Hans-Jürgen Einwag: Guten Weg der Vergangenheit auch künftig einschlagen

Veröffentlicht am 19. Februar 2014 von Johannes Michel

Nach 36 Jahren im Amt bewirbt sich Josef Martin bei der Kommunalwahl im März nicht mehr als Bürgermeister in Zapfendorf. Während er seit 1990 sowohl für die CSU als auch das „Vereinten Umland“ antrat, nominierten die Gruppierungen diesmal keinen gemeinsamen Kandidaten. Hans-Jürgen Einwag ist Kandidat des „Vereinten Umlands“ – und er spricht im Interview mit Nachrichten am Ort über die Erfolge aus der Vergangenheit und die wichtigen Aufgaben der Zukunft.

Nachrichten am Ort: Herr Einwag, 36 Jahre lang war Josef Martin Bürgermeister in Zapfendorf. Wann war für Sie klar: Dieses Erbe möchte ich antreten?

Hans-Jürgen Einwag: Zapfendorf ist meine Heimat und an dieser hängt mein Herz. Durch meine langjährige Tätigkeit in der Gemeindeverwaltung und meine Ehrenämter habe ich viel Erfahrung und Wissen in allen möglichen Bereichen der Gemeinde sammeln können und stehe ständig in Kontakt zu vielen Bürgern jeden Alters und verschiedenster Interessen. Das Bürgermeisteramt bringt, so wie ich in den vergangenen Jahrzehnten feststellen konnte, viele interessante und abwechslungsreiche Aufgaben mit sich. Man kann eine Menge gestalten und den Bürgern in allen möglichen Lebenssituationen helfen. Ich glaube, dass man in keinem anderen Beruf mehr für seine Heimat tun kann. Der Gedanke, mich als Bürgermeister zu bewerben, beschäftigt mich persönlich schon seit längerem. Bestätigt wurde ich in meinen Überlegungen, als ich in der Vergangenheit des Öfteren darauf angesprochen wurde, ein geeigneter Nachfolger für Josef Martin zu sein. Als ich in von verschiedenen Personen der Wählerlisten der Gemeindeteile des Umlandes gefragt wurde, ob ich für ihre Liste als Bürgermeister kandidieren möchte, war für mich klar, mich für das Amt zu bewerben.

Warum haben sich Vereintes Umland und CSU nicht wieder auf einem gemeinsamen Bürgermeister geeinigt? Schließlich hat das in den vergangenen Jahren immer gut funktioniert und stand für eine stabile Mehrheit…

Ich weiß nicht, ob ich für die Beantwortung dieser Frage der richtige Ansprechpartner bin. Ich kann nur folgendes zu den Vorgängen in der vergangenen Zeit feststellen: Josef Martin wurde als Kandidat der Wählerliste des „Vereinten Umlandes“ 1978 zum Bürgermeister von Zapfendorf gewählt. Die CSU hatte damals einen anderen Kandidaten aufgestellt. Erst seit 1990 trat er als gemeinsamer Kandidat für die Wählerliste „VU“ und die CSU an. Wie 1978 gibt es auch zur Kommunalwahl 2014 in den einzelnen Parteien und Wählerlisten unterschiedliche Auffassungen über den Nachfolger für einen ausscheidenden, langjährigen Bürgermeister. So standen bei den Nominierungsversammlungen der CSU beziehungsweise der fünf Wählerlisten der Umlandortschaften jeweils drei Bewerber für das Amt bereit. Dies ist in einer Demokratie sehr gut und wichtig. Der Wähler hat somit eine größere Auswahl an Bewerbern und kann sich für seinen Favoriten entscheiden. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den über 300 Wahlberechtigten, die bei meiner Nominierungsversammlung anwesend waren, für ihr Interesse an der Gemeindepolitik bedanken.
Sollte sich die Mehrheit der Einwohner für mich als künftigen Zapfendorfer Bürgermeister entscheiden, werde ich mein Ziel, eine sachorientierte, parteipolitisch unabhängige Arbeit zum Wohle der Gemeinde und damit der gesamten Bevölkerung nachhaltig verfolgen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine sachliche und kollegiale Zusammenarbeit mit entsprechend harmonischer Atmosphäre in den Gremien das Beste für die Gemeinde ist. Es sollte versucht werden, im Rahmen einer aktiven, kritischen und vorausschauenden Zusammenarbeit, bei der es natürlich auch unterschiedliche Meinungen gibt, sinnvolle und begründbare Entscheidungen zu finden, die gegenüber der Bürgerschaft belegbar und darstellbar sowie für die Entwicklung des Marktes wichtig und wegweisend sind.

