Heike Bräuer: Keine wegweisenden Projekte in den vergangenen Jahren

Veröffentlicht am 17. Februar 2014 von Johannes Michel

„Nach zwölf Jahren Mehrheitsregierung ist es an der Zeit, frischen Wind in die Gemeindepolitik zu bringen.“ Heike Bräuer tritt für die Wählergruppe „Zukunft für Kemmern“ als Bürgermeisterkandidatin gegen Rüdiger Gerst (CSU) an. Nachrichten am Ort hat sie nach ihren Beweggründen gefragt. Zur Sprache kamen dabei auch die Themen demografischer Wandel, Bahn, Nahversorgung und Transparenz.

Nachrichten am Ort: Frau Bräuer, seit zwölf Jahren ist Rüdiger Gerst von der CSU Bürgermeister der Gemeinde Kemmern. Was hat Sie bewogen, in diesem Jahr gegen ihn anzutreten?

Heike Bräuer: Ich selbst lebe nun schon seit über 16 Jahren mit meinem Mann in Kemmern, unsere Kinder wachsen hier auf und ich fühle mich in Kemmern sehr wohl. Bereits in der Vergangenheit habe ich in der Gemeinde gern Verantwortung übernommen, sei es als Elternbeirätin in Kindergarten und Grundschule, sei es aktuell als zweite Vorsitzende des Sportclub Kemmern. Die Entscheidung zur Kandidatur ist mir deshalb auch nicht schwer gefallen, zumal ich seit vielen Jahren in einer modernen Verwaltung arbeite und dadurch Einblicke in kommunale Angelegenheiten habe.

Haben Sie schon Erfahrungen auf kommunalpolitischer Ebene oder in einem anderen Gremium?

Bisher war ich noch nicht als Gemeinderätin aktiv. Jedoch habe ich mich seit meiner Entscheidung für die Kandidatur umfassend mit den gemeindepolitisch relevanten Themen auseinander gesetzt.

Kemmern Heike Bräuer 1200
Heike Bräuer

Auf welche aktuellen Themen werden Sie in Kemmern zurzeit am meisten angesprochen und können Sie daraus entnehmen, wo den Bürgern „der Schuh drückt“?

In den zahlreichen Gesprächen, die die Anhänger unserer Wählergruppe und ich geführt haben, werden wir regelmäßig auf die Themen Lärm- und Hochwasserschutz, Bauplätze für junge Familien sowie Schulkind- beziehungsweise Kinderbetreuung angesprochen. Von vielen Bürgern ist immer wieder zu hören, dass sich in Kemmern in den letzten Jahren eigentlich nichts bewegt hat. Ehrlich gesagt fallen mir, abgesehen von der Ortskernsanierung, die in den letzten Jahren fortgeführt wurde, auch keine für die Entwicklung der Gemeinde wegweisenden Projekte ein.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Gemeinde Kemmern in den kommenden Jahren?

Kemmern muss sich mutig dem Problem der demografischen Entwicklung stellen. Der Anteil der Bürger, der das 65. Lebensjahr überschritten hat, nähert sich der 20-Prozent-Marke, für den Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen wird in den nächsten zehn Jahren ein starker Rückgang prognostiziert. Die Gemeinde darf nicht vor dieser Entwicklung kapitulieren. Sie muss ihre Schockstarre überwinden und Perspektiven aufzeigen, wie die Lebensqualität der älteren Bevölkerung gesichert und wieder mehr junge Familien an Kemmern gebunden werden können.
So wie ich als Eigentümer regelmäßig in die Modernisierung meines Hauses investieren muss, um meine Wohnungen vermieten zu können, so muss ich auch in meine Gemeinde investieren, damit diese lebenswert bleibt. Der Eigentümer, der nicht investiert, verliert langfristig Vermögen und Ertragskraft. Der Gemeinde wird es – im übertragenen Sinne – ähnlich gehen.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen von Kemmern?

Kemmern zeichnet sich durch seine optimale Lage und Verkehrsanbindung in einer wirtschaftlich starken Metropolregion aus, ist landschaftlich reizvoll gelegen und ohne Durchgangsverkehr. Die Gemeinde verfügt derzeit noch über ein angemessenes Nahversorgungsangebot im engeren (Bäcker, Metzger, Lebensmittel) und weiteren Sinne (Dienstleistungen wie Banken, Post, Gastronomie, Schule, Arzt und Apotheke, Vereine). Die demografische Entwicklung wird langfristig zu einem Wegbrechen der Nahversorgung und damit zu einer Erosion der Wohn- und Lebensqualität führen, wenn die Gemeindepolitik nicht aktiv gegensteuert. Ich denke, dass allen Bürgerinnen und Bürgern daran gelegen sein muss, das „ihr Kemmern“ so lebenswert bleibt wie es ist. Dass die Bürgerinnen und Bürger die Entwicklung Kemmerns durchaus mit Interesse verfolgen und gerne bereit sind, sich für die Belange Kemmerns mit Energie und Ausdauer zu engagieren, habe ich seit Gründung unserer Wählergruppe in vielfältiger Weise feststellen können.

Ein beherrschendes Thema gab es in den vergangenen Jahren: die Bahn. Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

Leider ist auf der Habenseite bislang wenig zu verbuchen. Dass die Gemeinde Kemmern Einwendungen gegen die im Planfeststellungsverfahren befindliche Variante einer Wirtschaftswegüberführung in Fortsetzung an den Kreisel in Breitengüßbach erhoben hat, verbunden mit der Ablehnung einer Kostenbeteiligung, halte ich für richtig. Doch noch ist weder das Problem einer adäquaten Ersatzmaßnahme für den Bahnübergang gelöst noch wurde der Forderung nach Verlängerung der geplanten Lärmschutzwand nach Süden stattgegeben.

