Freibäder: Klotz am Bein oder wichtiger Standortfaktor?

Veröffentlicht am 25. November 2014 von Nadine Rener

Gerade im Herbst und nahenden Winter denken wir doch gerne an den Sommer : tolles Wetter mit viel Sonnenschein und warmen Temperaturen. Und wenn es besonders heiß ist, geht es ab ins Freibad. Bei uns finden wir auch gleich das Aquarena in Zapfendorf und das Freibad Bettelsee in Hallstadt. Wie steht es eigentlich um die Freibäder? Welche Bedeutung haben sie? Und wie verlief die letzte Freibad-Saison?

Das Freibad in Hallstadt wurde 1979 gebaut und 1999/2000 grundsaniert. Im Frühjahr 2014 wurde dann eine neue Heizungsanlage für rund 200.000 Euro installiert. Vorteil: das Schwimmbad kann nun kostenlos die Abwärme von Michelin für das Erwärmen des Dusch- bzw. Beckenwassers nutzen. Schon 1972 wurde das Freibad in Zapfendorf, das Aquarena, eröffnet. Ein paar Jahre zuvor kam die Bayerische Milchindustrie nach Zapfendorf und die Verantwortlichen sahen darin eine gute Voraussetzung für ein Schwimmbad. Denn die Milchindustrie konnte ganz einfach Energie und Warmwasser für das Freibad zur Verfügung stellen. Und das tut sie bis heute. So spart die Gemeinde immerhin rund 100.000 Euro für Energie und warmes Wasser.

Besonders interessant sind für die Besucher natürlich auch die Eintrittspreise. Im Hallstadter Freibad zahlt jeder Erwachsene 3 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 1,50 Euro. Die Saisonkarte kommt auf 65 Euro, für Studenten, Rentner und Sozialhilfeempfänger auf 40 Euro und für Kinder und Schwerbehinderte auf 30 Euro. Familien zahlen 110 Euro, Alleinerziehende mit Kindern nur 60 Euro. In Zapfendorf zahlt jeder Erwachsene 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre beziehungsweise Schüler, Studenten usw. 2,50 Euro und eine Familientageskarte kostet 11 Euro. Es gibt auch eine Saisonkarte für 140 Euro (ermäßigt: 70 Euro) und eine Familienkarte für  230 Euro.

Gutes Wetter sorgte für Hochkonjunktur

Grundsätzlich gehen die Besucherzahlen zurück, betont Judith Eberlein, Mitarbeiterin des Hallstadter Freibads, was auch die Zahlen deutlich zeigen. Während 2008 noch 94.000 Besucher zu verzeichnen waren, sind es 2014 25.000 weniger. Und auch die letzten Jahre bestätigen diesen Abwärtstrend.

Auch Zapfendorf sieht sich mit deutlich niedrigeren Besucherzahlen konfrontiert und musste diese Saison ein Rekordtief verbuchen. Interessant ist, dass die Zahlen von 114.000 Besuchern im Jahr 2010 bis 136.000 im Jahr 2013 stiegen. 2014 kam aber dann der Einbruch mit rund 30.000 Besuchern weniger.

Besucherzahlen Freibäder Hallstadt Zapfendorf 2014
In Zapfendorf und Hallstadt brachte das Jahr 2014 deutlich weniger Besucher.

Besonders beeinflusst wird die Saison für Freibäder natürlich durch das Wetter. Wer hat schon Lust bei grauem Himmel und gerade einmal 20 Grad ins Freibad zu gehen? 2014 war in dieser Hinsicht ein schwieriges Jahr, denn das Wetter war alles andere als perfekt. Ein durchwachsener Sommer lockt wenige Besucher ins Schwimmbad. Doch kaum steigen die Temperaturen, kommen auch wieder die Gäste. Das zeigte das Pfingstwochenende 2014. Bei brennender Sonne und über 30 Grad kamen die Besucher in Scharen um sich abzukühlen. Eine Zahl hier am Rande: In Hallstadt wurden allein an diesem Wochenende rund 700 Kilogramm Pommes verkauft. Und auch in Zapfendorf sorgte dieses sonnige Pfingstwochenende im Freibad für absolute Hochkonjunktur. Innerhalb dieser drei Tage kam das Aquarena auf knapp ein Viertel der Gesamteinnahmen der gesamten vergangenen Saison, so Sachbearbeiter Dominik Stöhr.

