Leben von einem US-Dollar pro Tag

Veröffentlicht am 21. Juli 2014 von Johannes Michel
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„Stellt euch vor: Halb Rattelsdorf ist in der Regenzeit vier Monate lang überflutet, nicht nur die Wiesen rund um die Itz, sondern alles – Straßen, Häuser, vielleicht auch euer Zimmer.“ Eindringlich beschrieb Major Florian Luckas die Situation der Menschen im Südsudan. Dorthin gingen die Spenden aus dem Spendenlauf „Kinder laufen für Kinder“, an dem sich im Mai 187 Schülerinnen und Schüler beteiligt hatten.

11,6 Millionen Einwohner, davon fast jeder zehnte auf der Flucht. Die Zahlen sind kaum vorstellbar. Auch die Kinder der Rattelsdorfer Schule sind beeindruckt, als Florian Luckas, der selbst 2007/2008 und 2013/2014 für die Vereinten Nationen (UN) im Sudan und Südsudan war, seinen Vortrag hält. Seit 1997 ist er Soldat, wohnt in Rattelsdorf und ist Offizier für Informationstechnologie. Aufgrund seiner speziellen Ausbildung für UN-Einsätze ist er ein gefragter Spezialist. „Es könnte sein, dass ich in den kommenden 20 Jahren immer wieder auf der ganzen Welt eingesetzt werde“, so Luckas.

Spendenlauf Schule Rattelsdorf Südsudan 2014
Major Luckas erzählt, …

Spendenlauf Schule Rattelsdorf Südsudan 2014
… und die Kinder hören im fasziniert zu.

Und er nennt noch weitere Zahlen. Über 70 Prozent der Südsudanesen sind Analphabeten, 30 Prozent der Einwohner des Landes sind unterernährt. Das Land verzeichnet die höchste Kindersterblichkeit der Welt. Es tobt ein teilweise blutiger Bürgerkrieg, Wasser und Lebensmittel fehlen an allen Ecken und Enden. Mit gerade einmal einem US-Dollar pro Tag muss ein Erwachsener auskommen – und davon möglicherweise noch seine Kinder ernähren. „Trotz der großen Armut zeigen die Menschen aber eine große Lebensfreude“, erklärt Luckas anhand von Bildern. Demgegenüber stehen aber auch Fotos, die eine regionale Hauptstadt zeigen, die so gar nicht danach aussieht – Hochwasser, Müll und kaputte Straßen, soweit das Auge reicht. Die Kinder können es kaum glauben, immer wieder geht ein Raunen durch die Menge.

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Ohne Umwege direkt in den Südsudan

3.000 Euro der beim Spendenlauf gesammelten Gelder konnte Major Luckas, ohne bürokratische Umwege, im Südsudan direkt „an den Mann“ bringen: Für 500 Euro erhielt ein körperlich und geistig behinderter Jugendlicher einen Rollstuhl, 2.500 Euro werden für ein Schutzhaus für Straßenkinder verwendet. Und Luckas verteilte auch, in Zweitverwertung, Trikots aus Rattelsdorf, über die sich viele Kinder freuten.

Die 187 Schülerinnen und Schüler hatten beim Spendenlauf in 90 Minuten insgesamt 1.500 Kilometer rund um den Ebinger See zurückgelegt. Das entspricht der Entfernung von Rattelsdorf nach Paris und zurück, wie Rektorin Susanne Weig erwähnte. Sie bedankte sich für die große Spendenbereitschaft der Eltern und Verwandten, die durch die Kinder auf das Projekt aufmerksam wurden und sich auch beim Lauf selbst engagiert hatten – zum Beispiel als Streckenposten.

Spendenlauf Schule Rattelsdorf Südsudan 2014
Symbolisch übergab ihm Rektorin Susanne Weig einen Scheck.

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