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Franz Schumm: „Der neue Bürgermeister wird mehr in der Öffentlichkeit stehen, als ihm lieb sein wird.“

UPDATE AM 22. FEBRUAR 2013!

Am 3. März 2013 stehen die Bürgermeisterwahlen in Breitengüßbach an. Ohne Partei- oder Fraktionszugehörigkeit tritt Franz Schumm an. Sein Motto: „Handeln mit Herz“. Wir sprachen mit ihm über seine Ideen und Konzepte. Schumm kritisierte dabei die bisherige Politik in Breitengüßbach und würde die Innensanierung des Rathauses lieber verschieben, um unter anderem ein neues Feuerwehrauto zu beschaffen. Die Gemeinde müsse in den kommenden Jahren die Haushaltsplanung komplett überdenken.


Hinweis in eigener Sache:
Zum Interview mit Franz Schumm hat uns eine Stellungnahme der Gemeindeverwaltung Breitengüßbach [1] erreicht, die wir ebenso veröffentlicht haben.


Nachrichten am Ort:
Was hat Sie bewogen, sich als Kandidat für das Amt des Breitengüßbacher Bürgermeisters zur Verfügung zu stellen?

Franz Schumm: Bürger aus Breitengüßbach und Zückshut haben gefragt, ob ich mich als Kandidat für die Wahl zum Bürgermeister zur Verfügung stellen würde. Da sie der Meinung sind, dass sich endlich in der Gemeinde etwas verändern muss. Persönlich sehe ich es als Herausforderung für mich, für alle Bürger von Breitengüßbach, Hohengüßbach, Unteroberndorf, Leimershof, Zückshut und den Bognerhof etwas zu tun. Damit die Lebensqualität und die Kaufkraft der Bürger erhalten bleiben.

Haben Sie schon Erfahrung auf kommunalpolitischer Ebene oder einen anderen Gremium?

In der Vergangenheit habe ich mich aus allen politischen Angelegenheiten herausgehalten. Die Kommunalpolitik habe ich aber mit größter Aufmerksamkeit aus dem Hintergrund beobachtet. Seit 28 Jahren setze ich mich ehrenamtlich aktiv für hilfsbedürftige Menschen ein. Schwerpunkt: Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung.

Auf welche aktuellen Themen werden Sie in Breitengüßbach zurzeit an meisten angesprochen und können Sie daraus entnehmen, wo den Bürgern der Schuh drückt?

Durch meinen Beruf habe ich jeden Tag mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zu tun. Die Bürger drückt nicht nur der Schuh, sondern einige haben für die Zukunft regelrecht Existenzängste: Müssen wir selbst die kaputten Straßen in der Gemeinde bezahlen? Was ist mit der Kläranlage und dem Abwassernetz, ist es wirklich so kaputt, dass es in den nächsten Jahren erneuert werden muss? Hier zeigen sich mangelnde Transparenz und Verschwendung von Geldern im Rathaus! Warum sind die Schulden um 500 Prozent in den letzten zehn Jahren gestiegen? Können die im Rathaus nicht mit Geld umgehen oder spielen sie Monopoly mit Steuergeldern? Wieso gibt es undurchsichtige Firmenstrukturen mit Gemeindebeteiligung, siehe Bioenergie und Entwicklungsgesellschaft Breitengüßbach? Warum Insolvenzverschleppung mit Gemeindebeteiligung bei der Bioenergie Breitengüßbach? Warum wurden Geschäftsführergehälter von über 40.000 Euro bezahlt und in der Schule ist kein Geld für Lehrmittel vorhanden? Wieso und warum verkauft die Gemeinde Grundstücke an sich selbst? Diese Fragen stehen jetzt noch unbeantwortet im Raum, doch sie werden nicht vergessen. Die Bürger haben den Stein ins Rollen gebracht und der neue Bürgermeister wird mehr in der Öffentlichkeit stehen, als ihm lieb sein wird. Die Zeit, in der alles hinter verschlossenen Türen, über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden wurde, ist vorbei.

Franz Schumm [2]
Franz Schumm bei einer Veranstaltung der Bürgerinitiative Lebensader
im Januar 2013 im Breitengüßbacher Pfarrheim.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Gemeinde Breitengüßbach in den kommenden Jahren?