Freibäder und ihre Finanzierung

Die Finanzierung der Freibäder ist eine schwierige Aufgabe für die Gemeinden, denn die Wartung ist eine kostspielige Angelegenheit, dazu kommen noch die laufenden Kosten für Wasser und Strom. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht, da Schwimmbäder freiwillige Leistungen der Gemeinden sind und damit nicht gefördert werden. Dementsprechend rechnen sich Freibäder für die Gemeinden eigentlich nicht.

Das Aquarena hinterließ der Zapfendorfer Gemeinde im Jahr 2014 ohne Abschreibung ein Defizit von 250.000 Euro, mit Abschreibung waren es rund 400.000 Euro. Und auch in Hallstadt decken sich Einnahmen und Ausgaben für das Freibad nicht. 2012 nahm die Stadt 220.000 Euro durch das Freibad ein, die Ausgaben betrugen aber rund 1.100.000 Euro. Das ergibt ein Defizit von 880.000 Euro in der Kasse der Stadt. Der Ansatz für die Jahre 2013 und 2014 ergibt ähnliches: das Freibad wird die Stadt im Schnitt ungefähr 850.000 Euro kosten.

Rein rechnerisch sind Freibäder also nicht wirklich rentabel und mit sinkenden Besucherzahlen werden die finanziellen Lücken immer größer. Trotzdem werden sie nicht aufgegeben. Sie zählen zu den Faktoren, die einen Standpunkt attraktiv machen und so freuen wir uns ja auch im Sommer über ein Freibad in der Nähe. Die finanziellen Differenzen sind für eine Gemeinde mit mehr finanziellen Ressourcen natürlich einfacher zu stemmen und damit gibt es auch mehr Spielräume wie zum Beispiel bei den Eintrittspreisen.

Aber wie geht es unter diesen Bedingungen mit den Freibädern weiter? Der Hallstadter Kämmerer Markus Pflaum ist sich sicher, dass die Zahlen in den nächsten Jahren stabil bleiben werden. Für das Freibad sind auch weitere Umbauten und Verbesserungen geplant, wie zum Beispiel die Erneuerung des Umkleidebereichs.Es wird also investiert. Aber auch neue Angebote wie Aqua-Fitness sollen wieder mehr Besucher in das Schwimmbad locken.

Die Zapfendorfer Gemeinde schmerzen die Defizite und die Ausgaben für das Freibad deutlicher, somit sollen sie reduziert werden.  Dennoch sind immer wieder Investitionen notwendig. Aber Bürgermeister Matthias Schneiderbanger sieht der Zukunft des Aquarenas zuversichtlich entgegen. Geschlossen werden soll es nicht. Es wäre auch schade, da die Technik des Schwimmbades in gutem Zustand sei, so der Bürgermeister. Stattdessen sollen alle Möglichkeiten ausgelotet werden, um in einem überschaubaren Rahmen zu bleiben. Das umfasst unter anderem eine Verbesserung des Marketings. Grundsätzlich sollen neue Wege gegangen werden, um die Attraktivität zu erhöhen und die Kosten einzudämmen, so dass das Freibad „für die Zapfendorfer, aber auch das Umland“ immer wieder im Sommer geöffnet werden kann.

Trotz einer durchwachsenen Ausgangslage sieht es zukünftig für die Freibäder in Hallstadt und Zapfendorf somit nicht schlecht aus. Und immerhin bedeutet die nächste Saison ja auch eine neue Chance. Und dann gibt es hoffentlich auch wieder besseres Wetter.

Tipp für weiterführende Infos: Viele Informationen zur Situation in Sachen Freibäder enthält auch unser Videointerview mit Zapfendorfs Altbürgermeister Josef Martin, das Sie sich im Artikel Josef Martin: 36 Jahre lang Organisator des Unternehmens Gemeinde anschauen können.

 

Impressionen aus dem Aquarena in Zapfendorf und dem Freibad in Hallstadt finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

Nadine Rener, Fotos: Johannes Michel

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