Zapfendorf Hans-Jürgen Einwag 1200
Hans-Jürgen Einwag

Haben Sie schon Erfahrungen auf kommunalpolitischer Ebene oder in einem anderen Gremium?

In über 32 Jahren beruflicher Tätigkeit in der Kommunalverwaltung auf Kreis- und Gemeindeebene erhält man genug Einblick in die politischen Gegebenheiten. Annähernd 25 Jahre bin ich nun als Protokollführer in fast allen Marktgemeinderats- und Bauausschusssitzungen. In verschiedenen Vereinen und Organisationen begleitete ich in den letzten Jahrzehnten Ehrenämter, angefangen schon in jungen Jahren als Schriftführer beim Musikverein. Nachdem ich mich mehr dem Sport gewidmet habe, übernahm ich dort Verantwortung. Seit über zehn Jahren bin ich Trainer und Betreuer von Kindern und Jugendlichen des gesamten Gemeindegebietes beim SV Zapfendorf, davon jetzt schon über acht Jahre als Gesamtfußballjugendleiter. In dieser Funktion bin ich auch im Vereinsausschuss, der die wesentliche Richtung des Vereins vorgibt.

Auf welche aktuellen Themen werden Sie in Zapfendorf zurzeit am meisten angesprochen und können Sie daraus entnehmen, wo den Bürgern „der Schuh drückt“?

Bei vielen Bürgern in den Ortschaften Zapfendorf und Unterleiterbach ist eines der wichtigsten Themen der bevorstehende Ausbau der Eisenbahnstrecke mit den begleitenden Straßenbaumaßnahmen. Neben den finanziellen Auswirkungen kommt oft die Frage zu den Belastungen während der Bauzeit auf. Ein weiteres, zurzeit mehr die Bewohner der Umlandortschaften betreffendes, Thema ist die erst vor kurzem erlassene Straßenausbaubeitragssatzung.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Marktgemeinde in den kommenden Jahren?

Der Ausbau der Bahnstecke wird uns sicher die nächsten fünf bis zehn Jahre als zentrales Thema begleiten. Hier gilt es für die Einwohner hinsichtlich der Immissionen den größtmöglichen Schutz zu erzielen. Genauso wichtig ist es, die Belastungen während der Bauzeit möglichst erträglich zu halten. Da die neu zu schaffenden Bahnübergänge für die nächsten mindestens hundert Jahre Bestand haben werden, ist der eingeschlagene Weg des Gemeinderates konsequent weiterzuführen. Ein weiterer wichtiger Punkt wird die Instandhaltung der Infrastruktur und gemeindlichen Einrichtungen sein. Hier gilt es auch, das Vorhandene und Bewährte zu erhalten und bei Bedarf neuen Gegebenheiten anzupassen.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen von Zapfendorf?

Eine Stärke Zapfendorfs ist die verkehrsgünstige Lage zwischen Bamberg/Erlangen/Nürnberg und Lichtenfels/Coburg. Zusammen mit anderen Standortbedingungen, der Vielfältigkeit im sportlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich und der guten sozialen Infrastruktur in einer wunderschönen Landschaft ist dies für viele entscheidend, sich für die Gemeinde als Wohn- oder Geschäftsstandort zu entscheiden. Die Ortsdurchfahrt in Zapfendorf entspricht aber nicht mehr den Anforderungen eines attraktiven Lebensumfeldes, was als Schwäche gesehen werden kann. Der Vollzug des hier gegebenen Handlungsbedarfs wird aber schon seit Jahren durch die Ausbauplanungen der Deutschen Bahn verzögert. Erst wenn die geplante Westtangente gebaut ist, kann eine Umgestaltung stattfinden. Mit dem Bau der Westtangente werden auch wieder neue Gewerbeflächen erschlossen, die derzeit gegenüber angrenzenden Gemeinden fehlen. Im laufenden Städtebauentwicklungsverfahren werden die Stärken und Schwächen untersucht. Das Konzept zeigt, wo in den nächsten Jahren Verbesserungen erzielt werden sollten.

