. Eine Drei-Phasen-Steuerung an den Knotenpunkten würde den Verkehr deutlich auflösen, kurz: Ein ausgeklügeltes und gleichgeschaltetes Ampelsystem ist die Lösung des Problem. Dieses sei zudem kostengünstig und selbst einer 20-prozentigen Zunahme des Verkehrsaufkommens, im Hinblick auf eine mögliche Erweiterung des Industriegebiets, gewachsen. Zum Schluss der Präsentationen wies Ammerl den Stadtrat noch einmal ausdrücklich auf die Wichtigkeit eines Gesamtkonzeptes im Sinne der Verkehrsberuhigung in Hallstadt hin: „Ein Tempo-30-Schild alleine bringt kaum ein Ergebnis, wie ich in meiner Laufbahn als Verkehrstechniker feststellen musste.“

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Weitere Tagesordnungspunkte und Weihnachtswünsche

Das dargelegte Verkehrsgutachten sorgte im Anschluss für viele Fragen und Anmerkungen. So war der Stadtrat daran interessiert, ob denn eine Tempo-20-Zone wirklich Vorteile gegenüber einer Tempo-30-Zone habe. Ammerl erklärte, dass dies einen großen Unterschied mache, da es den Fußgängern in 20er Zone erlaubt ist, überall die Straße zu queren und außerdem das Thema „Barrierefreiheit“ hier keine Rolle spielt, aufgrund von obligatorisch abgesenkten Bordsteinen. Der Frage nach mehr Kreisverkehren im Industriegebiet anstatt des neuen Ampelsystems entgegnete der Erste Bürgermeister, Thomas Söder (CSU), mit der Kostenfrage: „Ein Kreisverkehr ist wesentlich teurer als das Ampelsystem“, sagte Söder. Stadtrat Heiko Nitsche (SPD) wendete dann noch ein, dass die vorgelegten Daten zwar sehr anschaulich präsentiert wurden, diese aber schon seit dem letzten Gutachten von vor sechs Jahren bekannt seien. Der Stadtrat habe sich jedoch trotz der Erkenntnisse immer wieder gegen eine Verkehrsberuhigung ausgesprochen. „Es ist an der Zeit, dass der Stadtrat aktiv wird und die Konzeptionen auch umsetzt“, so Nitsche.

Abseits des Verkehrskonzeptes, das einstimmig in die Beratung der Fraktionen verwiesen wurde, lobte der Kämmerer Markus Pflaum das auslaufende Jahr, in dem sich die Stadt keinerlei Rücklagen bedienen musste. Für das neue Jahr sind jedoch, laut momentaner Einschätzung, sieben Millionen Euro aus den Rücklagen notwendig. Weiterhin beschloss der Stadtrat einstimmig eine finanzielle Beteiligung an der Erweiterung des Kinderhorts Ankerplatz. Dieser ist für 50 Kinder gedacht, beherbergt momentan allerdings bereits 120 Kinder, was die Notwendigkeit eines Ausbaus deutlich macht. Ob dabei eine Erweiterung reicht oder doch ein Neubau geplant werden muss, ließ der Stadtrat noch offen. Im Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“ gab Bürgermeister Söder dann noch bekannt, dass die Baustellen-Sonderfahrpläne, den Bahnausbau betreffend, in Kürze über das Amtsblatt an alle Bürger Hallstadts verteilt werden.

Zum Abschluss sprachen die Fraktionsvorsitzenden ihren Stadtratskollegen traditionell die Weihnachts- und Neujahrswünsche aus. Trotz politischer Differenzen wurde der Zusammenarbeit von allen Seiten gedankt und gleichzeitig zur Entschleunigung in den Feiertagen aufgerufen, denn es stehe der Stadt auch im kommenden Jahr wieder viel Arbeit bevor. Ganz im Stile seiner Parteivorsitzenden, kommentierte Bürgermeister Söder dies allerdings optimistisch gelassen mit dem Satz: „Wir schaffen auch das wieder!“

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  1. Teiwes 12. Dezember 2015 at 12:08 - Antworten

    Bürgermeister Söder wird das Gutachten sicher den betroffenen Bürgern zugänglich machen.
    Der Gutachter lobt das Ordnungsamt der Stadt Hallstadt nicht für wechselnde Vorfahrts- und Parkregelungen in den Anliegerstraßen in Hallstadt. Danke dafür!
    Sehr geehrter Herr Ammerl, bitte würdigen Sie noch den Aspekt der Barrierefreiheit der Fußwege.
    Beispiel: Fahrzeuge des Gewerbevereins Hallstadt blockieren die Fußwege nachhaltig und zwingen den Bürger auf die Straße. Gewerbevereinskunden sind Könige. Bitte würdigen Sie auch die Rolle der zuständigen Polizeistellen bei der Verkehrsüberwachung.
    Es genügt nicht die Geschwindigkeitsübertretung mit einer Smily – Tafel zu bewerten. Lieber Haßfuster, Du fährst mit 85 km/h durch die Zone 30. Tolles Auto!

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