Nach Breitengüßbach bald auch bei Kemmern: Die Ampel als „Allheilmittel“?

Veröffentlicht am 14. September 2012 von Johannes Michel

Provokante Überschrift? Immer gern. Es liegt uns allerdings fern, Öl ins Feuer zu gießen, aber nach der Gemeinderatssitzung in Kemmern vom 23. August 2012 brannten der Redaktion von Nachrichten am Ort dann doch einige Fragen auf den Nägeln: Wie wird sich die Situation zwischen Kemmern und Breitengüßbach nach Abschluss der Baustelle an der B4 darstellen? Steht ein Ampelchaos wie in Breitengüßbach bevor? Warum eine Ampel und kein Kreisverkehr? Und warum eine Maßnahme, bevor die Bahn endgültig über die Beseitigung des Bahnübergangs entschieden hat? Wir haben mit Bürgermeister Rüdiger Gerst und mit Michael Raab vom Staatlichen Bauamt Bamberg gesprochen. Natürlich war dabei auch der Ausbau der Bahnstrecke ein wichtiges Thema.

Bisher ist es ein Abenteuer, die Bundesstraße Nummer 4 bei Kemmern zu überqueren. Wer sich als Radfahrer oder Fußgänger von Kemmern aus in Richtung Kleingärten und Muna-Gelände Breitengüßbach bewegt (selbstverständlich gilt dies auch umgekehrt), muss sich immer einer erhöhten Unfallgefahr aussetzen. „Auf Dauer waren wir immer für eine Fußgängerampel zur sicheren Querung. Denn wir wollen auf jeden Fall, dass unsere Gemeinde an Wald und Flur auf der anderen Seite der Bundesstraße angebunden bleibt“, so Kemmerns Bürgermeister Rüdiger Gerst.

Eigentlich sollte das Problem schon seit Jahren gelöst sein. Rüdiger Gerst zeigt die Pläne der Deutschen Bahn, die schon seit Jahren vorliegen. Diese sehen eine Unterführung unter Bundesstraße und Bahnstrecke vor. Vergleicht man sie mit den heutigen Entwürfen, ist die Unterführung der Bundesstraße verschwunden. „Denn diese wird von der Bahn nicht als Teil der Kreuzungsmaßnahme gesehen“, erklärt Gerst. Fußgänger und Radfahrer müssten daher, sollte die Bahn einmal die Unterführung ihrer Strecke verwirklichen, Umwege in Kauf nehmen, denn zwischen Bundesstraße und Bahn ist der Platz eingeschränkt. Um Gefälle und Steigung für die Unterführung zu schaffen, werden lange Rampen nötig sein.


Der alte Plan der Deutschen Bahn sah eine Unterführung von B4 und Bahnstrecke vor
(zum Vergrößern anklicken).


Heute sieht der Entwurf ganz anders aus – mit langen Rampen
(zum Vergrößern anklicken).

In Kürze wird eine Ampel den Verkehr regeln

Zudem ist die von der Bahn geplante Unterführung nicht mehr für Fahrzeuge gedacht. Gerst: „Wir sind zu Kompromissen bereit: Fußgänger und Radfahrer bekommen bei uns eine kleinere Unterführung, der motorisierte Verkehr quert am Kreisverkehr in Breitengüßbach über die geplante Überführung.“ Die Bahn plant laut Gerst nun so, das Staatliche Bauamt allerdings nicht. Denn: Vor Kemmern wird künftig eine Ampelanlage den Verkehr regeln.

Gerst hält die Verkehrsregelung an dieser Stelle durchaus für sinnvoll: „Da möchte ich nicht falsch verstanden werden. Allerdings wurden wir als Gemeinde in keinster Weise einbezogen und erst kurzfristig über die bald beginnende Baumaßnahme informiert.“ Außerdem, so Gerst, dachte die Gemeinde eigentlich, das Staatliche Bauamt auf ihrer Seite zu haben. „Wir sind das schwächste Glied in der Kette.“ Wahrscheinlich ist zudem, dass das Staatliche Bauamt, sobald einmal eine Ampel an dieser Stelle realisiert ist, sich nicht mehr auf eine (kostenintensive) Unterführung einlassen wird. Die Chance für eine „flüssige“ Querung von Bundesstraße und Bahnstrecke, gerade für Radfahrer interessant, dürfte damit passé sein.


Hier wird künftig eine Ampel stehen.

