Die rund 200 Einwohner passen rein

Veröffentlicht am 11. September 2017 von Johannes Michel

Einmal im Jahr lädt der „Tag des offenen Denkmals“ zu Besichtigungen ein. Im Landkreis Bamberg war diesmal auch die Kirche Mariä Himmelfahrt in Medlitz (Markt Rattelsdorf) mit dabei. Über die gibt es viel zu berichten, auch wenn sie noch ein recht junges Bauwerk ist: Das 100-Jährige wurde vor zwei Jahren im Rahmen eines Festgottesdienstes mit Erzbischof Ludwig Schick gefeiert.

Irgendwann Anfang des 18. Jahrhunderts gelangte die Marienstatue, die heute den Hochalter der Kirche schmückt, von Mürsbach ins benachbarte Medlitz. Sie wanderte durch die Familien, wurde angebetet und bekam schließlich eine Vitrine auf dem Dorfplatz, um sie öffentlich zugänglich zu machen. Das war aber keine Lösung für die Zukunft, und so beantragten die Medlitzer am 14. Juli 1728 den Bau einer Kapelle, um in angemessener Weise vor dem Muttergottesbild Andacht feiern zu können. Dann ging es ganz schnell: Schon 1729 berichtet der Dekan aus Ebern bei einer Visitation in Mürsbach: „Die Filialkirche Medlitz ist eingeweiht.“ Eine kleine Holzkirche war entstanden.

Deren großes Manko: Sie wurde bald zu klein. Denn Medlitz hatte Mitte des 19. Jahrhunderts rund 200 Gläubige. Wann dann genau die Steinkirche, der Vorgängerbau der aktuellen Kirche, errichtet wurde, ist nicht bekannt. Dokumentiert ist lediglich ein Ersuchen an die Regierung in Bayreuth von 1836. Sehr lange stand sie dann aber nicht, denn am 25. Mai 1914 wurde mit dem Abbruch begonnen – und die neue Kirche wurde am Pfingstsonntag 1915 geweiht. Viele Elemente wurden übernommen, etwa die beiden Hochaltäre, die wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen, die heute sanierungsbedürftige Orgel aus dem Jahr 1898 oder auch der kleine Holzturm, der über dem Altarraum sitzt.


Die Kirche Mariä Himmelfahrt bildet das Zentrum von Medlitz.

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Mariä Himmelfahrt ist auch eine Wallfahrtskirche

Die Kirche Mariä Himmelfahrt ist eines von 138 Einzeldenkmälern im Markt Rattelsdorf, wie Landrat Johann Kalb betonte, als er den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September 2017, offiziell in Medlitz eröffnete. Damit belege der Markt Rattelsdorf nach Scheßlitz Platz 2 im Landkreis in Sachen denkmalgeschützte Gebäude. „Die Denkmalpflege ist für uns im Landkreis ein wichtiges Thema, mit dem wir sehr bewusst umgehen“, so Kalb. In Medlitz werde sichtbar, dass auch heute noch die Kirchen oft der Lebensmittelpunkt vieler Ortschaften seien.

Pfarrer Reinhold Braun wies auf die Funktion als Wallfahrtskirche hin – „klein, aber fein“, wie er betonte. Regelmäßig kämen Gruppen, um die Kirche zu entdecken. Er vergaß auch nicht, die europaweit bedeutende Fledermauskultur zu erwähnen, die sich im Dachstuhl der Kirche niedergelassen hat. „Das hat uns bei der Renovierung der Kirche natürlich Kopfzerbrechen bereitet, und bedeutet auch heute für die Ehrenamtlichen einen erhöhten Pflegeaufwand.“ Nach weiteren Grußworten durch Bürgermeister Bruno Kellner waren die Besucher zu einem Orgelkonzert eingeladen, es spielte die Organistin Eva Böhmer.


Die Marienstatue im Hochaltar dürfte schon aus dem 16. Jahrhundert sein. 

Michael Hümmer stellte anschließend die Kirchengeschichte vor. „Leider kommt es nicht allzu häufig vor – aber alle Einwohner von Medlitz passen in unsere Kirche rein“, erklärte er. Er verwies auch auf die Kirchenfenster, die mit Familiennamen markiert sind. Denn den Medlitzern war ihr Gotteshaus immer viel wert, und so beteiligten sie sich großzügig an der Renovierung.

Am Tag des offenen Denkmals 2017 gab es aber nicht nur die Kirche in Medlitz zu besichtigen: Eine Sonderausstellung „Das Geheimzimmer des Abtes“ in Ebrach, das Alte Rathaus in Gundelsheim und das ehemalige Böttingersche Landhaus in Stegaurach luden außerdem ein.

 

Viele Fotos von der Kirche am Tag des offenen Denkmals finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

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