VR Bank Forum 2012: Abtprimas Dr. Notker Wolf mit „räumlicher Nähe zum Herrgott“

Veröffentlicht am 15. November 2012 von Johannes Michel
Logopädie Scheßlitz



„Das Wertethema findet auch in der Wirtschaft heute neue Beachtung.“ VR-Bank-Vorstand Manfred Ullrich konnte beim VR Bank Forum 2012 im Hegelsaal der Bamberger Konzert- und Kongresshalle dazu den passenden Gast präsentieren: Abtprimas Dr. Notker Wolf, höchster Repräsentant des Benediktinerordens, hatte für seinen Vortrag „Moralische Werte in einer modernen, vernetzten und globalen Welt“ einen Zwischenstopp in Bamberg eingelegt. Bei mehreren hunderttausend Flugmeilen pro Jahr konstatierte Ullrich eine besondere „räumliche Nähe zum Herrgott“.

„800 Millionen Genossenschaftsmitglieder gibt es weltweit“, sagte Ullrich im Rahmen seiner Begrüßung. Im Fokus stehe dabei die Verbindung von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung, weshalb das Jahr 2012 auch das International Jahr der Genossenschaften der Vereinten Nationen sei. Grundlage müsse langfristiges Denken und Handeln sein, Mensch und Umwelt der Mittelpunkt sein. „Unser Nachhaltigkeitsanspruch lebt von der Überprüfbarkeit“, so Ullrich.

Nachhaltigkeit war auch ein Grundanliegen von Abtprimas Dr. Notker Wolf. Der kündigte gleich zu Beginn seines etwa einstündigen Vortrags an: „Ich möchte Sie über den Gartenzaun hinaus führen.“ Sein Blick konzentrierte sich daher nicht nur auf Deutschland, sondern insbesondere auf die neue Wirtschaftsmacht China. Im Zentrum vor über 600 Zuhörern stand die Frage: „Sind die Kulturen heute nicht zu verschieden für allgemeingültige Werte?“


Das Thema zog an: Voll besetzter Hegelsaal beim Vortrag von Dr. Notker Wolf.

Menschliche Freiheit als Basis

Wichtig sei zunächst, sich der grundlegenden Werte überhaupt bewusst zu werden, die trotz allen Wandels erhalten bleiben müssten. Was diese Werte sind, definierte Wolf nicht näher, er nannte lediglich Begriffe wie Liebe, Treue, Anstand, Respekt, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit, Zufriedenheit, Mut zum Risiko und Freiheit. Letztere ist sein Hauptanliegen, das sich wie ein roter Faden durch seine Bücher, Interviews und öffentlichen Auftritte zieht. „Die menschliche Freiheit ist die Basis unserer Werteordnung, sie macht den Menschen erst zum Menschen. Freiheit ist auch, alles in bestimmte Bahnen lenken und Werte in einer Gesellschaft einfordern zu können.“ Heute stehe die Freiheit aber auf dem Spiel, es drohe ein Kampf der Stärkeren um die Macht. Wolf spielte damit insbesondere auf die europäische und internationale Politik an.


VR-Bank-Vorstand Manfred Ullrich führte ins Thema ein.


Kurz vor seinem Vortrag: Abtprimas Dr. Notker Wolf mit Manfred Ullrich.

Bei seinen zahlreichen Auslandsreisen habe er die unterschiedlichsten Kulturen kennengelernt, und damit verschiedene Werte- und Moralvorstellungen. Dennoch hätten die Menschen eine gemeinsame Basis. Wer seinem Gesprächs- oder Geschäftspartner aus einer anderen Kultur auf Augenhöhe begegne, seine Werte und Sensibilitäten respektiere, sei automatisch ein Gewinner. Wichtig sei aber auch, eigene Werte zu verteidigen. „Die Chinesen werfen uns Europäern vor, dass die individuelle Freiheit zum Egoismus führt.“

Eigenverantwortung nicht vernachlässigen

In der Finanzkrise hätten dennoch die moralischen und ethischen Werte, die gerne betont würden, vollkommen versagt. Da der Mensch schwach und getrieben sei, brauche es eine gewisse Form der Regulierung, einen „Rahmen für die Freiheit“.  Auch das Thema Solidarität stand auf Wolfs Agenda. „Unter sozial verstehe ich nicht, Geld zu verteilen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, damit der Mensch würdevoll leben kann. Selbstverwirklichung in Eigenverantwortung.“

Johannes Michel

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