- Nachrichten am Ort - https://nachrichtenamort.de -

Ein Blick hinter die Stahltür: Wasserversorgung wird fit für die Zukunft

Von außen wirkt das Gebäude unscheinbar. Ein heller Anstrich, ein schlichtes Dach, ansonsten nichts, was darauf schließen lässt, welche Bedeutung dieser Ort für viele Menschen haben könnte. Wer am Hochbehälter Kleewiese vorbeifährt, ahnt kaum, dass sich hinter den Türen einer der wichtigsten Bausteine der Baunacher Infrastruktur verbirgt.

Hier beginnt ein Stück Alltag, über das kaum jemand nachdenkt – und das doch jeder Tag für Tag nutzt. Denn egal, ob morgens beim Zähneputzen, unter der Dusche, beim Kaffeekochen oder abends beim Abwasch: Trinkwasser ist jederzeit verfügbar. Dass es selbstverständlich aus dem Hahn fließt, erscheint so normal, dass man leicht vergisst, welcher technische und personelle Aufwand dahintersteckt. Dabei ist Trinkwasser eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel überhaupt. Anlagen müssen gewartet, Wasserproben regelmäßig untersucht und die Technik ständig überwacht werden.

Bürgermeister Tobias Roppelt öffnet gemeinsam Wasserwart Ulrich Schmittlutz und Jörg Reich, Fachkraft für Wasserversorgungstechnik, die Tür zum Hochbehälter. Nur wenige Schritte genügen, und aus dem unscheinbaren Gebäude wird eine moderne technische Anlage. Von der Sanierung ist außen kaum etwas zu sehen – innen dagegen scheint fast alles neu.

Anzeige
Veranstaltungsservice Bamberg

Der Hochbehälter stammt aus den 1960er Jahren. Jahrzehntelang verrichtete er zuverlässig seinen Dienst. Doch irgendwann war klar: Soll die Wasserversorgung langfristig gesichert bleiben, muss investiert werden. Rund eine halbe Million Euro hat die Stadt deshalb in die umfassende Modernisierung gesteckt. Das Besondere daran: Während der gesamten Bauzeit lief die Versorgung der Bevölkerung ohne Unterbrechung weiter. Möglich machte das die Bauweise des Hochbehälters. Zwei Wasserkammern mit jeweils 250 Kubikmetern Fassungsvermögen konnten abwechselnd betrieben werden. Während in einer Kammer gearbeitet wurde, blieb die andere in Betrieb.

[6]

Ulrich Schmittlutz und Jörg Reich mit Bürgermeister Tobias Roppelt unterwegs im Hochbehälter.

Die Digitalisierung ist auch hier angekommen

Erst beim Blick in das Innere wird deutlich, wie groß diese Behälter tatsächlich sind. Mehr als vier Meter hoch sind die Kammern, deren Wände jetzt mit einer speziellen Folie ausgekleidet sind. Außen wurde neu abgedichtet. Hinzu kommen neue Leitungen, neue Türen, eine neue Treppenanlage sowie eine komplett erneuerte elektrische Ausstattung. Vor allem aber hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Viele Funktionen lassen sich heute aus der Ferne überwachen und per Smartphone steuern – etwas, das vor wenigen Jahrzehnten noch unvorstellbar gewesen wäre.

Wie sehr sich die Arbeit verändert hat, erzählt Jörg Reich fast beiläufig. Sein Vater war ebenfalls Wasserwart in Baunach. Schon als Kind begleitete er ihn häufig zu den Hochbehältern. Kontrollgänge, ob nachts, am Wochenende oder an Feiertagen – ohne einen Blick vor Ort ließ sich kaum feststellen, ob alles richtig läuft. Heute meldet sich die Technik oft schon selbst. Trotzdem ersetzt sie nicht den Menschen. Die Anlagen werden weiterhin regelmäßig kontrolliert, ebenso wie die Qualität des Trinkwassers. Denn Wasser aus der Leitung ist nicht irgendein Produkt, sondern ein Lebensmittel, dessen Reinheit kontinuierlich überprüft werden muss.

Die Sanierung des Hochbehälters Kleewiese ist dabei nur der erste Schritt eines deutlich größeren Konzepts. Grundlage dafür war ein Gutachten, mit dem sich die Stadt intensiv mit ihrer künftigen Wasserversorgung beschäftigt hat.

[7]

Durch ein Bullauge lässt sich in die Kammern blicken.

Arbeiten an der Wasserversorgung gehen weiter

Als Nächstes soll der Hochbehälter Stiefenburg modernisiert werden. Die Vergaben laufen derzeit. Auch dort gibt es zwei Wasserkammern mit jeweils 250 Kubikmetern Fassungsvermögen. Anders als der Hochbehälter Kleewiese stammt die Anlage aus den 1980er Jahren. Rund 250.000 Euro sollen in ihre Sanierung fließen. Bis Ende 2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Doch damit endet das Konzept nicht. Im Herbst soll außerdem die Ausschreibung für den Anschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken erfolgen. Im kommenden Jahr könnten die Arbeiten beginnen. Für Bürgermeister Tobias Roppelt ist das ein wichtiger Baustein für die Zukunft. Die Wasserversorgung beschäftige heute nahezu alle Kommunen. Der Anschluss an das Fernwassernetz sei jedoch ausdrücklich kein Abschied von der eigenen Wasserversorgung, sondern eine zusätzliche Absicherung. Beide Hochbehälter bleiben das Rückgrat der städtischen Versorgung. Dass sie miteinander verbunden sind und Wasser untereinander austauschen können, erhöht ihre Betriebssicherheit zusätzlich.

Am Ende des Rundgangs fällt der Blick noch einmal auf das unscheinbare Gebäude. Wer vorbeikommt, wird vermutlich auch künftig nicht erkennen, dass sich dahinter modernste Technik verbirgt. Vielleicht ist genau das das größte Kompliment für die Menschen, die hier arbeiten. Denn wenn niemand über die Wasserversorgung nachdenken muss, machen sie ihren Job genau richtig.


Weitere Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wählen).