„Made in Zapfendorf“ weltweit gefragt

Veröffentlicht am 2. November 2015 von Johannes Michel

Schon von Weitem ist der hohe Kamin zu sehen – ein typisches Symbol für den industriellen Fortschritt. Vor 50 Jahren war Industrie im ländlichen Raum etwas ganz Neues, und besonders ist es auch heute noch. Denn mit über 200 Mitarbeitern ist das Werk der Bayerischen Milchindustrie (BMI) in Zapfendorf der größte Arbeitgeber am Ort. Seit 1965 wird dort Milch verarbeitet. Der Exportanteil liegt bei über 50 Prozent, und so kommen Milchprodukte aus Zapfendorf in alle Welt.

50 Jahre. Eine lange Zeit, „mit Höhen und Tiefen“, wie der Aufsichtsratsvorsitzende der BMI, Karl Beck, in seinen Grußworten bei einer Feierstunde in der Rattelsdorfer Abtenberghalle betonte. Immer wieder galt es Herausforderungen zu meistern, sei es in Sachen Abwasserbeseitigung, Lärmschutz oder An- und Umbaumaßnahmen. Insgesamt, dass wird im Rahmen des Jubiläums schnell klar, haben Unternehmen und Politik dennoch gut zusammengearbeitet, auch wenn es den ein oder anderen Streitpunkt gab. Und so hat sich Zapfendorf zum wichtigsten und größten Standort der Bayerischen Milchindustrie entwickelt.

In Zapfendorf begann die BMI-Geschichte im Jahr 1964 mit der Ankündigung, ein Werk in einer bislang industriell eher schwachen Region zu errichten, damals eine „Sensation“. So erklärte es Vorstandssprecher Peter Hartmann. Das Areal umfasste damals 32.000 Quadratmeter. Noch bevor das Richtfest im Mai 1965 offiziell gefeiert wurde, begann schon die Produktion, mit einer Tagesleistung von 18 Tonnen Molkenpulver. Heute sind es 320 Tonnen, plus Milch, plus Frischprodukte. Während die BMI bis in die 1980er Jahre ein so genannter Überschussverwerter war, machte das Unternehmen nach und nach einen Wandel zum Premiumhersteller durch. In einem Bereich sei man, so Hartmann, besonders stark aufgestellt: Bei den Bio-Produkten ist die BMI der weltweit größte Hersteller für Molkenerzeugnisse, in Zapfendorf macht „Bio“ rund zehn Prozent der Produktion aus.

50 Jahre BMI Zapfendorf 2015
Vorstandssprecher Peter Hartmann bei seiner Festrede.

Abwärme fürs Aquarena

Mittlerweile umfasst das Grundstück mit dem BMI-Werk in Zapfendorf 107.000 Quadratmeter, aus ursprünglicher Sicht also eine Verdreifachung der Fläche. Hinzu kommt die ehemalige kommunale Kläranlage, die das Unternehmen übernommen hat und aktuell ausbaut – auf eine Kapazität, die für mehr als die Stadt Bamberg ausreichen würde. Neben dem Bio-Trend hat sich die BMI auch auf Produkte aus den Bereichen Halal, Kosher und Super-Kosher eingestellt. Und so kommt es, dass der Exportanteil des Unternehmens bei über 50 Prozent liegt. Zu den Kunden gehören dabei Weltkonzerne wie Nestlé oder Mitsubishi. Neben Zapfendorf betreibt die BMI, die als Genossenschaft organisiert ist, acht weitere Produktionsstandorte mit insgesamt 975 Mitarbeitern. 125 von ihnen arbeiten in Zapfendorf in der Trockenproduktion, weitere 87 in der Frischeproduktion.

Außerdem dem imposanten Industriegebäude hat die BMI in Zapfendorf eine weitere Spur hinterlassen. Über die anfallende Abwärme wird das Freibad Aquarena mit Wärme versorgt – und so kommt es, dass das Zapfendorfer Freibad immer eines der ersten oder sogar das erste in Bayern ist, das die neue Saison einläutet. Damit habe man, so Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Der aktuelle Ausbau des Werks, der Testbetrieb einer Mikrofiltrationsanlage zur Herstellung von Edelmolke und Milchcasein-Konzentrat aus Biomilch und die Optimierung der Lärmschutzmaßnahmen, sichtbar durch eine Lärmschutzwand entlang des Grundstücks, sind auch als Bekenntnis zum Standort Zapfendorf zu verstehen. „Mit Hightech und Hochleistung steht das Werk Zapfendorf für effiziente Forschung und die jahrzehntelange Erfahrung der BMI“, so Hartmann. „Von Zapfendorf aus können wir individuelle Kundenwünsche und höchste Qualitätsanforderungen erfüllen. Die Ansprüche der Kunden sind in den letzten 50 Jahren ständig gestiegen, die Produktpalette ist breiter und margenstärker geworden.“ Zapfendorf könne mit der zunehmenden Technisierung jedoch gut mithalten – auch in Zukunft werde die BMI in den Standort investieren.

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Das Gebäude der BMI am Ortsrand von Zapfendorf.

Im Rahmen der Feierstunde sollte es, so Aufsichtsratsvorsitzender Karl Beck, zwar nicht vornehmlich um die große Politik gehen, eine kleine Rolle spielte die Diskussion um niedrige Milchpreise und Schwierigkeiten beim Export dennoch. Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, bezog klar Position: Die Mengensteuerung bringe niemanden weiter, vor allem deshalb, weil der internationale Markt wachse, vor allem in Asien. Entscheidend sei aber auch, der Bevölkerung die moderne Landwirtschaft näher zu bringen – aktuell sei das Bild in den Medien nicht gerade das Beste.

 

Weitere Fotos vom Festakt in der Abtenberghalle finden Sie in unserer Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

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