Was ist denn da in Kemmern los?

Veröffentlicht am 11. März 2016 von Johannes Michel

Nach der Sitzung des Gemeinderats von Ende Februar sind Flugblätter in Kemmern unterwegs, bei Facebook finden heftige Diskussionen statt. Hintergrund ist eine Entscheidung in Sachen vorweihnachtliches Dorfplatzfest, das die Wählergruppe „Zukunft für Kemmern“ (ZfK) seit 2014 ausrichtet. Und nicht zum ersten Mal kocht die Stimmung nach einem Beschluss des Gemeinderats hoch.

Wer schon einmal eine Sitzung des Bundestags verfolgt hat, kennt die Extreme. In vielen Fällen geht es gemäßigt zu, viele Entscheidungen sind keine Überraschung. Dann das andere Extrem: Hitzige Diskussionen, die sich nicht nur auf das Plenum beschränken, sondern tage-, ja wochenlang nachwirken können. Eine solche Situation gibt es momentan auch in Kemmern – manchmal ist die kleine der großen Politik eben doch sehr ähnlich. Dabei war das in Kemmern nicht immer so. Im Gemeinderat ging es bis zur Kommunalwahl 2014 oft sehr ruhig zu, die Entscheidungen fielen in den allermeisten Fällen einstimmig. Kein Gremium in der Region arbeitete derart unauffällig, man könnte aber genauso sagen: effektiv.

Was war passiert? Am 25. Februar 2016 tagte der Gemeinderat. Die Tagesordnung war an sich unspektakulär: Anträge der Feuerwehr zur Beschaffung neuer Ausrüstungsgegenstände, ein Bericht über die Planungen zum 1000-jährigen Jubiläum Kemmerns im Jahr 2017 und die erneute Genehmigung der „Nutzung des Rathaushofs zur Durchführung eines vorweihnachtlichen Dorfplatzfestes 2016“ durch die Wählergruppe „Zukunft für Kemmern“ (ZfK). Die Genehmigung stellte aus Sicht der Gemeindeverwaltung kein Problem dar, vorgeschlagen wurde die Zustimmung. Durch eine Wortmeldung von Volker Pflaum (UBB) kam aber Bewegung in die Sache. Er stellte sinngemäß die Frage, warum es in Kemmern zwei Weihnachtsmärkte gebe. Sein Vorschlag: Eine Besprechung darüber im Gesamtvorstand der Kemmerner Vereine und die Zurückstellung des Antrags der ZfK.

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ZfK will an ihrem Dorfplatzfest unbedingt festhalten

Schon 2014, als das vorweihnachtliche Dorfplatzfest der ZfK seine Premiere feierte, schrieb Nachrichten-am-Ort-Redakteurin Lena Thiem dazu einen Kommentar. „Etwas ins Nachdenken kommt der Außenstehende schon, was zur Adventszeit in Kemmern denn wohl los ist. Ein Weihnachtsmarkt mit den Vereinen und am nächsten Wochenende ein vorweihnachtliches Dorffest. Der Markt am Ortsrand auf einem Parkplatz, das Dorffest im historischen Ortskern im Umfeld der Kirche und des Rathauses mit viel Atmosphäre und Charme. Der Markt mit Verkaufsständen der Ortsvereine, das Fest mit umfangreichem Programm aufgezogen von einer Gruppierung. – Aber warum nicht gemeinsam? Und warum an einem Tag, an dem seit Jahren auch Adventskonzert und Weihnachtsfeier eines Ortsvereines stattfinden? Ein gemeinsames Konzept für ganz Kemmern an einem Wochenende? Vielleicht schaffen es die Verantwortlichen nächstes Jahr, gemeinsam zu planen und zu feiern – vorausgesetzt, sie würden das wirklich wollen. Aber wäre das nicht einen (vor-)weihnachtlichen Gedanken wert?“

Die Verantwortlichen haben es nicht geschafft. Die ZfK betrachtet, das zeigte die Gemeinderatssitzung vom 25. Februar und in der „Nachbereitung“ sehr deutlich, das vorweihnachtliche Dorfplatzfest als „ihr Baby“ und möchte daran festhalten. Auf der anderen Seite hat der Gesamtvorstand der Vereine längst erkannt, dass der Kemmerner Weihnachtsmarkt, der zuletzt am Parkplatz des Einkaufsmarktes stattfand, dringend ein Update brauchen könnte. Und die ZfK, deren Dorfplatzfest sich über viele Besucher freuen konnte, möchte diese eigene Erfolgsveranstaltung nun einmal nicht aufgeben. Beides nachvollziehbar.