Auf drei Bevölkerungsgruppen richtet sich zurzeit verstärkt der Blick: Kinder, Familien und Senioren. Wie sehen Sie Kemmern in diesen Bereichen aufgestellt? Was gibt es noch zu tun und welche Ideen bringen Sie hier mit?

Das Angebot an Krippenplätzen und an qualifizierter Schulkindbetreuung ist auszubauen. Die Gemeinde darf den gesellschaftlichen Veränderungen nicht immer nur hinterherhinken, sondern muss zeitnah für ein bedarfsgerechtes und nachfrageorientiertes Angebot sorgen. Gleiches gilt für die gemeindliche Jugendarbeit vor Ort, die quasi nicht stattfindet. Im Bereich der Seniorenarbeit stellt sich die Situation ähnlich dar. Über drei Jahre hat es gebraucht, einen potenziellen Träger für eine Seniorenwohnanlage zu präsentieren. Wie noch im Mai letzten Jahres nachzulesen war, sei Kemmern zu klein für ein Seniorenheim. Jetzt kommt erfreulicherweise doch Bewegung in die Sache. Wohnen für Senioren ist jedoch nur eines von vielen denkbaren Angeboten für Senioren wie zum Beispiel Beratungstermine vor Ort, Einrichtung eines Netzes von ehrenamtlichen Helfern für ältere und kranke Bürger oder Einrichtung eines Mittagstisches. Ich sehe die Gemeinde hier als Impulsgeber und Unterstützer gefragt.

Transparenz, Bürgernähe und Kommunikation scheinen den Wählern besonders wichtig zu sein (noch vor Sachkompetenz). Wie nah sind Sie (in sozialen Netzwerken im Internet, aber auch fernab davon) am Bürger, wo sind Ihrer Meinung nach die Grenzen? Was kann der Bürger tun, um sich einzubringen?

Der Grundstein für die Wahrnehmung von Transparenz und Bürgernähe wird im Rathaus gelegt. Entscheidungen der Verwaltung müssen unabhängig von der Person des Antragstellers und gut begründet getroffen werden. Anfragen sind zeitnah zu beantworten. Die Arbeit des Gemeinderates würde ich stärker im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger verankern. Die Veröffentlichung der Gemeinderatsbeschlüsse auf der Website der Gemeinde wäre aus meiner Sicht ein erster Schritt in die richtige Richtung. Außerdem sollte in Bürgerversammlungen die Gelegenheit zur Erörterung gemeindlicher Angelegenheiten bestehen. Schließlich sieht die Gemeindeordnung nicht umsonst vor, dass Empfehlungen der Bürgerversammlung innerhalb einer Frist von drei Monaten im Gemeinderat zu behandeln sind. Dass Bürgermeister und Gemeinderäte jederzeit für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger ein offenes Ohr haben und sich dauerhaft als Ansprechpartner verstehen, halte ich für selbstverständlich. Soziale Netzwerke im Internet können dabei unterstützen, die jüngere Generation zeitgemäß für gemeindliche Inhalte zu interessieren und Impulse zu erhalten, das persönliche Gespräch werden sie aber nicht ersetzen.

Ganz konkret: Warum sollten die Bürger Ihnen ihre Stimme geben?

Ich werde mich engagiert und zielstrebig für die Entwicklung unserer Gemeinde einsetzen. Ich werde Probleme beherzt anpacken und versuchen, pragmatische Lösungen zu erarbeiten. Ideen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger werde ich gern aufgreifen und ergebnisoffen diskutieren. Bei mir gibt es keine Denkverbote! Nach zwölf Jahren Mehrheitsregierung ist es an der Zeit, frischen Wind in die Gemeindepolitik zu bringen.

Eine persönliche Frage noch zum Schluss: Was gefällt Ihnen an Kemmern besonders? Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Ich komme in Kemmern überall mit dem Fahrrad hin. Kemmern ist ein idealer Ausgangspunkt für meine sportlichen Aktivitäten und meine Familie fühlt sich hier wohl. Ein weiterer Pluspunkt ist die Nähe zur Weltkulturerbestadt Bamberg. Meinen Lieblingsplatz, nein, den verrate ich Ihnen jetzt nicht auch noch…

 

Heike Bräuer ist die Bürgermeisterkandidatin der neu gegründeten Wählergruppe „Zukunft für Kemmern“.

1 Kommentar bisher. Haben Sie etwas dazu zu sagen?
Dann können Sie gerne ebenfalls einen Kommentar hinterlassen.
Kommentare geben die Meinung des Autors wieder, die Meinung der Redaktion
von Nachrichten am Ort muss damit nicht deckungsgleich sein.

  1. Helmut Wild 17. Februar 2014 at 22:04 - Antworten

    Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Kemmern. Wir freuen uns auf Sie und laden Sie ein: Donnerstag, 20.02.2014 Beginn 19:00 Uhr Landgasthof Elling. Bleiben Sie gespannt auf interessante Themen!

    P.S. weitere Termine der „Zukunft für Kemmern“
    http://www.zukunft-kemmern.de/termine/index.php

Gerne können Sie hier Ihren Kommentar zum Artikel hinterlassen.


Bitte geben Sie Ihren richtigen Namen (kein Pseudonym) an, ansonsten können wir Ihren Kommentar nicht veröffentlichen.
Ist dies Ihr erster Kommentar, erfolgt vor der Freischaltung zunächst eine Prüfung.
Für den Inhalt von Kommentaren ist die Redaktion nicht verantwortlich.