Ein beherrschendes Thema gab es in den vergangenen Jahren: die Bahn. Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

Durch die gute Zusammenarbeit des Bürgermeisters, des Marktgemeinderates und der Gemeindeverwaltung mit der Deutsche Bahn bei der Planung der Ausbaustrecke in den letzten nun schon über zwei Jahrzehnten wurden für das Gemeindegebiet sehr gute Lösungen sowohl für die Bahnübergangsersatzmaßnahmen als auch für die kommunalen Ver- und Entsorgungseinrichtungen gefunden, um die uns die Nachbargemeinden zum Teil beneiden. So sind in Zapfendorf neben einer Unter- und einer Überführung für den Kfz-Verkehr auch drei Unterführungen für die Fußgänger und Radfahrer geplant, so dass kurze Verbindungen zwischen den östlich und westlich der Bahnstrecke liegenden Bereichen gewährleistet sind. Nun gilt es, die notwendigen Kreuzungsvereinbarungen noch abzuschließen. Sollte dies nicht mehr vom jetzigen Marktgemeinderat erledigt werden können, werde ich meine Erfahrungen und Kontakte einsetzen, damit die bisherigen Planungen, die im Gremium immer einstimmig getroffen wurden, umgesetzt werden. Im noch laufenden Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Zapfendorf Nord bis Hallstadt gilt es, die im Anhörungsverfahren vom Marktgemeinderat erhobenen Einwände und Forderungen weiter mit Nachdruck zu verfolgen. Die wichtigsten Punkte sind dabei der Lärmschutz für die Bevölkerung sowohl während der Bauzeit als auch für die Zeit danach und die Schaffung eines behindertengerechten Bahnsteigzuganges, der es auch körperlich eingeschränkten Personen und Familien mit Kleinkindern ermöglicht, das öffentliche Verkehrsnetz zu nutzen.

Auf drei Bevölkerungsgruppen richtete sich zurzeit verstärkt der Blick: Kinder, Familien und Senioren. Wie sehen Sie Zapfendorf in diesen Bereichen aufgestellt? Was gibt es noch zu tun und welche Ideen bringen Sie hier mit?

Zapfendorf bietet mit den vorhandenen Kinderkrippen, Kindergärten, der Grund- und Mittelschule mit Ganztagesbetreuung und dem Seniorenheim die grundlegenden Einrichtungen, die für Familien und Senioren in einer Gemeinde vorhanden sein sollten. Darüber hinaus stehen bei uns mit dem Warmwasserfreibad „Aquarena“ und der gemeindlichen Bücherei weitere Einrichtungen gerade diesen drei Bevölkerungsgruppen zur Verfügung, was für eine Kommune dieser Größe nicht selbstverständlich ist. Die Vereine und kirchlichen Einrichtungen bieten durch ihr vielfältiges Angebot sowohl etwas für die jüngere als auch die ältere Generation. Dieses ehrenamtliche Engagement gilt es noch auszubauen und entsprechend zu würdigen. Ich möchte die Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen, sich durch freiwillige Mithilfe noch mehr in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Eine Gemeinschaft macht das Leben erst lebenswert. Diesen großen Pluspunkt unseres ländlichen Raumes gegenüber anonymen Städten sollten wir herausheben. So kann ich mir eine zentrale Stelle, etwa im Rathaus, vorstellen, wo sich alle melden können, die helfen möchten oder die Hilfe benötigen. Hinsichtlich der vielen kleinen Kinderspielplätze sollte, wie es bereits in der Städtebauplanung angestoßen, die Schaffung eines großen Spielplatzes angestrebt werden. Hier kann ich mir einen Platz vorstellen, an dem für alle Generationen Einrichtungen vorhanden sind. Ein solcher Treffpunkt würde die Gemeinschaft zwischen älterer und jüngerer Bevölkerung stärken.

Ganz konkret: Warum sollten die Bürger Ihnen ihre Stimme geben?

Der Markt Zapfendorf braucht zur Bewältigung der in den nächsten Jahren anstehenden großen Aufgaben jemanden, der mit Herz, Erfahrung und Kompetenz seine Heimat vertritt. Da ich diese drei Punkte erfülle und verspreche, sie mit all meiner Kraft zum Wohle der Gemeinde einzusetzen, würde der Markt Zapfendorf den guten Weg der Vergangenheit auch in Zukunft weitergehen.

Eine persönliche Frage noch zum Schluss: Was gefällt Ihnen an Zapfendorf besonders? Haben Sie einen Lieblingsplatz?