2014-12-14 weihnachtliches Dorffest ZfK Kemmern
Ein Endruck von der Premiere des Dorfplatzfestes in 2014.

Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) sagte gegenüber Nachrichten am Ort, dass sein Ziel nicht das Scheitern des ZfK-Antrags gewesen sei. Vielmehr wollte er über die Kenntnisnahme des Antrags abstimmen lassen und dann im Rahmen des Gesamtvorstands prüfen, ob ein gemeinsamer Markt, auch mit Hinblick auf das 1000-jährige Jubiläum der Gemeinde, abgehalten werden könne. Der Ursprungsantrag der ZfK sei aber der weiterführende Antrag gewesen, und daher wurde letztendlich über ihn abgestimmt. Er fand bei 4:10 Stimmen keine Mehrheit.

Die Metapher mit dem Wald und dem Hineinrufen …

Nochmal die Frage: Was ist denn da in Kemmern los? 2014 war die ZfK unter anderem mit den Zielen angetreten, den Bürgern mehr Transparenz und Informationen über die Arbeit des Gemeinderates und der Verwaltung zu geben, Baugebiete auszuweisen und damit dem demografischen Wandel mit dem Zuzug junger Familien entgegenzuwirken. Bei der anschließenden Kommunalwahl schafften es dann vier Kandidaten der ZfK in den Gemeinderat, die Bürgermeisterkandidaten Heike Bräuer kam auf rund 33 Prozent der Stimmen. Viele Ziele der ZfK sind unterstützenswert und werden auch von den anderen Parteien und Gruppierungen nicht verleugnet, aber der Eindruck drängt sich auf, dass im Gemeinderat so manches Thema ohne wirklichen Grund abblockt wurde. Stellvertretend sei die Diskussion zu „Smartphones und Tablets in Gemeinderatssitzungen“ genannt, die schon zweimal das Gremium beschäftigte. Was in anderen Gemeinden selbstverständlich ist, kommt in Kemmern scheinbar nicht in die Tüte.

Die Medaille hat aber natürlich ebenso eine andere Seite. „Der Ton macht die Musik“, oder „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, könnte man sagen. Die ZfK spricht in ihrem aktuellen Flugblatt, das als Reaktion auf den Beschluss in Sachen Dorfplatzfest gefällt wurde, gar davon, der Gesamtvorstand solle als „Instrument der Gleichschaltung“ missbraucht werden. Gleichschaltung wohlgemerkt ohne Anführungszeichen. Dem Steller des Gegenantrags in der Sitzung, Volker Pflaum, wird vorgeworfen, der ZfK als Verein absichtlich schaden zu wollen.

Politik für die Kemmerner Bürger, nicht gegeneinander. Auch das ist im Flugblatt nachzulesen. Fakt ist: Kemmern geht es nicht schlecht, Verbesserungspotenzial besteht aber. Vor allem in Sachen Kommunikation. Vielleicht sollten die Gemeinderäte einfach für ein Wochenende in Klausur gehen. Denn Meinungsverschiedenheiten darf und muss es geben, aber: „Der Ton macht die Musik.“ Und das gilt für alle Seiten.

