Ein zusätzliches Einfamilienhaus …

Veröffentlicht am 26. Februar 2015 von Johannes Michel

Ein eigener Eingang nur fürs Personal? Lieferzone fürs Essen getrennt von der Rücknahme der leeren Behälter? Hohe Hygienevorschriften machen die Schulmensa in Hallstadt deutlich teurer als geplant. Mehrere Stadträte zeigten sich darüber ungehalten – am Ende blieb allen aber nichts anderes übrig, als die Planungen abzunicken. Schließlich soll die Mensa zum neuen Schuljahr eröffnet werden …

So hatte sich die Stadt Hallstadt die Sache nicht vorgestellt. Nachdem Architekt Thomas Krügel vor bald einem Jahr die erste grobe Kostenschätzung für den Bau einer Schulmensa vorstellte, lagen die Nettokosten bei rund einer Million Euro. „Die Kostenschätzung wurde in Bezug auf die Fläche erstellt, über Baugrund, Leitungen und so weiter war damals noch nichts Näheres bekannt“, erklärte Krügel nun in der Sitzung des Stadtrats vom 25. Februar 2015. „Geplant war damals zudem eine Küche rein für die Schule, nun hat sich der Leistungsumfang geändert.“ Krügel sprach davon, dass in der Schulmensa auch Essen für andere Abnehmer gekocht werden soll, Mahlzeiten also nach draußen gehen, etwa an Kindertagesstätten.

„Die hygienischen Anforderungen sind dann ganz andere“, so Krügel weiter. Es brauche einen eigenen Personaleingang, getrennt von der Anlieferung. Auch eine Hygieneschleuse werde nötig, zudem dürften schmutzige Behältnisse nicht über den Kücheneingang zurückgenommen werden, sondern müssten direkt in die Spülküche kommen. Auch habe sich die Anzahl der Geräte aufgrund der höheren Essensmenge erhöht. Allein rund 41.000 Euro macht letzterer Punkt aus. Hinzu kommen unter anderem eine verbesserte Haustechnik (10.000 Euro), ein Vordach für die Anlieferung (15.000 Euro), der neue Eingangsbereich in Richtung Königshofstraße (20.000 Euro) und eine Hebebühne für die Anlieferung (18.000 Euro).

Folgekosten: Was kostet ein Schulessen wirklich?

Auch müsse die Heizungsanlage erneuert werden. Bisher ging die Planung davon aus, dass die bestehende ausreiche – weitere 21.000 Euro werden dafür fällig. 18.000 Euro kostet die Sanierung des Kellers, 10.000 Euro fallen für Unterfangungsarbeiten und Tiefergründung an. Maßnahmen, die statisch erforderlich seien, sagte Krügel.

Insgesamt ergibt sich so eine Kostenmehrung von 325.000 Euro (brutto: 386.750 Euro), so dass die Mensa nun rund 1,36 Millionen Euro (brutto: 1,62 Millionen Euro) kosten wird. Krügel erhofft sich Einsparpotenzial bei den Ausschreibungen, zumindest seien die bisherigen, unter anderem Abbruch, Zimmererarbeiten und Fenster, verhältnismäßig kostengünstig verlaufen. Die Stadträte nahmen die Kostenmehrung einstimmig zur Kenntnis, allerdings nicht ohne Bedauern.

„Ich bin enttäuscht, dass wir schon wieder über Kostenmehrungen reden – wir geben hier zusätzlich ein Einfamilienhaus aus und nähern uns immer mehr den Kosten eines kompletten Neubaus“, meinte etwa SPD-Stadtrat Heiko Nitsche. Aufgrund des zeitlichen Drucks müsse man aber wohl in den sauren Apfel beißen. Dr. Hans Partheimüller (CSU) gab Anregungen zur Prüfung: Könne Vorsteuerabzug geltend gemacht werden, so dass nicht die Brutto-, sondern die Nettokosten entscheidend seien? Wie sieht es mit den Folgekosten über die Jahre aus, zum Bespiel bezüglich der Hebebühne – Wartung, Hydraulik, Stromkosten? „Nur so kommen wir auf einen realen Preis für das Essen, und wenn der bei 15 Euro liegt, könnten wir die Kinder auch ins Hotel schicken.“

Titelbild: R-K Architekten, Fürth

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