An Zapfendorf gefallen mir die Vielfalt der Freizeitmöglichkeiten, die nahezu vollständige Rundumversorgung in allen möglichen Bereichen des Alltags und die gute Verkehrsanbindung. Man kann hier sehr gut leben, was der Zuzug von Familien bestätigt. Ich bin häufig im Gemeindegebiet, das viele schöne Plätze hat, unterwegs. So nutze ich in der Mittagspause oft die Mainauen zur Entspannung. Besonders gerne laufe ich auf dem Höhenrücken von Sassendorf spazieren. Der Ausblick, angefangen im Nordwesten von den Hassbergen und dem Grabfeldgau über den Thüringer Wald und Frankenwald im Norden, die fränkische Alb im Osten, das Regnitztal im Süden und den Steigerwald im Südwesten ist einmalig. Man kann dort Ruhe finden, Kraft tanken und mit dem vorhandenen Weitblick neue Ideen entwickeln.

 

Einwag Hans-Jürgen, 48 Jahre alt, ist Vater von zwei Söhnen und seit Geburt in der Marktgemeinde Zapfendorf wohnhaft. Er arbeitet seit 1989 als Verwaltungsfachwirt und stellvertretender Geschäftsleiter in der Gemeindeverwaltung des Marktes Zapfendorf. Ehrenamtlich ist er engagiert beim SV Zapfendorf als Gesamtfußballjugendleiter, als Hilfsschöffe am Jugendgericht des Landesgerichts Bamberg, als Schriftführer bei der Jagdgenossenschaft Sassendorf und als Feldgeschworener. In der verbleibenden Freizeit genießt er gerne mit dem Fahrrad oder zu Fuß die Landschaft am Obermain. Einkehren in eine der vielen kleinen, noch urtümlichen Gastwirtschaften und Biergärten gehört für ihn selbstverständlich dazu.

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  1. Werner Porzner 25. Februar 2014 at 08:49 - Antworten

    Sehr geehrter Herr Einwag, lieber Hans-Jürgen,

    auch als CSU-Ortsvorsitzender bin ich Bürger dieser Gemeinde und bitte folgenden Kommentar in letzterer Eigenschaft zu verstehen:
    Ich hätte mir von einem 48-jährigen Bewerber um das höchste Amt im Markt eine etwas größere berufliche Lebensleistung erwartet, als 25 Jahre (!) in der selben Verwaltung ohne erkennbaren Karrieresprung nach oben tätig gewesen zu sein. Ging nicht? Warum hast Du dann nicht bereits vor 18, 12 oder 6 Jahren kandidiert oder in einer anderen Kommune höhere Herausforderungen gesucht, wie Du sie nun plötzlich anstrebst? Damit fällt der angestrebte Beförderungssprung von A11 auf vermutlich A16 etwas krass aus, wobei ich nicht behaupten will, dass Letzteres den Belastungen eines Bürgermeisters nicht angemessen wäre.
    Schöne Grüße und Alles Gute
    Werner Porzner

    • Hans-Jürgen Einwag 2. März 2014 at 17:39 - Antworten

      Lieber Werner Porzner,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und die ehrliche Meinungsäußerung!

      Die Entscheidung zur Kandidatur um das Amt des Bürgermeisters sollte kein Bewerber über Nacht fällen und schon gar nicht der Karriere oder gar des Geldes wegen. Das „höchste Amt im Markt“ bringt schließlich eine hohe Verantwortung mit sich. Es setzt sowohl berufliche Reife als auch ein hohes Maß an Sachkenntnis in der Verwaltung voraus. Gestalten kann ein Bürgermeister seinen Ort dann vor allem mit dieser Kombination.

      Wie Du bereits richtig schreibst, arbeite ich nun bereits 25 Jahre beim Markt Zapfendorf. In dieser Zeit bin ich genauso wie schon zuvor beim Landratsamt Bamberg nicht nur beruflich gereift, sondern konnte mir auch genügend Sachkenntnis aneignen, um mich der herausfordernden Aufgabe des Bürgermeisters zu stellen. Ich kann Dir versichern, dass ich mich ohne jegliches fachliche Grundwissen oder gar ohne jegliche berufliche Reife gar nicht erst für das Amt als Bürgermeister beworben hätte. Kein Grund zur Sorge also!

      Ich werde mich für Zapfendorf einsetzen können: Mit Herz, Erfahrung und Kompetenz eben!

      Einen schönen Abend wünscht Dir
      Hans-Jürgen Einwag

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