Test: Auf die Spielplätze, fertig, los!

Veröffentlicht am 23. Juni 2012 von Lena Thiem
Logopädie Scheßlitz



MIT VIELEN FOTOS UND GROSSER BILDERGALERIE!

Seit April hat die Landesgartenschau ihre Tore geöffnet. Für die Kinder unter den Besuchern wurde mit fünf Sams-Spielplätzen ein Angebot zum Spielen und Toben neben den „langweiligen“ Blumen geschaffen. Das Zentrum, der Kletterturm am Birkenhain, wurde nach einer Idee von zwei Bamberger Künstlern, Tanja Potrykus und Thomas Gröhling, in Anlehnung an die Sams-Geschichten gestaltet.

Doch ist der rote Faden der Grund für den Spaß auf den Spielplätzen oder doch die neu interpretierten Spielgeräte, wie Rutsche, Klettergerüst, Wippe und Schaukel? Und lohnt das Eintrittsgeld für Kinder und Eltern? Nachrichten am Ort wollte es von echten Kennern wissen und begleitete fünf Kinder zwischen zwei und zehn Jahren zum Spielplatztest auf die Landesgartenschau.


Der Nachrichten-am-Ort-Spielplatz-Test mit Kindern auf der Bamberger Landesgartenschau

1. Station: Seilfähre am Altarm: Samstagmorgen, 9.15 Uhr: Bei strahlendem Sonnenschein und kaum über der Erba-Brücke ging es los. Maximilian (7) und Lars (10), die sich schon etwas auskennen, entschieden sich erst einmal für den „Floßspielplatz“, der auch schnell gefunden, zur morgendlichen Stunde aber noch verwaist ist. Hier kann man wie die Piraten Floße (k)entern, Rennen fahren oder gemeinsam auf den Seilfähren übersetzen.

Für die Großen kein Problem, Kilian (4) und Paul (2) erkunden etwas vorsichtiger das umliegende Gelände. Die ungewöhnlich gestaltete Rutsche wird auch gleich unerschrocken ausprobiert. Was Kilian mit seiner kurzen Hose gleich merkt: das bereits durch die morgendliche Sonne etwas warm gewordene Metall wird beim Rutschen noch etwas heißer. Physik zum Erleben oder eine Gefahrenquelle? – Zur Abkühlung geht es gleich über das Wasser. Während Papa mit den Kleinen flößt, die Großen wilder toben, kann sich Mama kurz in eine der einladenden Hängematten legen. Doch Paul braucht ständig Unterstützung, der Spielplatz mit Wasser, Floßen und Designerrutsche ist für Kleinkinder alleine nicht bespielbar. Das Sams sitzt samt Wunschpunkt unbeachtet daneben.

Weiter geht es zum zentralen und wohl bekanntesten Spielplatz: der Kletterturm im Birkenhain.

Der futuristische Holzturm will durch Rampe und Netze erklettert werden, die beiden Röhrenrutschen sind sogleich in langsam und schnell eingeteilt und auch die Trampoline werden ausprobiert. Inzwischen ist Felix (8) zu unserer Testcrew dazu gestoßen und stürzt sich ins Getümmel. Paul und Kilian wollen den Großen hinterher, Kilian erklimmt mutig die Netze, doch Paul stößt wieder an seine Grenzen, so dass Papa mit ihm klettern und rutschen muss. Doch die Röhrenrutschen sind für Erwachsene schon etwas eng. „Hier fehlt eine einfache Rutsche für die Kleinen“, bemerkt Pauls Papa kritisch.

    

Kurz vor 10 Uhr: Langsam füllt sich nicht nur das Landesgartenschaugelände, sondern auch die Spielgeräte, denn das Wetter ist mit kühlendem Wind und wärmender Sonne optimal.

Da heißt es gleich weiter zum Fischpass gegenüber. Das haben die Eltern vorhergesehen und die Badehose eingepackt, zusammen mit Handtuch, Wechselklamotten, Verpflegung und Sonnenschutz. Wie der Name sagt, dominiert am Fischpass das Thema Wasser, so lässt sich Wasser mit Wasserwippheber und Galgeneimer schöpfen, mit Hilfe von Schleusen gezielt stauen, oder, wie es unsere Testkinder nach alt bewährter Art sofort erkennen: „Wasser und Sand gibt auch ne Wand“ – selbst ein Damm bauen.

Die Spielinsel ist, ähnlich dem Floßplatz am Altarm, nur über Steine durch das etwa Kinderknie-tiefe Flussbett zugänglich. Man kann auch auf einem Drahtseil (hier gilt eine Mindestgröße von 1,30 Meter) balancierend einen Flussarm überqueren oder sich wie Tarzan an Ringen darüber schwingen. Auch hier müssen Eltern aktiv sein und die Kleineren hinüber begleiten. Während die Älteren noch planschen, wechselt Kilian zur Kletterlandschaft gegenüber und meistert den „Garnsalat“ aus Netzen, Holzstämmen und Garnrolle wie ein Äffchen.

