Besucher oder gern gesehen?

Veröffentlicht am 24. Dezember 2015 von Redaktion
Logopädie Scheßlitz



Weihnachten ist Besuchszeit. Nur ist uns Besuch auch immer willkommen? Oder ist er nicht manchmal anstregend? Darüber machen sich unsere Gastautoren Gedanken. Denn auch Gott ist zu Weihnachten Besucher bei uns. Oder ist er vielleicht mehr als nur ein Besucher?

„Hol doch unserm Besuch noch etwas zu trinken aus dem Keller“, sagte meine Schwägerin zu ihrem Mann. Wir waren mit der ganzen Familie zum alljährlichen Weihnachtsbesuch angerückt. Mein Schwager drehte sich um und meinte: „Die sind kein Besuch. Ihr seid doch gern gesehen.“ Wir mussten alle lachen. Seitdem ist dieser Satz in den Anekdotenschatz unserer Familie eingegangen und wird gern wieder hervorgeholt, wenn ein Gespräch um das Besuchsthema kreist.

Weihnachtszeit ist Besuchszeit. Ist am Heiligen Abend unterm Christbaum noch die Kernfamilie versammelt, so machen wir uns in den Tagen danach auf, Besuche zu machen. Das Fest ist vorbereitet. Wir essen miteinander, wir reden miteinander, wir tauschen Geschenke aus. Einander zu besuchen ist schön. Es unterbricht unseren Alltag. Ein Fest gibt dem Leben Glanz.

Besuche sind aber auch anstrengend. Wir sind es im Alltag nicht gewohnt, so viel Zeit miteinander zu verbringen, einander nah zu sein, aufeinander einzugehen. Wie im dichten Verkehr versuchen wir, achtsam zu sein, um Zusammenstöße zu vermeiden. Nicht immer gelingt das. Ist der Besuch wieder gegangen, der Tisch abgeräumt, der Abwasch erledigt, atmen nicht wenige erleichtert auf.

Und doch: Wie sehr bedauern wir Menschen, die an den Festtagen allein sind. Unser ganzes Mitleid gilt in diesen Tagen den Einsamen, die niemanden erwarten und von niemandem eingeladen werden. Und manch einer hat jetzt seinen allein stehenden Nachbarn besonders im Blick und beschenkt ihn mit Zeit, mit einem Gespräch und Aufmerksamkeit.

Weihnachten: Gott kommt zu Besuch

Weihnachtszeit ist Besuchszeit. Darin bildet sich das tiefe Geheimnis der Weihnachtsbotschaft ab. Gott ist nicht Gott für sich. Gott kommt unter die Menschen. Gott kommt uns nahe, er kommt auf Besuch. Deshalb begehen wir Weihnachten nicht nur in den Kirchen. Wir feiern Gottes Besuch da, wo wir auch sonst Besuch erwarten und empfangen: in unseren Häusern, Wohnungen und Zimmern.

Gott kommt auf Besuch und er besucht uns in einem Kind. Es gibt nichts Schöneres als Kinderbesuch. Ein Kind am Tisch verwandelt eine angestrengte Festgesellschaft in eine entspannte fröhliche Runde. Kinder haben etwas Entwaffnendes. Wir müssen uns nicht mehr verstellen. Verkrampfungen lösen sich. Kleine Kinder beschenken uns mit Leben und Freude. Ihr Besuch verändert und weckt die Sehnsucht, sie immer wieder bei sich zu haben. So kommt Gott.

Aber auch anstrengend und herausfordernd ist der Besuch eines Kindes. Ein Kind beansprucht unsere Aufmerksamkeit, es braucht unsere Hilfe und Unterstützung. Gottes Besuch als Kind sagt: Ich brauche dich. Ich brauche deine Hilfe,  um groß zu werden in dieser Welt.

Weihnachten: Gott kommt zu Besuch. Es ist wie bei jedem Besuch: Er ist bereichernd und anstrengend. Er beschenkt uns mit neuem Leben und er braucht unsere Kraft.

Wittmann-Schlechtweg HallstadtAber es wäre schön, wenn Sie in diesen weihnachtlichen Tagen sagen könnten: „Gott, du bist doch kein Besuch. Du bist gern gesehen.“ Das wünschen wir Ihnen von Herzen.

Susanne Wittmann-Schlechtweg und Andreas Schlechtweg, Pfarrersehepaar aus Hallstadt


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