 

Der Blick in die sozialen Medien

Die Reaktionen bei Facebook zum Thema „CSU, UBB und SPD stoppen Dorfplatzfest 2016“, wie die ZfK titelte, waren enorm. Nachrichten am Ort bindet an dieser Stelle den Originalbeitrag der ZfK sowie die darunter befindlichen Kommentare ein. Alles ist frei bei Facebook abrufbar. Zum Weiterlesen klicken Sie auf „See more“ beziehungsweise dann auf die Sprechblase unter dem sich aufklappenden Text …

 

Foto: Lena Thiem

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  1. Peter Schuttwolf 11. März 2016 at 12:33 - Antworten

    Vielleicht sollte der Verfasser dieses Artikels nicht alles dem Bürgermeister Gerst nachplappern, sondern seine Aufgabe als Reporter / Redakteur ernst nehmen und objektiv recherchieren und berichten.
    Das hier zu zwei Dritteln des Berichtes Stimmung gegen den Verein ZFK gemacht wird und dieser als unruheherd dargestellt wird ist offensichtlich.

    Bis 2014 war alles immer einstimmig im Gemeinderat! Allein dieser Satz sollte jedem zu denken geben. Wenn 3 verschiedene politische Gruppierungen mit unterschiedlichen Zielen im Gemeinderat sitzen kann es nicht so ruhig sein wie es Jahrelang war! Ist denke ich sehr einleuchtend. Es sei denn man redet einem nicht näher genannten Mann alles nach dem Mund um ja keinen Ärger zu machen und sich gut zu stellen.

    Ich würde mich schämen…..

    Und Sie lieber Reporter wollen diese Farce auf dem ehemaligen Reweparkplatz mit zusammengewürfelten Pavillons mitten an der Hauptstraße nicht wirklich als gelungene Veranstaltung bezeichnen.

    • Johannes Michel 11. März 2016 at 12:42 - Antworten

      Glauben Sie mir, ich nehme meine Aufgabe sehr ernst.

  2. Jochen Gottwald 11. März 2016 at 15:04 - Antworten

    Vielen Dank Herr Michel für diesen Artikel, den ich, als ZfK-Mitglied, als durchaus ausgewogen empfinde. Es ist wirklich an der Zeit, aufeinander zuzugehen und den Ton zu entschärfen.

    Einen Punkt, der erklären kann, warum die Reaktion so heftig war und auch nicht ausbleiben durfte, möchte ich allerdings ergänzen: der Antrag richtete sich an die Verwaltung, nicht an den Gemeinderat. Der Gemeinderat war also nicht das Gremium das über den Antrag hätte abstimmen sollen/dürfen. Es war lediglich ein Antrag auf die Nutzung des Dorfplatzes. Es gibt hier für die Verwaltung enge Grenzen für die Begründung einer Ablehnung.

    Im Gemeinderat wurde aus dem Ursprungsantrag eine Grundsatzdiskussion über Dorfplatzfest oder Weihnachtsmarkt gemacht und die resultierende Ablehnung wurde im Licht dieser Diskussion abgestimmt. Eine Ablehnung aus diesen Gründen wäre schlicht ein unerlaubter politischer Eingriff in die Selbstbestimmung des Vereins und das ist es, was die ZfK so auf die Palme gebracht hat und warum man sich gegängelt fühlte. Allein der Versuch erforderte eine Reaktion.

    Die Erfahrung aus 2 Jahren Blockadepolitik gegenüber den Anträgen der ZfK, wie Sie es oben auch angesprochen haben, trug sicherlich zur Heftigkeit bei. Mit den vorangegangen Provokationen war die Spitze des Eisbergs einfach erreicht und konnte nicht unerwidert bleiben.

    Wie im Flugblatt hoffentlich deutlich wurde, wünscht sich auch Zukunft für Kemmern, dass sich der Ton normalisiert. Auch wenn mit dem Flugblatt der Ton erstmal wieder lauter wurde (und jetzt spreche ich nur für mich): aus meiner persönlichen Sicht wäre es falsch gewesen, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Was hätte das gebracht? So ist nun wenigstens auf dem Tisch, was gesagt werden musste.

    Ob es nun gleich eine Klausur braucht oder einen gemeinsamen Glühwein am Dorfplatzfest um die Stimmung wieder zurecht zu rücken, wird sich zeigen. Schön wäre es, wenn Gemeindeverwaltung und Gemeinderat Ihrem Beispiel folgten und Verständnis dafür zeigten, dass die ZfK ihr „Baby“ nicht so einfach hergeben will. Und der Rathaushof verträgt sicher auch zwei Veranstaltungen pro Winter.

