Fränkisches Musterdorf – ausgeprägtes religiöses Leben

Veröffentlicht am 11. Juli 2014 von Johannes Michel

Sassendorf: Behutsame Weiterentwicklung, fränkisches Musterdorf, aber auch die Gefahr, durch mögliche Neubaugebiete das Ortsbild negativ zu verändern. Kirchschletten: Reiches kulturelles Angebot, starke religiöse Prägung, aber einige Leerstände. Am Donnerstag, 10. Juli, war die Bewertungskommission auf Bezirksebene im Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft. Unser Dorf soll schöner werden“ in zwei Ortsteilen der Gemeinde Zapfendorf zu Gast. Wir waren vor Ort.

„Sassendorf lebt.“ Diesen Slogan trugen die Kinder des Zapfendorfer Ortsteils (270 Einwohner) stolz auf ihren T-Shirts vor sich her. Mit einem Lied empfingen sie die Prüfer der Bewertungskommission. Albin Dippold, einer von zwei Marktgemeinderäten aus Sassendorf, stellte den Ort und seine Geschichte vor. Die Siedlung geht wohl auf eine Gründung Karls des Großen zurück und lag früher an einer bedeutenden Handelsstraße. Das wirtschaftliche Leben war einst von einem mittlerweile stillgelegten Steinbruch geprägt, heute ist die Firma Fensterbau Rauh mit rund 50 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber am Ort und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Dorfwettbewerb Sassendorf 2014
In Sassendorf wurden besonders die privaten Gärten bewundert.

Bekannt ist Sassendorf auch durch das erste Windrad im Landkreis Bamberg, das sich seit 1998 dreht. Aber nicht nur in Sachen Energie stellte Dippold Sassendorf als Musterort vor, er erwähnte auch die schnelle Internetanbindung (DSL 50.000) sowie das Nahversorgungsangebot – mehrmals pro Woche können die Sassendorfer beim mobilen Bäcker, Metzger und Getränkehändler einkaufen. Die ruhige Lage hat in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Familien anzogen, aktuell liegen wieder fünf Anfragen für Neubauten vor. Dazu wäre aber die Ausweisung eines neuen Baugebietes erforderlich. Einen großen Part von Dippolds Vortrag nahm auch das rege Vereinsleben mit aktiver Jugendarbeit ein.

Nach dem Rundgang zogen die Prüfer ein erstes, zum großen Teil positives Fazit: Sassendorf habe sich seit dem letzten Dorfwettbewerb behutsam weiter entwickelt, Kommissionsmitglied Brigitte Sesselmann bezeichnete Sassendorf als „fränkische Musterdorf“ mit sich nach hinten öffnenden Höfen, Nutzgärten und vielen Obstbäumen. Die Ausweisung von Neubaugebieten sah sie aber kritisch und regte an, dann zumindest die verloren gegangenen alten Strukturen wie viel Grün und keine „hochgebockten Häuser“ wiederzubeleben, ein Neubaugebiet also an die gewachsene Dorfstruktur anzupassen.

Rund um die Dorflinde

Nur wenige Minuten nach der Abfahrt aus Sassendorf traf die Kommission in Kirchschletten ein. Siegfried Bauer, Markgemeinderat und Zweiter Bürgermeister, übernahm hier die Begrüßung und gab erste wichtige Details zum Ort weiter. Kirchschletten hat zurzeit 115 Einwohner, darunter 15 Klosterschwestern. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1124. Ortsprägend sind insbesondere die Dorflinde mit vielen sie umgebenden Fachwerkhäusern, die benachbarte Kirche, die ehemalige Dorfschule und natürlich die Abtei Maria Frieden. Das alte Schulhaus wird zurzeit von der Abtei zu einer Jakobuspilgerherberge umgebaut.

Natürlich feiern die Kirchschlettener auch Feste, unter anderem das Maifest, Fronleichnam mit Pfarrfest, Kirchweih und das Lindenfest. Mittelpunkt ist immer der Ortskern rund um die Dorflinde. Organisiert wird viel von den drei Ortsvereinen (Feuerwehr, Obst- und Gartenbauverein, Soldaten- und Kameradschaftsverein). Am Ort gibt es außerdem zwei Vollerwerbslandwirte sowie den Biolandbetrieb der Abtei.

Dorfwettbewerb Kirchschletten 2014
In Kirchschletten stand auch ein Besuch der Abtei auf dem Programm.

Auch in Kirchschletten folgte dann die Begehung – von der Ortsmitte zum Friedhof und abschließend zur Abtei, wo Äbtissin Mechthild Thürmer noch einige weitere Details an die Prüfer weitergab. Diese lobten die wirtschaftliche Entwicklung des kleinen Ortes und das rege religiöse Leben mit einem großen kulturellen Angebot. Einigen war aber das „weltliche Leben“ etwas zu kurz gekommen. Und zu hören war auch: „Ihr solltet ein bisschen häufiger ins Wirtshaus gehen, denn dort zeigt sich großer Sanierungsbedarf.“

 

In unserer ersten Bildergalerie finden Sie die Fotos vom Kommissionsbesuch in Sassendorf (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

 

Und natürlich haben wir auch die Begehung in Kirchschletten für Sie fotografisch festgehalten (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

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