Nicht zu sehen, dennoch ungemein wichtig

Veröffentlicht am 21. April 2016 von Johannes Michel

Die Sanierungen verliefen relativ lautlos. Seit 2007 wurden in Hallstadt viele Kanäle überarbeitet, fast zwei Millionen Euro hat das gekostet. Dafür ist das Kanalnetz nun wieder in einem guten technischen Zustand. Nur: Die Arbeit hört nie auf, wie Ingenieur Klaus-Peter Gaul im Stadtrat berichtete.

Klaus-Peter Gaul war sichtlich gut gelaunt. Nicht oft könne er in einem Stadt- oder Gemeinderat mitteilen, dass die Kosten einer Sanierung niedriger waren als geschätzt. In Hallstadt aber sei das der Fall. 2007 habe sein Büro Kosten von zwei Millionen Euro für die Sanierung von fast neun Kilometern Kanalnetz angenommen, gekostet haben die Maßnahmen am Ende 1,84 Millionen Euro. Jährlich hatte die Stadt für das Projekt 200.000 Euro in Haushalt eingestellt.

Der Beschluss des damaligen Stadtrats aus 2007, das Kanalnetz zu sanieren, sei „vernünftig“ gewesen, wie Gaul erklärte. Vorausgegangen waren eine Katalogisierung und ein Kataster, um die notwendigen Sanierungsmaßnahmen zu erfassen. Das gesamte Kanalnetz, bestehend aus Schmutz-, Misch- und Regenwasserkanälen ist in Hallstadt und Dörfleins 66 Kilometer lang, knapp neun Kilometer wurden als unmittelbar bis mittelfristig zu sanieren eingestuft. Oft sind es Wurzeln, die in den Kanal einbrechen, oder falsch verlegte Hausanschlüsse.

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Das Foto zeigt einen Kanal in einem Zapfendorfer Gemeindeteil. Ähnliche Schäden, oft durch Wurzeleinbrüche, gab es auch in Hallstadt. Bild: Gaul Ingenieure

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Vor Kurzem konnte die Sanierung dieser neun Kilometer nun abgeschlossen werden. In viele Kanäle wurden so genannte Inliner eingezogen, das sind Rohre im Rohr. Ein Inliner besteht aus einem folienbeschichteten Textilschlauch, der in den Sanierungsbereich oder auch in einen gesamten Rohrbereich eingebracht wird. Er wird mit einer Harzmischung imprägniert und mittels Druckluft in die zu sanierende Leitung eingebracht. Vorteil: Das Aufgraben von Straßen und Gehwegen entfällt bei dieser Technik. Gaul sprach für die nun sanierten Bereiche von einer Lebensdauer von mindestens 50 Jahren. Bürgermeister Thomas Söder zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf. „Die Stadt hat in einen Bereich investiert, der nicht zu sehen ist“, sagte Söder. Dennoch gehörten die Kanäle zur Grundversorgung im Alltag.

Wie geht es in Hallstadt weiter? Gaul empfahl, sukzessive in den kommenden zehn Jahren eine Wiederholungsinspektion per Kamerabefahrung durchzuführen. Dies betreffe Kanäle, die aktuell nicht saniert worden seien. Ein ganz anderes Thema sind die Kanäle auf privatem Grund. „In Deutschland liegen etwa zwei Drittel der Kanäle in Privatgrundstücken“, sagte Gaul. Auch die Eigentümer seien verpflichtet, hier in Zukunft etwas zu tun – zunächst müsse eine Kommune aber ihre Hausaufgaben machen und die Bürger bei weiteren Maßnahmen dann „mitnehmen“.

Titelfoto: © Paul-Georg Meister / PIXELIO

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