Gemeinderäte entscheiden sich für Minimallösung – Bahn weiter stur

Veröffentlicht am 9. Dezember 2011 von Johannes Michel

„Im Vergleich zu den Ursprungsplänen der Bahn ist die Lösung mit Schieberampen eine deutliche Verbesserung“, sagte Zapfendorfs Bürgermeister Josef Martin bei der Gemeinderatsitzung am vergangenen Donnerstag. Dennoch wird es Behinderten, älteren Menschen und Eltern mit Kinderwägen schwer fallen, in Zapfendorf in den Zug zu steigen. Denn der Eingang zur Bahnunterführung am Bahnhof bekommt zwar Schieberampen, der Aufgang zum Bahnsteig muss aber mit einer Treppe auskommen. „Die  Bahn ist nicht gewillt, hier Verbesserungen durchzusetzen“, so Martin.

Die Empörung im Zapfendorfer Marktgemeinderat war groß, als Bürgermeister Martin einen Brief der Deutschen Bahn verlas. Die Gemeinde hatte das Unternehmen aufgefordert, Stellung zu nehmen, warum Zapfendorf im Rahmen des Streckenausbaus keinen barrierefreien Bahnzugang erhalten soll. Die Begründung liest sich wie eine Standardantwort: Laut Gesetz müsse lediglich innerhalb von 30 Kilometern ein behindertengerechter Zugang verfügbar sein, so lange die Fahrgastzahl nicht über 1.000 Passagieren pro Tag liege. Zapfendorf kommt momentan im Schnitt auf etwa 500. Aus diesem Grund sieht die Bahn Treppen in die zu bauende Unterführung vor – und auch der Aufgang zum Bahnsteig soll lediglich mit Treppen ausgeführt werden. Als Nachrüstlösung sind Aufzüge möglich, falls die Zahl der Fahrgäste zunimmt oder falls sich die Gesetze ändern.

Einig waren sich die Gemeinderäte, dass Zapfendorf nicht für Versäumnisse der Bahn aufkommen könne. Die finanzielle Belastung sei zu groß. Würde zum Bahnsteig eine Treppe mit Schieberampe oder gar eine barrierefreie Lösung gebaut, würde das die gesamten Planungen der Eisenbahnstrecke und auch den Platzbedarf erhöhen. „Für diese Kosten müsste dann die Gemeinde aufkommen“, erklärte Martin. Daher verwarf der Gemeinderat hier die Alternativen – in die Planungen sollen nun lediglich Schieberampen am Tunnel-Eingang und -Ausgang (Richtung Mainstraße) aufgenommen werden, der Bahnsteigzugang muss mit Treppen auskommen. In den vergangenen Sitzungen waren noch behindertengerechte Lösungen mit Neigungen von sechs oder sieben Prozent sowie die so genannte „Schweizer Rampe“ mit zehn Prozent erörtert worden.


So könnte es einmal am Zapfendorfer Bahnhof aussehen… (zum Vergrößern anklicken)
1 = Aufzugsschächte (nachrüstbar)
2 = Treppenabgang mit Schieberampe
3 = Treppenaufgang zum Bahnsteig, keine Rampe
4 = Tunneldurchgang zum Gewerbegebiet mit Treppe und Schieberampe
5 = Bahnsteig Richtung Lichtenfels
6 = Bahnsteig Richtung Bamberg
7 = neue Gleise und Behelfsbahnsteige in der Bauzeit (oben Richtung BA, unten Richtung LIF)

Ortsmitte: Unterführung nahe dem bisherigen Bahnübergang

Schnell gefällt war die Entscheidung über die Zapfendorfer Wünsche in der Ortsmitte am bisherigen Bahnübergang. Schon in der Sitzung vom 24. November hatte sich abgezeichnet, dass eine Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung im bisherigen Verlauf des Aspachs die beste Lösung wäre. Darauf einigten sich die Gemeinderäte einstimmig – es entstehen durch die Verlegung des Bachs und den Bau der Unterführung Kosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro, welche die Gemeinde allerdings nicht alleine tragen muss.

Die Bahn lehnt bisher allerdings ab, diese Unterführung in die Planungen mit aufzunehmen. Sie sieht vielmehr eine Querung im Zusammenhang mit einer Überführung für den Straßenverkehr im Bereich des Sportheims des SV Zapfendorf vor (weitere Infos zu diesem Thema finden Sie in folgenden Artikeln: Gemeinderat Zapfendorf, 24. November 2011 und Sind Weiden wertvoller als Menschen?). Aus diesem Grund ist es denkbar, dass sich eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht vermeiden lässt.

Freibad Aquarena feiert 2012 sein 40-Jähriges

Zum Jubiläum des Schwimmbads soll Mitte Juli, angedachter Termin ist der 21. Juli, eine Feier in stattfinden. Zielgruppe sollen vor allem Familien sein. Die verschiedenen Vorschläge werden in Kürze im Badausschuss diskutiert. Möglich sind ein Tag der offenen Tür, verbilligte Eintrittspreise sowie ein Familientag mit abschließendem Unterhaltungsabend.

Johannes Michel; Grafik: Deutsche Bahn/Gemeinde Zapfendorf


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