Unfallschwerpunkt erforderte dringenden Eingriff

Das Staatliche Bauamt Bamberg äußert sich zur Notwendigkeit des Umbaus der Kreuzung folgendermaßen: „Auf der B4 haben in den letzten Jahren die Unfälle an der südlichen Rampe der Anschlussstelle Breitengüßbach Süd so stark zugenommen, dass eine so genannte Unfallhäufung vorliegt. Die Unfallkommission hat daher die Unfälle analysiert mit dem Ergebnis, dass es sich überwiegend um Ein- beziehungsweise Abbiegeunfälle handelt. Ursächlich hierfür ist im Wesentlichen die hohe Verkehrsbelastung der Bundesstraße (rund 13.000 Fahrzeuge am Tag). Ausreichend große Zeitlücken, die ein sicheres Einbiegen erlauben, sind insbesondere in den Hauptverkehrszeiten kaum vorhanden. Es kommt daher immer wieder zu Unfällen. Die Unfallkommission kam zu dem Ergebnis, dass mit der Errichtung einer Ampel der Unfallgefahr am wirksamsten begegnet werden kann.“

Michael Raab, Abteilungsleiter im Bereich Straßenbau, verspricht, kein Ampelchaos verursachen zu wollen: „Die Ampel bei Kemmern wird verkehrsabhängig geschaltet und den Verkehrsstrom nur dann anhalten, wenn Fahrzeuge links ein- beziehungsweise links abbiegen oder Fußgänger die Straße queren wollen.“ Denn das ist momentan ein gravierendes Problem in Breitengüßbach: Mehrfach wurde die Schaltung der drei Ampeln an den beiden Autobahn-Ausfahrten Breitengüßbach Mitte und am Gewerbepark schon verändert, bisher allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. „Die Ampelschaltung wird noch optimiert“, so Raab in der Stellungnahme des Straßenbauamtes.


Kemmern ist momentan nur über eine Einfahrt zu erreichen.

Und ein interessantes Detail erfuhr Nachrichten am Ort noch: „Für Radfahrer, die von Hallstadt nach Breitengüßbach wollen, ist eine Querung der Bahn nicht notwendig, da die Geh- und Radwegverbindung über Kemmern verläuft. Nach unserem Kenntnisstand plant die Bahn den Bahnübergang durch eine Überführung südlich von Breitengüßbach zu ersetzen.“ Das bedeutet im Klartext: Das Bauamt geht nicht von einem Ersatz für den Kemmerner Bahnübergang an Ort und Stelle aus.

Kreisverkehr wäre zu teuer gewesen

Die Ampelanlage und der Straßenumbau kosten, so Bürgermeister Gerst, etwa 200.000 Euro. Ein Kreisverkehr, das bestätigt auch das Bauamt, kommt auf mindestens das Dreifache. Zudem ist die Topografie an dieser Stelle schwierig. Und: Ein Kreisverkehr würde mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Baumaßnahme erschweren: Den Abriss und Neubau der Autobahnbrücke. Denn diese ist, aller Voraussicht nach, für eine darunter verlaufende viergleisige Bahnstrecke nicht ausgelegt. Aber das ist ein ganz anderes Thema…

Johannes Michel 

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  1. Claudia 14. September 2012 at 09:46 - Antworten

    Alles schön und gut, aber vielleicht könnte man die Hinweisschilder, dass man momentan von Fahrtrichtung Süden kommend nur in der ersten Einfahrt nach Kemmern reinfahren kann, etwas größer machen? Das wäre schon mal ein Anfang…..

  2. herta klein 17. September 2012 at 08:11 - Antworten

    Na, hoffentlich ist dann die Ampelanlage nicht beim Brückenabriss im Weg:)

    600.000€ hat der Kreisverkehr nach Breitengüßbach .gekostet? Der meiner Meinung nach völlig unnötig ist….aber wer hat der hat …..

  3. Andreas Scherer 14. November 2012 at 13:12 - Antworten

    Ich find die neue Ampelanlage Klasse! Endlich »funktioniert« auch für Fahrradfahrer in Richtung Hallstadt der Wechsel von der Fahrbahn »runter« auf den kombinierten Fuß- und Radweg; das bisherige »Z in der Landschaft« war einfach viel zu schmal. Und auf dem Rückweg von Hallstadt in Richtung Breitengüßbach kommt man jetzt – dank »Bettelampel« – auch im dichten Berufsverkehr (Dienstag Abend, 17:30) völlig streßfrei auf die rechte Fahrbahn, und hat dann auch noch einige Sekunden »Vorsprung«, bis der Kraftverkehr wieder »grün« bekommt.

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