  3. Günter Schwank 1. April 2016 at 10:45 - Antworten

    Herr Schuttwolf wirft Herrn Michel vor, nicht objektiv zu recherchieren, sondern nur dem Bürgermeister Gerst nachzuplappern.
    Woher bezieht eigentlich Herr Schuttwolf sein Wissen? Waren Sie in der Gemeinderatssitzung am 25.02.2016 als interessierter Zuhörer anwesend? Waren Sie 2016 schon mal in einer GR-Sitzung? Waren Sie es 2015?

    Da Sie ja den Gemeinderat auch für die Zeit bis 2014 beurteilen und vor allem verurteilen frage ich Sie, haben Sie sich jemals während dieser Zeit ‚vor Ort‘ informiert? Beziehen ausgerechnet Sie, der glaubt zu allem etwas sagen zu müssen, Ihr Wissen aus zweiter, dritter, oder ? Hand? Holen Sie sich etwa nur gefilterte Informationen aus Internetseiten?
    Übrigens, kennen Sie das alte Sprichwort: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“.

    • Jochen Gottwald 8. April 2016 at 13:58 - Antworten

      Sehr geehrter Herr Schwank,
      es ist schön, dass Sie hier einen Kommentar abgeben, denn Tonfall und Stoßrichtung belegen nachdrücklich, warum Kemmern eine neue Wählervereinigung so dringend gebraucht hat. Ich möchte Ihnen das gerne kurz auseinander setzen.

      Herr Schuttwolf äußert hier lediglich seine Bürgermeinung. Er ist kein Organ der ZfK. Daher ist Ihre Reaktion doch recht unverhältnismäßig. Sie greifen hier Herrn Schuttwolf persönlich an, ohne inhaltlich auf die von Ihm geäußerte Kritik einzugehen, was im Übrigen die Vermutung tendenziöser Berichterstattung, sowie die Feststellung waren, dass die ständige Einstimmigkeit bis 2014 in einem eigentlich diversifizierten Gemeinderat doch höchst merkwürdig anmutet. Herr Schuttwolf hat sich in keiner Weise zu Diskussionen innerhalb der Sitzungen geäußert, weshalb Ihre Erwiderung thematisch vollständig ins Leere läuft. Abgesehen davon offenbaren Sie ein recht eigenartiges Verständnis von politischer Partizipation. Sollen in Zukunft nur noch die Bürger ihre Meinung äußern dürfen, die auch in der GR-Sitzung anwesend sind? Wie viele Stühle wollen Sie denn noch unterbringen? Es dürfte Ihnen zudem doch wohl bekannt sein, dass es die Transparenzbestrebungen der ZfK waren, die ein Verlaufsprotokoll der GR-Sitzungen im Amtsblatt erst ermöglichten – und mehr Stühle im Sitzungssaal. Laptops und sonstige moderne Kommunikationsmedien haben es dagegen bisher leider nicht in den Sitzungssaal geschafft. Wenn Ihnen so sehr daran liegt, „richtig“ wiedergegeben zu werden und dass die Bürger qualifiziert mitreden sollen, machen Sie aus der Holschuld doch einfach eine Bringschuld und beantragen Sie den Livestream der Sitzung in alle Kemmerner Wohnzimmer und die spätere Zugänglichkeit per Onlinemediathek. Ich bin sicher, die Gemeinderäte der ZfK hätten Sie da sofort auf Ihrer Seite.

      Ich denke, es ist einleuchtend zu behaupten, dass der Nicht-Besuch einer GR-Sitzung kein Zeichen von Desinteresse, sondern der Abgabe von politischer Verantwortung in vertrauensvolle Hände zur Willensrepräsentation ist. Sonst könnten wir uns in Zukunft die Gemeinderatssitzungen sparen und gleich alle vier Wochen eine Vollversammlung einführen. Da ich davon ausgehe, dass Herr Schuttwolf seine Bürgerpflicht getan und gewählt hat, sehe ich keinen Grund, warum ihm die Qualifikation abgesprochen werden sollte, seine Meinung zu sagen, nur weil er die Sitzungen nicht besucht. Im Gegenteil, die Absprache derselbigen disqualifiziert eher den Absprechenden, offenbart sie doch ein recht paternalistisches „wärest Du doch zu mir (zu uns) gekommen, mein Bub!“ Dieses Politikschema ist dankenswerter Weise mittlerweile selbst in Bayern überholt.

