Lärmschutz für Kemmern: Was die neue Autobahnbrücke leisten kann

Veröffentlicht am 12. April 2017 von Johannes Michel

Lärmschutz entlang der Bahnstrecke, aber nicht an der Autobahn? So sähe die Situation für Kemmern eigentlich aus. Der notwendige Neubau der Autobahnbrücke im Rahmen des ICE-Ausbaus hat hier aber Bewegung in die Sache gebracht, und auch entlang der Autobahn selbst könnte sich etwas tun. Diese Entwicklung ist einem guten Zusammenspiel zwischen Lokal- und Bundespolitik sowie der Autobahndirektion zu verdanken.

Das Treffen am 11. April 2017 war nicht der erste und mit Sicherheit auch nicht der letzte Termin in Sachen Lärmschutz für Kemmern. Schon häufig, zum Beispiel im Februar 2015, hatten sich Bürgermeister Rüdiger Gerst, die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner und Reinhard Pirner, Präsident der Autobahndirektion Nordbayern, getroffen. Hintergrund ist der fehlende Lärmschutz an der A73, während die Bahnstrecke nun eine Lärmschutzwand bekommt. „Das Mehraufkommen an Verkehr auf der heutigen A73 war bei der Planung nicht abzusehen, durch die Deutsche Einheit ist die Autobahn eine Trasse mit europäischer Dimension geworden“, erklärte Gerst. Fast 40.000 Fahrzeuge passieren Kemmern täglich, und „unsere Anwohner spüren das vermehrt“.

Dass sich im Vergleich zur Planfeststellung aus dem Jahr 1983 eine nicht voraussehbare Steigerung des Verkehrs ergeben hat, ist offensichtlich. Und dass dies negative Folgen für die Anwohner hat, ebenso. Vielmehr stellt sich aber die Frage: Wie darauf reagieren? Denn bisherige Anträge Kemmerns auf Lärmschutz wurden immer abgelehnt, zuletzt 2015 – mit „formaljuristischer Begründung“, so Gerst. Denn die Meinung der Autobahndirektion war, nicht die Planfeststellung aus dem Jahr 1983 sei maßgeblich, sondern die verfestigte Straßenplanung, die zwei Jahre älter ist. Da die Rechtskraft von Bebauungsplänen in Kemmern aber zeitlich jünger datiert, ergäbe sich für die dort liegenden Anwesen keine Lärmschutznotwendigkeit.

So stellte sich die Situation vor der ICE-Baustelle dar: Das Bild aus 2015 zeigt die Autobahnbrücke bei Kemmern, die abgerissen und neu errichtet werden muss.

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In einigen Monaten wissen wir mehr

Das wollten weder die Gemeinde Kemmern noch die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner so hinnehmen. Bewegung in die Sache kam durch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das Zeulner in Auftrag gegeben hatte. Und dieses legt den Fokus auf den Planfeststellungsbeschluss und nicht auf die verfestigte Straßenplanung. Zeulner: „Natürlich soll eine Gemeinde, wenn sie von Plänen wie denjenigen für eine Autobahn erfährt, keine Verhinderungsplanung machen, indem sie etwa schnell neue Baugebiete ausweist. Das ist aber in Kemmern nachweisbar nicht der Fall gewesen.“

Die Autobahndirektion konnten Gemeinde und Emmi Zeulner bereits für sich gewinnen. Nun gilt es noch, das Bundesverkehrsministerium vom hier vorliegenden Sonderfall zu überzeugen. Denn dann könnten 18 Häuser von Lärmschutzwänden entlang der Autobahn profitieren. Das endgültige Ergebnis in dieser Sache sollte in einigen Monaten vorliegen.

Brücke wird kein Standard-Bauwerk

Ganz anders sieht es bei der Autobahnbrücke aus. Für ihren Neubau gibt es bereits konkrete Pläne. Die Brücke, insgesamt 140 Meter lang, soll als wellenförmiges Trogbauwerk gestaltet werden. Das bedeutet: Die eigentliche Tragekonstruktion befindet sich nicht unter der Brücke, wie üblich, auch nicht über der Brücke wie bei einer Bogenbrücke, sondern neben den Fahrbahnen. Dadurch wird es möglich, die Tragekonstruktion gleich als eine Art Lärmschutzwand einzusetzen. In der Mitte und an den Rändern stehen Lärmschutzwände aus Glas.

Die Darstellung, noch ohne Lärmschutzwände an der ICE-Strecke, zeigt die geplante Brücke der Autobahn.

Diese Art der Konstruktion hat den Vorteil, dass die neue Autobahnbrücke nur unwesentlich höher wird als die bisherige. In konventioneller Bauweise wäre sie rund zwei Meter in die Höhe gewachsen. Die Kosten schätzt die Autobahndirektion auf rund 40 Millionen Euro, was nur unwesentlich teurer ist als eine Brücke in Standardausführung. Die Hälfte der Baukosten muss die Bahn tragen. Und auch zum Bauzeitenplan äußerte sich Thomas Pfeifer, Dienststellenleiter Bayreuth der Autobahndirektion Nordbayern, bereits. Noch in der zweiten Jahreshälfte 2018 werden die Voraussetzungen für den Brückenneubau geschaffen. Ab 2019 werden dann die Fahrbahnen neu errichtet, was pro Seite etwa ein Jahr in Anspruch nehmen wird. Während der Bauzeit sollen in jede Richtung zwei Fahrbahnen zur Verfügung stehen, wenn auch etwas beengt.

Im Querschnitt wird deutlich, wie die Konstruktion ausgeführt werden soll.

Gerst und Zeulner freuten sich über diese Entwicklung – Kemmern habe im Vergleich zur Ausgangssituation tolle Fortschritte erzielt und bekomme bei der Brücke keine 0815-Konstruktion. Neben dem Lärmschutz durch die Konstruktion an sich und die Glaswände wird die Brücke auch mit lärmmindernden Übergängen ausgerüstet sein, welche die Reifengeräusche beim Auf- und Abfahren deutlich reduzieren sollen.

Pläne: Ingenieurbüro LAP/Autobahndirektion Nordbayern. Foto: Johannes Michel

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