Klaus Lachmann: Bürgerbeteiligung, Finanzen, Ökologie

Veröffentlicht am 18. Juni 2015 von Johannes Michel

Am 28. Juni 2015 wählen die Zapfendorfer einen neuen Bürgermeister. Vier Kandidaten stellen sich zur Wahl – und wir von Nachrichten am Ort haben mit allen Interviews geführt. Die Veröffentlichung erfolgt chronologisch nach der Nominierung. Heute: Klaus Lachmann, seit dem 3. Mai Kandidat der Zapfendorfer Gemeinschaft, einem Zusammenschluss aus Vereintem Umland und SPD. Wie sieht er die Zukunft der Marktgemeinde, mit ICE-Baustelle, Städtebau und das Thema Transparenz?

Nachrichten am Ort: Herr Lachmann, einmal 36 Jahre, einmal zehn Monate. Das sind die Amtszeiten der beiden letzten Zapfendorfer Bürgermeister. Nachdem Matthias Schneiderbanger der Untreue angeklagt wurde: Was ist Ihrer Meinung nach das aktuell Wichtigste für Zapfendorf?

Klaus Lachmann: Das Wichtigste für den Markt Zapfendorf ist: Die Lebensqualität erhalten und ausbauen. Matthias Schneiderbanger hat persönlich einen Fehler gemacht und diesen auch eingestanden. Das ist juristisch geklärt worden und für mich kein Thema mehr – zumal man dann immer gleich alles vergisst: Was davor war und was danach kommt. Daraus jetzt das aktuell Wichtigste für Zapfendorf abzuleiten, ist für mich nicht möglich – zumal alle Parteien und Gruppierungen weiterhin im Sinne von Zapfendorf an einem Strang und in die gleiche Richtung gezogen haben. Das Wichtigste ist doch, dass die Potentiale dieser 1.111 Jahre alten Kommune ausgeschöpft und gestaltet werden. Da gibt es genug zu tun. Und dann können wir doch dieses besondere Jubiläum – 1.111 Jahre – kräftig feiern.

Sie sind kein Zapfendorfer und hatten mit der Gemeinde bislang nichts zu tun. Warum haben Sie sich entschieden, sich zur Wahl zu stellen?

Ich habe viele Verbindungen, Freunde und Wegbegleiter in Zapfendorf sowie der Region und aus diesem Grund bewerbe ich mich genau hier, wo ich Gegend und Menschen kenne und schätze. Ich habe mich noch nie für das Amt des (Ober-)Bürgermeisters oder ähnlichen Position in einer anderen Kommune interessiert oder gar beworben. Nur kurz angemerkt: Es gibt zahlreiche Beispiele in der Region, wo Zugezogene zum Bürgermeister gewählt wurden. Bürgermeister ist dabei keine Herausforderung, welche man von Montag bis Freitag erledigt: Abendveranstaltungen, Feste am Wochenende, Verhandlungen am frühen Morgen, … Da heißt es: vor Ort sein. Ich bin bereit! Ich traue mir dieses Amt aufgrund meiner politischen Kenntnisse, meines Ehrenamtes, meiner Ortsbindung und beruflichen Tätigkeit zu – schließlich ist die Herkunft nicht Maßstab für gute Arbeit im Rathaus. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Ortskenntnisse wichtig sind. Ein Bürgermeister sollte aber auch einen freien Geist, Erfahrung sowie Kompetenz haben und nicht von Lobbyisten / Parteien abhängig sein. Es gibt keine roten, grünen oder schwarzen Straßen, sondern nur Straßen für die Bürgerschaft. Ich kann hier unvoreingenommen und ohne parteipolitische Verpflichtungen handeln.

Nominierung Zapfendorfer Gemeinschaft 2015 (3)
Klaus Lachmann (2. von rechts) bei der Nominierungsversammlung mit 2. Bürgermeister Siegfried Bauer (links), Harald Hümmer und Dagmar Raab.

Haben Sie schon Erfahrungen auf kommunalpolitischer Ebene oder in einem anderen Gremium?

Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit habe ich viel mit Gremienarbeit und kommunalen Behörden (vor allem Bauämtern) zu tun. Außerdem habe ich in meiner Funktion als Vorsitzender des Schwimmverein Bamberg mit über 5.300 Mitgliedern seit 2005 viel Erfahrung sammeln dürfen: Im Verein und weit darüber hinaus.

Aktuell ist viel von Transparenz die Rede. Was sagen Sie dazu, dass sich scheinbar nur wenige Bürger für die Gemeindepolitik interessieren, dass Gemeinderatssitzungen oft nicht einmal von einer Handvoll Zuhörern besucht werden? Was bringt Transparenz dann überhaupt?

Transparent sind und waren die Gemeinderatssitzungen immer – auch das Rathaus. Darum geht es mir nicht. Aus diesem Grund heißt es bei mir Transparenz und Offenheit. Ich will die Bürger wirklich mitnehmen und beteiligen. Ich will Menschen dort abholen, wo sie sind – mit ihren Blickwinkeln und Ideen. Punkte sind dabei: Bürgerversammlungen in allen Ortsteilen, Bürgersprechstunde, Gartenzaun-Gespräche, Offenlegung meines Gehaltes, Bürgerhaushalt: Diskussion über Ausgaben in einer Bürgerversammlung, Gründung von Foren: Gewerbe, Vereine, …

Anfang 2016 startet mit der Vollsperrung der Bahnstrecke die heiße Phase des ICE‐Ausbaus. Was ist Ihre Meinung zum bisher Erreichten und was bleibt noch zu tun?

Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich in den Prozess eingebracht und die Bahn ist wirklich kein leichter Partner, teilweise unnahbar und vermessen. Dafür wurde vieles erreicht. Jetzt gilt es, die Umsetzungsphase und die Zukunft zu gestalten. Wir müssen gemeinsam ein Verkehrs- und Lärmchaos während der Bauphase 2016 verhindern: Behelfsausfahrt A70 / BA1, 24-Stunden Bürgertelefon, Beschilderung der Umleitungen, Lärmschutz, Schienenersatzverkehr: Busparkplätze, Routen, … Und natürlich müssen wir uns auch noch über das Gelände des SV Zapfendorf 1920 e.V. und einzelner Eigentümer  unterhalten.

Seit 2012 wurde in Zapfendorf ein Städtebauliches Entwicklungskonzept (SEK) erstellt. Was ist Ihr Fazit daraus und was sollte die Gemeinde schnellstmöglich umsetzen?

Das Städtebauliche Entwicklungskonzept ist mit viel bürgerschaftlichen Engagement auf die Beine gestellt worden. Jedoch werden wir nicht alles auf einmal umsetzen können, teilweise sind die Ergebnisse der 149 Seiten der Bürgerschaft nicht bekannt. Schnellstmöglichst umsetzen sollte die Gemeinde daraus die stärkere Bürgerbeteiligung, das Themenfeld Ortskern: Bamberger Straße und Hauptstraße und das Themenfeld Klima und Energie sowie Infrastruktur: Gemeindezentrum und Versorgung. Dabei dürfen die Punkte Naherholung, Tourismus und die Ortsteile nicht vergessen. Wie heißt es schön: Wir haben Perlen, welche wir gestalten müssen.

Wenn Sie, neben dem ICE und dem Städtebau, noch drei andere Themen nennen müssten, auf die es in den kommenden Jahren ankommt – was wären diese?

Bürgerbeteiligung, Finanzen, Ökologie.

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Die Fraktion des Vereinten Umlands, das Sie über die Zapfendorfer Gemeinschaft zusammen mit der SPD unterstützt, ist die größte Fraktion im Gemeinderat. Könnten Sie daher „durchregieren“?

Nein. Aus gutem Grund hat der Gesetzgeber in Bayern ausdrücklich auf das Instrument der Opposition in Kommunalparlamenten verzichtet. Ich bin unvoreingenommen und an keine Partei oder Gruppierung gebunden. Das Motto wird also lauten: Miteinander statt Gegeneinander. Die Aufgabe der Gruppierungen und Parteien ist es, nicht zu blockieren, sondern positive Impulse zu setzen. Somit entsteht ein reiner Wettstreit der Macher und Gestalter. Dabei gibt es einen Gewinner: Die Bürgerschaft. Diesen Wettbewerb werde ich nicht nur einfordern, sondern auch praktizieren und unterstützen. Gerne besuche ich die Veranstaltungen und Sitzungen aller Parteien und Gruppierungen.

Ganz konkret – in einem Satz: Warum sollten die Bürger Ihnen ihre Stimme geben?

„Jede Stimme zählt und 100% Zapfendorf“ heißt es bei mir nicht nur am Wahltag, sondern 365 Tage im Jahr und mit Ihrem Einsatz sowie meinen Fähigkeiten geht der Markt Zapfendorf vorwärts.

Eine persönliche Frage noch zum Schluss: Was gefällt Ihnen an Zapfendorf besonders? Haben Sie einen „Lieblingsplatz“?

Besonders gefällt mir die Offenheit und der Einsatz der Zapfendorferinnen und Zapfendorfer. Kurz die Menschen die hier wohnen, arbeiten und leben. Sie gehen auf Menschen zu und begeistern – ich durfte das in den letzten Monaten selbst erfahren. Plätze gibt es viele schöne zum Verweilen und Treffen. Aber ganz ehrlich: Ich bin Schwimmer und deshalb das 50-Meter-Becken im Aquarena. Dort arbeitet eine tolle Mannschaft, man trifft Jung wie Alt und viele bringen sich auch ehrenamtlich ein. Sicher wird man aber Akzente setzen müssen, um das Freibad noch attraktiver und wirtschaftlicher zu machen.

 

Klaus Lachmann, 56 Jahre, ist in der Region Bamberg aufgewachsen: Domschule Bamberg, Realschule Bamberg, Gymnasium Wiesentheid, Ausbildung zum Industriekaufmann. Klaus Lachmann ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. In seiner mehr als 30-jährigen Berufslaufbahn hat er in verschiedenen Positionen als Markt- und Verkaufsleiter sowie als Projektleiter bei großen Unternehmen wie Praktiker (über 30 Jahre) beziehungsweise in der Möbelbranche in Führungspositionen gearbeitet. Derzeit arbeitet er als Marktleiter in Nürnberg. Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem seit über zehn Jahren als Vorsitzender im Schwimmverein Bamberg mit über 5.300 Mitgliedern. Seine Freizeit verbringt er gerne beim Schwimmen, Skifahren oder Joggen als auch auf dem familieneigenen Gartengrundstück zwischen Ebing und Sassendorf.

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