      Interessant finde ich auch, dass Sie auf Herrn Schuttwolfs Vorwurf, der GR hätte bis 2014 seine Kontrollfunktion nicht wahrgenommen (nichts anderes bedeutet nämlich die Kritik an der ständigen Einstimmigkeit), damit reagieren, seine Quellen zu diskreditieren. Da möchte man doch gleich gegen fragen: von wo beziehen Sie Ihr Wissen? Betreiben Sie vor und nach GR-Sitzungen eigene Recherche oder nehmen Sie alle vom Bürgermeister recherchierten Informationen für bare Münze? Wie kommt es, dass die ZfK bisher sachpolitisch zu nahezu allen Entscheidungen besser informiert war als die restlichen Gemeinderäte? Und mit „besser informiert“ meine ich nicht zu wissen, wer im Gemeinderat wann was gesagt hat, sondern sachpolitisch die Zuständigkeiten und Ansprechpartner zu kennen oder gegebenenfalls zu recherchieren, um erstens informiert und qualifiziert im Gremium abstimmen, zweitens gegebenenfalls Fehler des Bürgermeisters ausbügeln und damit drittens mit Ihrer qualifizierten Entscheidung zukunftsweisende Politik für die Bürger gestalten zu können.

      Politische Partizipation geht damit weit über das von Ihnen eng gesetzte Feld des Besuchs der GR-Sitzung hinaus und es sollte Sie eigentlich freuen, dass viele Kemmerner Bürger konstruktiv an der Zukunft des Ortes mitdenken. Frustrierend war es für diese einfach bisher nur, dass sie auf hohe Rösser und taube Ohren gestoßen sind.

      Wenn ich z.B. an den Grad der sachpolitischen Informiertheit der GR-Mitglieder denke, fallen mir exemplarisch zwei Begebenheiten ein, welche die sachpolitische Ahnungslosigkeit einiger GR-Mitglieder vor 2014 aufzeigen. Zum einen die Diskussion um den Hochwasserdamm im Rahmen der ersten Veranstaltung der Wählergruppe „Zukunft für Kemmern“ im Wagner, zum anderen die Diskussion um die Wirtschaftsbrücke bei der letzten Bürgerversammlung.

      Im ersten Fall kochte die Stimmung am Tisch der CSU-Gemeinderäte hoch, als eine Ertüchtigung gefordert wurde. Von „Unsinn“ und „Irrsinn“ war die Rede, von nicht „absehbaren Kosten“…, davon, dass der bestehende Damm die Erfordernisse eine Jahrhunderthochwassers ohnehin erfülle… Nur kurze Zeit später im Wahlkampf zauberte Herr Gerst dann plötzlich die Zusage zur Ertüchtigung des Damms vom Leiter des WWA Kronach Herrn Rost aus dem Hut und die CSU Wahlwerbung las sich so, als kümmere sich die Partei schon seit Jahren ohne Unterbrechung um die Ertüchtigung des Damms. Ganz unabhängig davon ob Herr Gerst und Herr Rost tatsächlich schon länger in Kontakt standen: die Mehrheit des Gemeinderats hatte nicht nur offensichtlich keinen blassen Schimmer von der Tätigkeit von Herrn Gerst und dem Sachstand bezüglich des Hochwasserdamms, sondern war zudem rundum überzeugt davon, dass eine solche Ertüchtigung blanker Unsinn wäre. Ich frage mich, kann so eine Fehlwahrnehmung entstehen, wenn ein Gemeinderat gewissenhaft seiner Pflicht nachgeht?

