Schätze in unseren Wäldern I: Die Kapelle der Elenden Heiligen

Veröffentlicht am 25. August 2012 von Lena Thiem
Logopädie Scheßlitz



MIT GROSSER BILDERGALERIE!

Versteckt im Wald, ziemlich genau zwischen Kemmern und Baunach, liegt fast vergessen eine sagenumwobene Ruine: die sogenannte „Kapelle der Elenden Heiligen“, heute besser bekannt als Helenenkapelle. Dass es diese gibt, war mir von mindestens einem Volksschulwandertag noch bewusst, doch um Ihnen, unseren Lesern, Einblicke und Informationen zur Helenenkapelle zu geben, braucht es auch aktuelle Bilder und persönliche Erfahrungen. Also auf Sonne gewartet und ab mit dem Sohn aufs Rad und durch den Wald von Hallstadt nach Kemmern.

Auch wer sich nicht so gut auskennt, wird anhand der Beschilderung (Strecke K2 des Nordic-Walking-Wegenetzes des Zentrums Maintal-Haßberge) die richtige Strecke für sich finden. Ob Spaziergänger, Nordic-Walker oder Radfahrer, für jeden gibt es einen passenden (Rund-)Weg und jeder führt über kurz oder lang, über Stock und Stein, Wald und Flur zum Ziel.

Ein bisschen Abenteuer?

Also Augen auf, Wegweiser richtig interpretieren oder gekonnt ignorieren und einen für sich passenden Weg wählen. In unserem Fall geradeaus durch den Wald, am Wagnerbräu Keller und Leichts Keller vorbei, immer bestärkt durch Wegweiser, Nordic-Walking-Beschilderung oder den eigenen Orientierungssinn.

Egal ob in rasantem oder schneckenhaften Tempo …

… Helenenkapelle? – Da entlang!

Damit das Abenteuer bei unserer Fahrradtour nicht zu kurz kommt, haben wir uns durch zugewucherte Waldrinnchen und Matschpfützen gekämpft – wer kein Freund von solch abenteuerlichen Wegen ist, kann auch einfach von der Kemmerner Mainbrücke rechts den Uferweg Richtung Baunach nehmen und bequem auf dem teils gepflasterten Feldweg fahren, walken oder wandern.

Nach einer idyllischen Ruhebank geht es dann links wieder in den Wald auf einem breiten Weg entlang, bis sich der Weg ein letztes Mal gabelt. Der nun folgende Anstieg ist nur für trainierte oder sehr ehrgeizige Radler zu meistern und führt etwas um die Ruine herum.

Fußgänger können zielgerichtet der einladenden Treppe folgen,
die links in 50 Metern direkt zur Ruine der Helenenkapelle führt.

Auf Schatzsuche

Auf der Vorterrasse des Semberges angekommen, beschattet von dichtem Grün des Waldes, atmen wir die harzige Luft und rasten kurz an den dafür aufgestellten Holzbänken. Dann erkunden wir die Ruine, die ursprünglich St. Felizitas geweiht ist, wie eine Tafel verrät. Wir besichtigen den alten Brunnenschacht, aus dem früher das Heilwasser für die Elenden, die an Aussatz und Krätze litten, geschöpft wurde. Lange Zeit wurde die immer gefüllte „Heilquelle“ nur durch göttliche Kräfte erklärt, allerdings belegen handgeschriebene Eintragungen aus dem Baunacher Pfarrbuch von 1791, dass der Brunnen leer geblieben sei, wenn es länger nicht geregnet hatte. Dies lässt sich mit der vor- und frühgeschichtlichen Bauweise nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren erklären, wodurch die Wasserspiegelhöhe allein von der durchschnittlichen Niederschlagsmenge abhängt.

Zeit für eine Pause im Grünen.

Nach der Renovierung des Kirchleins (1757), als es noch ein Türmchen und ein Glöckchen hatte, haben nicht nur Witterung und Zeit ihre Spuren hinterlassen. Zum Glück sah die Gemeinde Kemmern 1830 und auch bei der letzten Renovierung St. Peter und Pauls davon ab, zur Erweiterung der Pfarrkirche die Ruine noch weiter abzutragen und anderweitig zu verwenden. So erkannte Pfarrer Wachter 1919 noch eine Eingangstür an der Südwand sowie fünf gotische Fenster. Aber, wie er meint, sei „besonders in Kemmern […] in so manchem  Bauernhaus noch so manches Stück davon erhalten. Im Zuge der Denkmalpflege säuberte das Forstamt Bamberg Ost den Kapellenbereich 1969 von überwucherndem Gestrüpp, ließ verstreute Steinquader ordnen und an der Stelle, an der einst der Altar stand, das große Holzkreuz errichten. Seit dem steht die Ruine unter Denkmalschutz.

Das Holzkreuz wurde am 16. Mai 1971 von Pfarrer Götz (Kemmern) geweiht.

Dem Volksmund nach ist an der Helenenkapelle so mancher Schatz vergraben, der aber nur schweigend gehoben werden kann. Neben Glasscherben der ursprünglichen bunten Butzenglasfenster, Stücken mittelalterlicher Töpferei, die Wallfahrten bereits im 14. Jahrhundert belegen, und einem Glockenklöppel, der 1983 im Waldboden gefunden wurde, findet man heute aber vor allem andere Schätze: gesunde Waldluft, idyllische Ruhe, Erholung und vielleicht auch das ein oder andere Abenteuer.

Lena Thiem

Für die Vielzahl an zur Verfügung gestellten Informationen und Materialien zur Geschichte und Lage der Helenenkapelle bedanke ich mich sehr herzlich bei Franz Götz und dem Arbeitskreis Heimatmuseum Baunach.

 

Weitere Bilder finden Sie in der großen Bildergalerie (zum Öffnen der Galerie einfach auf ein beliebiges Foto klicken, zum Beenden der Anzeige genügt ein Klick auf das geöffnete Bild) …

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