Kemmerns Geschichte: Steinbrüche, Gewannfluren, Ausflugsziel

Veröffentlicht am 30. November 2017 von Johannes Michel

Eine echte Besonderheit Kemmerns wird erst von oben sichtbar. Als einer der wenigen Orte in Deutschland, wenn nicht sogar der einzige, sind hier die historischen Gewannfluren noch zu Großen teilen erhalten. Wirtschaftswege kreuzen die Äcker, vom Aussterben bedrohte Tierarten finden Heimat. Aber auch in Kemmern ist die Kulturlandschaft in Gefahr.

Zum letzten Themenabend im Rahmen des 1000-jährigen Jubiläums der Gemeinde Kemmern konnte Bürgermeister Rüdiger Gerst den Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Thomas Gunzelmann begrüßen, der zum Thema „Die historische Kulturlandschaft von Kemmern“ referierte. Einen gleichlautenden Beitrag schrieb Gunzelmann bereits für die neue Chronik der Gemeinde.

„Wir haben in Kemmern etwas ganz Besonderes“, so Gerst zur Einführung. „In unserer Gemeinde sind die Gewannfluren mit ihrem mittelalterlichen Wegesystem noch erhalten.“ Hintergrund ist: In Kemmern gab es keine Flurbereinigung, die Felder und Wiesen zusammenlegte – und durch die Erbteilung wurden sie immer kleinteiliger. Die Hügel, die am Ende der oftmals nur zehn Meter breiten Streifen durch das Umwenden des Pflugs entstanden, sind dafür ebenfalls markant. In der historischen Flur siedeln Arten, die an anderen Orten längst ausgestorben sind, etwa die Mohnbiene – das weltweit größte bekannte Vorkommen liegt in Kemmern. „Busse mit Fachleuten kommen, um sich unsere Gemeinde und ihre Kulturlandschaft anzuschauen“, erklärte Gerst – dabei seien die Fluren für Kemmerner etwas ganz Normales.


Dr. Thomas Gunzelmann referierte.


Luftbild: Hier wird die Kleinteiligkeit noch gut sichtbar. Wege wie nach Breitengüßbach zerschneiden die Parzellen.

Steinbrüche sind heute nicht mehr erhalten

Dass das aber nicht so bleiben muss, berichtete auch Gunzelmann in seinem Vortrag. Denn die moderne Landwirtschaft mache auch vor Kemmern nicht halt – und viele der kleinen Streifen würden einfach zusammen gepachtet. Gunzelmann wies auch auf die besondere Lage Kemmerns hin – abseits des Straßennetzes, mit dem Main nicht als Gemarkungsgrenze, sondern als Gewässer, das mitten durch die Gemeinde fließe.

Heute nicht mehr zu bestaunen sei ein Handwerk, das Kemmern wohl über Jahrhunderte geprägt hat. Auf dem Semberg wurde lange Zeit Sandstein abgebaut, der dann etwa für Bauten im nahen Bamberg Verwendung fand, zu ihnen gehören das Kloster Michaelsberg oder das Aufseesianum. Der Semberg war zum damaligen Zeitpunkt – das gilt bis vor etwa 160 Jahren – noch fast waldfrei, heute bedecken Wälder die einstigen Steinbrüche sowie die Straße, die auf der westlichen Seite des Mains nach Baunach führte.

Einen hohen Freizeitwert hatte Kemmern hingegen schon immer, und das ist bis heute so geblieben. Die zwei Bierkeller können auf eine lange Geschichte zurückblicken, bis in die 1950er Jahre gab es noch einen dritten Keller (Brauerei Dorsch), der südlich des heutigen Wagnerkellers lag – die Lagerkeller fürs Bier gebe es heute teilweise noch, so Gunzelmann, allerdings seien sie in schlechtem Zustand.

Im Rahmen des Themenabends überreichte Gerst auch Goldene Sportabzeichen. Auf Initiative von Günter Schwank hatten sich fast hundert Kemmerner darangemacht, das Sportabzeichen abzulegen. 33 Schülerinnen und Schüler aus Kemmern waren erfolgreich, ebenso acht weitere Teilnehmer. Alle acht erreichten das Sportabzeichen in Gold.


Hans-Dieter Ruß (links) und Rüdiger Gerst (rechts) übergaben das Sportabzeichen – an Johann Gehringer, Luis Lindner, Karin Lindner, Lina-Marie Lindner und Sandra Kröner. Mit auf dem Bild: Initiator Günter Schwank. Es fehlen Dr. Werner Lindner und Klaus Kröner.

Luftbild: Google Earth

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