      Im zweiten Fall geht es um nicht weniger als die dauerhafte finanzielle Gesundheit und somit die kommunale Steuerungsfähigkeit der Gemeinde. Ich hatte hier auf der letzten Bürgerversammlung mit meiner Frage nach dem Sinn der Brücke das Vergnügen in ein Wespennest zu stechen. Während die Reaktion Ihrer Tischnachbarn eher in die Dortmunder Südkurve beim Besuch von Oliver Kahn anstatt in eine zivilisierte Bürgerversammlung passte, hatten Sie zumindest den Anstand, nachzufragen, welche Alternative ich denn vorschlagen möchte. Da aufgrund der vermurksten Verhandlungen zwischen Kemmern, Breitengüßbach und der Bahn nur noch der Nichtbau und die Anfahrt über Breitengüßbach oder Gundelsheim ins Gemeindegebiet als Alternative übrig geblieben war, stieß meine Antwort verständlicherweise auf wenig Gegenliebe. Trotzdem schaffte ich es nach drei Anläufen zumindest Herrn Gerst dazu zu bringen, eine Schätzung der Unterhaltskosten abzugeben, die nun jährlich auf die Gemeinde zukommen. Die Frage war ihm sichtlich unangenehm und nur zögerlich antwortete er, dass er etwa 8000€ schätze. Woher Herr Gerst diese Info nahm, bleibt völlig im Dunkeln, denn sie ist bundesweit nicht substantiell verifizierbar. Die Zahl ist weit entfernt von den 1-1,5% jährlich, die der Bundesrechnungshof als durchschnittliche Unterhaltskosten für Brückenbauten ansetzt, bzw. den 1,5-2,5% jährlich, welche Langzeitstudien an bereits bestehenden Brückenbauten ergeben. In Summe reden wir also nicht von 8.000€, sondern von ca. 2% der Baukosten, sprich rund 60.000€, die jährlich refinanziert werden müssen. Also Folgekosten von 3 Mio. Euro auf eine geschätzte Lebensdauer von 50 Jahren ohne Vollerneuerung, voraussichtlich ca. 6 Mio. mit Vollrestauration.

      Wenn also noch nicht einmal Herr Gerst die ungefähren Kosten kennt, kann das nur heißen, dass die Brücke bezüglich der Folgekosten im völligen Blindflug abgesegnet wurde. Nicht der Bürgermeister und auch kein Gemeinderat hatten sich offensichtlich die Mühe gemacht, die offen verfügbaren Daten zusammenzutragen und eine Belastbarkeitsprüfung zu machen, geschweige denn über die Refinanzierung nachzudenken. Ein völlig unverantwortliches Abnicken eines Großprojektes und ein Totalversagen des Gemeinderats bezüglich seiner Kontrollfunktion!

      …zumindest drängt sich dieser Verdacht auf. Ich lasse mich mittels stichhaltiger Daten gerne eines Besseren belehren. Bisher war die Reaktion von Bürgermeister, CSU und UBB auf Kritik jedes Mal „Ablenken und Angreifen“! Doch ständig nur moralisch und inhaltslos von oben herab abgekanzelt zu werden macht keinen Spaß und fördert damit im Übrigen nur den Verdruss und in der Folge den Ton, der im Ausgangsartikel moniert wird. Es wäre wirklich besser wenn angefangen würde miteinander statt übereinander zu reden. Am Ende wollen wir hoffentlich alle nur das Beste für Kemmern.

      Auch mein Beitrag ist im Übrigen nur eine Bürgermeinung.

      Viele Grüße
      Jochen Gottwald

  4. Gerhard Kraus 12. April 2016 at 17:58 - Antworten

    Sehr geehrter Herr Gottwald,

    Ihre Äußerungen belegen nur eines: „Völlig vermurkst“ wären die Verhandlungen zum Thema Bahn dann geworden, wenn Sie politische Verantwortung für die Gemeinde getragen hätten.

    Bürgermeister Gerst und der Gemeinderat haben für Kemmern und seine Bevölkerung angesichts der gegebenen Umstände und Rahmenbedingungen das Optimum erreicht.

