Ein brasilianischer Bischof, Zapfendorfer Schüler und ein Staudamm

Veröffentlicht am 25. Februar 2016 von Johannes Michel

Dom Wilmar Santin ist Karmelit und seit 2011 Bischof der Prälatur Itaituba im Bundesstaat Pará, Brasilien. 194.200 Katholiken wohnen hier. Die Menschen beschäftigt dort ein großes Thema: Der Bau von Staudämmen, wodurch ganze Dörfer überflutet werden. Warum der Staudammbau sogar Auswirkungen auf das Wetter im ganzen Land hat, verriet er Schülern bei einem Besuch in Zapfendorf.

Der Bundesstaat Pará (im Norden Brasiliens, im Amazonasgebiet) ist seit Jahren geprägt durch das enorme Spannungsfeld zwischen den durch die brasilianische Regierung vorangetriebenen, groß-industriellen Entwicklungsvorhaben wie Straßenbau, Bergbau, Staudammbauten sowie großflächige Exportlandwirtschaft und der dort lebenden traditionellen Bevölkerung. Dazu kommen illegaler Holzeinschlag, Landspekulation und Fälle von Korruption. Schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann die Militärregierung mit der Erschließung dieser damals noch dicht bewaldeten Region durch Viehzuchtgroßbetriebe und die Ansiedlung von Kleinbauernfamilien. Diese Politik provoziert bis heute blutige Landkonflikte, denen vor allem Landarbeiter(innen) und Gewerkschaftsführer(innen) zum Opfer fallen (in den letzten 20 Jahren über 200 Morde).

Am Rio Tapajós, einem südlichen Zufluss des Amazonas, sollen jetzt sieben Staustufen gebaut werden. Der größte Staudamm wird 53 m hoch und 7608 m lang sein und einen Stausee von 123 km Länge erzeugen. Bedroht davon sind mehrere Gemeinden und das indigene Volk der Munduruku. Eine der Gemeinden ist Pimental, ein Fischerdorf mit etwa 850 Einwohnerinnen und Einwohnern, das in den Fluten des Staudamms unterzugehen droht. Dort wohnt auch Pablo, der Protagonist eines Videos ist, dass sich die Zapfendorfer Schüler anschauen konnten. Wie lebt es sich dort? Was würde passieren, wenn der Damm einmal gebaut wäre?

Brasilianischer Bischof Zapfendorf 2016
Der Bischof (hinten mit grünem Pullover), Äbtissin Mechthild Thürmer aus Kirchschletten und der evangelische Pfarrer Kornelius Holmer (hinten im linken Bereich) mitten unter den Zapfendorfer Schülern.

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Bischof im Rahmen der Fastenaktion in Deutschland zu Gast

Den Widerstand gegen das Staudammprojekt begleitet die CPT (Comissão Pastoral da Terra = Kommission für Landpastoral) Itaituba mit Unterstützung des Bischofs. Seine Prälatur von Itaituba im Bundesstaat Pará ist halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. CPT ist dort die Partnerorganisation von MISEREOR – und nachdem gerade auch in Deutschland die Fastenaktion läuft, ist Bischof Dom Wilmar Santin in Deutschland unterwegs, um auf die Probleme in seinem Land aufmerksam zu machen.

Eine Frage stellte er den Schülern auch: Wie kann es sein, dass der Bau von Staudämmen sich sogar auf das Wetter auswirkt? Wer sich schon mit dem Entstehen von Regen beschäftigt hat, weiß die Antwort: Abholzungen verhindern das Aufsteigen von Wasserdampf, weniger Wolken entstehen. Und so geschieht es, dass es im bevölkerungsreicheren Süden Brasiliens, unter anderem in Sao Paulo, deutlich weniger regnet, da die Regenwolken normalerweise gut gefüllt in diese Richtung ziehen. Das hat Auswirkungen auf die Trinkwasservorräte, die in jedem Jahr im Sommer knapper werden, sogar Rationierungen hat es schon gegeben. Bischof Santin rief die Schüler dazu auf, sich an einer Petition zu beteiligen, die online verfügbar ist. Und dazu, in der Fastenzeit bewusster zu leben und nicht nur an sich selbst, sondern auch an den Nächsten zu denken.

 

Das MISEREOR-Video zur Fastenaktion, dass die Zapfendorfer Schüler zu Gesicht bekamen, können Sie sich auch online anschauen …

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