Schaukel-Woks in der Kleingartenkolonie

Nach einer kurzen Verpflegungspause nehmen Paul und Kilian den langen Weg auf sich, in Richtung Inselspitze den nächsten Spielplatz zu suchen. Wegweiser mit dem Hinweis auf einen Spielplatz sind selten und Richtung Kleingartenkolonie nicht zu sehen. Angekommen, wird kurz in die Hängematte gekraxelt, bis die „Schaukel-Woks“ frei sind. Diese sind auch aus Metall, aber noch nicht annährend so warm wie die Rutsche eine Stunde vorher. In dem Trichter der Wunschmaschine wird von Kilian hauptsächlich die Akustik getestet. Dieser Spielplatz ist definitiv für die kleineren Kinder geeignet, aber das Spielangebot und Interesse der Kinder ist schnell erschöpft.

Und so geht es zum letzten Spielplatz, der allerdings gezielt gesucht werden muss, im Vorbeilaufen ist er nicht zu entdecken. Etwas abgelegen – aber immerhin mit eigenem Wegweiser – versteckt sich ein Spielplatz zum Klettern, Balancieren und Schaukeln mit großer Sandfläche in der Sandschlucht. Die Begeisterung der Großen hält sich hier in Grenzen, die Wasserspielplätze waren interessanter. Aber vielleicht ist die Testmannschaft auch einfach nur ausgepowert.

Es ist Mittag, Kinder und Eltern haben genug gespielt. Eine letzte Station will Maximilian aber noch ausprobieren: „Schiffe steuern!“ Also wieder vorbei am Birkenhain und zum „Hafen“: Hoi a Schiff !?!, wo Maximilian, Felix und Kilian mittels Simulation Kapitän spielen können.

Die Spielplatztester: Paul (2), Kilian (4 ), Felix (8), Maximilian (7), Lars (10)

Das könnte man noch verbessern

Fehlende Abfallkörbe wurden schon öfter kritisiert. Wie die Eltern von Maximilian einräumen, würden diese neben den Spielplätzen wahrscheinlich zu viele Wespen anziehen, aber zu wenige sind es schon. Aber vielleicht liegt es ja an der den Abfallkörben fehlenden floralen Optik, dass sie es nicht in ausreichender Zahl auf die Landesgartenschau schaffen?

Unschöne Notlösung für das bestehende Mülleimerproblem.

Noch dringlicher ist aber das Toilettenproblem. Was, wenn man alleine mit seinen Kindern auf dem Spielplatz ist und jemand mal muss? – Weit und breit ist keine Toilette zu sehen. Der Landesgartenschau-Plan zeigt drei im weiteren Umfeld des Fischpass-Spielplatzes, alle mindestens fünf Minuten Kinder-Fußweg entfernt. Was tun? Die Kinder aus dem Spiel reißen und den Weg zum nächsten Örtchen zurücklegen? Das kann in die Hose gehen. Warum es keine Toiletten in Spielplatznähe, wie der Villa Wunschpunkt, gibt, bleibt erst einmal unverständlich.

Die Villa Wunschpunkt als Ort für Kinderbetreuung bleibt wie das Sams von unseren Testkindern unbeachtet, wie auch die Wunschpunkte oder Holz-Figuren aus den Geschichten von Paul Maar. Nette Idee, aber die Spielplätze machen auch ohne Sams-Grundwissen Spaß. Stände zur Verpflegung (Eis für die Kinder, Kaffee für die Eltern) gibt es gefühlt mehr als Toiletten. Dazu kommen allerdings Preise, die zwar typisch für Touristenattraktionen und Tankstellen, aber nicht familienfreundlich sind.

Spaßfaktor garantiert – hier ist Platz zum Spielen und Toben

Doch das stört die Kinder weniger. Die Tester sind sich einig: Die Wasserspielplätze (Fischpass, Seilfähren) sind zum Toben die besten, dicht gefolgt vom Rutschen-Kletter-Turm, auch bei den Kleineren, Paul und Kilian.

Fantasieanregende Offenheit der Spielgeräte kombiniert mit Natur und Wasser punkten bei Eltern und Kindern
– und der Entenfamilie, die ganz ohne Scheu Futter von den Besuchern einfordert.

Wer mit seinen Kindern oder Enkeln auf die Landesgartenschau geht, sollte sich gut vorbereiten. Neben einem Transportmittel für Kinder, Wechselkleidung, Handtüchern, Proviant und Abfalltüte sollten Familien viel Zeit für die Spielplätze mitbringen und vielleicht Omas und Opas oder Freunde mitnehmen, die auch mal ein Auge auf die „kleinen Racker“ haben. So bleibt für jeden Zeit, sich die Ausstellungsflächen anzuschauen.

Nach der Landesgartenschau besteht hier großes Potenzial. Es könnte sich ein ähnlicher Familientreffpunkt bilden wie auf dem bereits in die Jahre gekommenen Hainspielplatz auf der Bayerleinswiese. Bis Oktober ist das Gelände nur für Familiendauerkartenbesitzer eine erschwingliche, dauerhafte Freizeitgestaltung. Doch eine Tagesausflugs-Alternative zu Playmobilland oder Freitzeitpark ist die Landesgartenschau allemal. Vielleicht bleibt ja nebenbei noch Zeit für einen Blick auf die Blumenpracht.

Lena Thiem

 

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