    Ihre isolierte Wahrnehmung an der Bürgerversammlung kann man nicht bestätigen. Bürgermeister Gerst hat in gewohnt souveräner Art alle Fragen beantwortet. Auch wenn die Antworten Ihnen persönlich nicht gepasst haben mögen.

    Viele Grüße
    Gerhard Kraus

  5. Günter Schwank 19. April 2016 at 09:33 - Antworten

    Sehr geehrter Herr Presse- und Medienchef Gottwald,

    warum ausgerechnet Sie für Herrn Schuttwolf als Sprachrohr fungieren, lässt für Spekulationen viel Raum.

    Wie bereits erwähnt, hat Herr Schuttwolf nicht nur Bürgermeister und Gemeinderat, sondern auch alle Kemmerner Ortsvereine, außer ZfK, angegriffen

    Zitat: „MACHEN DAS DANN DIE ANDEREN VEREINE AUCH??? NEIN NATÜRLICH NICHT, WARUM AUCH ETWAS FÜR DEN ORT TUN?“

    und damit auch einen Großteil der Kemmerner Bürger mit verurteilt, die sich ehrenamtlich in den verschiedenen Ortsvereinen engagieren,

    Wenn Sie die Art, Menschen auf unterschiedlichen Internetportale wiederholt zu verurteilen, wie es Herr Schuttwolf getan hat als ‚Bürgermeinung‘ darstellen, stimmt mich das sehr nachdenklich. Anderen vorzuwerfen „nicht objektiv zu recherchieren“ und sich selbst nicht vor Ort zu informieren, sondern sich eine Meinung zu bilden aufgrund von welchen Informationsquellen auch immer, ist weder seriös, noch kann man dies einfach als „Bürgermeinung“ abtun. Wer also nach Ihrer Definition „…seine Bürgerpflicht getan und gewählt hat…“ erwirbt damit automatisch das Anrecht, Mandatsträger verunglimpfen, verurteilen oder auch beleidigen zu dürfen.

    Herr Schuttwolf ist aber leider nicht alleine mit seiner Art „ungerecht zu kritisieren, ohne zu recherchieren“. Auch Sie machen das in Ihrem Bericht und als Entschuldigung wollen Sie abschließend das auch als Bürgermeinung darstellen. So einfach sollte es sich der Presse- und Medienchef der ZfK denn doch nicht machen.
    Sie kommentieren u. a. auch mehrfach das Abstimmungsverhalten des Gemeinderates vor 2014 „dass die ständige Einstimmigkeit bis 2014 in einem diversifizierten Gemeinderat doch höchst merkwürdig anmutet“ oder „nichts anderes bedeutet nämlich die Kritik an der ständigen Einstimmigkeit“. Dazu kann ich nur sagen, ganz schlecht recherchiert oder sollte ich fragen, woher haben Sie die Information aufgrund derer Sie so eine Aussage treffen oder sollte ich die Worte von Herrn Schuttwolf gebrauchen und fragen: Wem plappern Sie nach?
    In den Sitzungsprotokollen sind die Abstimmungsergebnisse zu allen Sitzungspunkten nachzulesen und Ihr Vorwurf entspricht absolut nicht den Tatsachen.

    Im Übrigen, was ist daran verwerflich, wenn im Gremium unterschiedliche Meinungen ausdiskutiert werden und dann die beste Lösung zum Wohle der Gemeinde Kemmern und Ihrer Bürger einstimmig verabschiedet wird. Ich meine, dass ein derartiges Vorgehen äußerst verantwortungsvoll ist.
    Oder finden Sie, dass einstimmige Abstimmungen des Gemeinderates aus jüngster Zeit, mit den vier anwesenden Gemeinderäten der ZfK, auch als „höchst merkwürdig anmutend“ bezeichnet werden können?

    Wie ich mich auf GR-Sitzungen vorbereite, darüber sollten Sie sich keine Sorgen machen. Ihre Behauptung, „wie kommt es , dass die ZfK bisher sachpolitisch zu nahezu allen Entscheidungen besser informiert war, als die restlichen Gemeinderäte“ ist wiederum nur eine Behauptung, die durch nichts belegbar ist und verdeutlicht Ihr Bestreben‚ „die restlichen Gemeinderäte“ zu verunglimpfen.

    Lassen Sie mich exemplarisch das Thema Hochwasserschutz aufgreifen. Dies zeigt ganz deutlich, was Sie wirklich bezwecken wollen.
    Ihre Behauptung, Herr Gerst hätte eine Zusage aus dem Hut gezaubert, halte ich für ziemlich dreist. Bereits am 11.02.2003 hat die Gemeinde Kemmern an das WWA Bamberg hinsichtlich einer Überprüfung der Dammhöhe geschrieben. Zu diesem Thema, nur als Auszug, weitere Daten: 23.09.2003 Schreiben WWA Bamberg an Gemeinde, 17.11.2005 Thema in GR-Sitzung, 23.03.2006 GR-Sitzung Sachstandsbericht WWA Kronach (Herr Baurat Trau) der Planungen zur Nachrüstung des Hochwasserdammes, 18.06.2013 Nachfrage Gemeinde Kemmern beim WWA Kronach hinsichtlich Planungsstand, 21.11.2013 GR-Sitzung Sachstandsbericht durch WWA Kronach. Weiterer Schriftverkehr und Besprechungen haben stattgefunden.

    Nur zu Ihrer Information:
    Der Hochwasserdamm in Kemmern ist ein Bauwerk des Freistaates Bayern. Bauherr ist ebenfalls der Freistaat Bayern, vertreten durch das WWA Kronach, und abhängig von verschiedenen Kriterien ergibt sich die Priorität für eine Nachrüstung.

    Wer einerseits auffordert, aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden, aber andererseits mit Berichten aus Wahlveranstaltungen aus 2013 sich offensichtlich noch immer im Wahlkampf befindet bzw. den Gemeinderäten, mit denen zusammengearbeitet werden soll die nötige Qualifikation abspricht, dem kann ich einen ehrlichen Willen zu einer konstruktiven Zusammenarbeit nicht abnehmen. Wer in einem Flugblatt und Berichten Tatsachen falsch darstellt, wer mit solchen Ausführungen, Mitglieder oder Anhänger seiner Wählergruppe animiert (oder sogar anstiftet?), im Internet einen unglaublichen Shitstorm über ehrenamtlich tätige Bürger niederprasseln zu lassen, dem möchte ich abschließend dringend empfehlen, sich unser Grundgesetz, I.DIE GRUNDRECHTE Artikel 1 (1), anzusehen.
    Hier heißt es:
    „DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR……“ – auch im Internet!!!

    Menschen wie Sie Herr Gottwald, die mit ihren Veröffentlichungen andere, die nicht der Meinung der ZfK sind, abqualifizieren und dabei auch noch einen respektvollen Umgang miteinander untergraben, gehören für mich nicht zu dem Personenkreis, mit dem ich auch zukünftig noch in dieser Art diskutieren möchte und werde.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Schwank

  6. Jochen Gottwald 19. April 2016 at 19:24 - Antworten

    Sehr geehrter Herr Schwank,

    Ihre Verärgerung ist angekommen. Auf die haltlosen Unterstellungen und Verunglimpfungen bezüglich angeblicher Lügen, bzw. absichtlichter Anstachelung zu einem Shitstorm möchte ich deshalb nicht eingehen, sondern schreibe das dem Ärger zu und werde es nicht weiter verfolgen. Es soll später niemandem leid tun müssen und auf diesem Niveau sollte wirklich nicht weiter diskutiert werden. Lassen wir es einfach dabei bewenden.

  7. Marco Ritter 20. April 2016 at 08:54 - Antworten

    Hallo,

    unabhängig von meiner Haltung zu den einzelnen Themen, finde ich es zweckentfremdend, dass Kommentare länger sind als der Hauptartikel. Klar hat jeder seine Meinung und will ganz viele Dinge loswerden, aber so wirklich zielführend finde ich es nicht.

    Aber vielleicht sind langatmige und ermüdende Texte sowie Reden ein gängiges, politisches Stilmittel. Ist mir jedenfalls zu viel Input.

    Grüßla

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