In den nächsten Jahren muss die Gemeinde die Haushaltsplanungen komplett überdenken, es wurden zahlreiche Kredite aufgenommen. Als Beispiel die Lärmschutzwand im Süden an der Autobahn, sie wurde komplett von der Gemeinde finanziert. Hätten sich die zuständigen Personen im Rathaus für eine kostengünstige Lösung mit anderen Gemeinden zusammengesetzt, wäre nur ein Bruchteil der Kosten entstanden, den Rest hätte der Bund übernommen. Breitengüßbach wird in den nächsten Jahren einige sehr große Baustellen mit dem Ausbau der ICE-Bahnstrecke haben. Damit verbunden sind ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und viel Lärm. Weiter ist noch anzusprechen, dass erhebliche Kosten auf die Gemeinde zukommen, denn jede Veränderung an der Planung trägt die Gemeinde selbst. Man hätte vor Jahren bei den Planungen mitbestimmen können, um die Kosten in Grenzen zu halten.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen der Gemeinde?

Die Gemeinde Breitengüßbach besitzt im Vergleich zu anderen Kommunen nur ein durchschnittliches Wachstumspotential, trotzdem sind die Standortbedingungen besonders für Unternehmen im Dienstleistungssektor geeignet. Während die Agrarwirtschaft und das produzierende Gewerbe an Bedeutung verliert, wird der Dienstleistungssektor immer wichtiger. Das entspricht einem bundesweiten Trend. Dabei zeigt sich, dass der größte Pluspunkt des Standortes Breitengüßbach die gute Verkehrsanbindung in Bezug auf die Autobahn ist. Überaus positiv schneidet die Gemeinde auch bei der Beurteilung des Wohnungs- und Schulangebotes ab. Sogar Lohnniveau sowie Miet- und Pachtpreisverhältnis gehören zu den Stärken der Gemeinde. Die gravierenden Schwächen tauchen bei den Kostenfaktoren auf, die maßgeblich von der Kommune beeinflusst werden. Negativ haben ansässige Unternehmen auch die Qualifikation und Verfügbarkeit von Arbeitskräften bewertet. In Breitengüßbach sind also vor allem die kommunalen Defizite entscheidend. Jetzt ist die Politik gefragt, diese Defizite aus der Welt zu schaffen. Ich sehe bei den angesprochenen Punkten Chancen, die Standortbedingungen zu verbessern. Es ist wichtig, dass die Gemeinde mit den Unternehmen ins Gespräch kommt.

Gibt es Projekte die Sie direkt nach der Wahl anpacken würden?

Am Spielplatz (Rosenweg) würde ich mich persönlich für einen richtigen Fußgängerüberweg einsetzen. Damit die Kinder sicher die Straße nach und von Zückshut überqueren können. Ich würde die komplette Innensanierung des Rathauses überdenken: 600.000 Euro auszugeben für ein Gebäude, das in sehr gutem Zustand ist. Außen wurden schon 500.000 Euro ausgegeben. Meiner Meinung nach könnte die Hälfte der Kosten (300.000 Euro) eingespart werden. Mit dem eingesparten Geld könnte unter anderem das schon lange benötigte Feuerwehrauto angeschafft werden. Um die Finanzen im Überblick zu behalten, würde ich auf die Einführung der doppelten Buchhaltung in der Verwaltung bestehen. Damit die Zahlen endlich auf einen Blick ersichtlich sind. Außerdem stehe ich für einen Ausbau der Internet- und Handyverbindung in Zückshut und Hohengüßbach und einen  vorrangigen Ausbau des Fuß- und Radweges nach Baunach.

Auf drei Bevölkerungsgruppen richtet sich zurzeit verstärkt der Blick: Kinder, Familien und Senioren. Wie sehen Sie Breitengüßbach in diesen Bereichen aufgestellt? Was gibt es noch zu tun und welche Ideen bringen Sie hier ein?

Mit Kindergärten, Schulen, Tagesstätten, Krippenplätze und Seniorenheim sind wir gut aufgestellt. Gut ist nicht gleich sehr gut. Was nützen die Gebäude, wenn die wahre Gemeinschaft fehlt. Die Gemeinde hat einen Waldkindergarten ohne Kinder! Nur zum Privatgebrauch oder war es nur ein Marketing-Gag, um schnell an Fördermittel zu kommen? Betreutes Wohnen ohne Betreuung! Das Seniorenwohnheim, in das ich momentan nicht einziehen würde, trotz Qualitätsmanagement. Wir sollten uns ein Beispiel an Steinbach am Wald im Landkreis Kronach nehmen, mit ihrem Projekt „Lebensqualität für Generationen“.

Breitengüßbach ist in Sachen Gewerbe durchaus begünstigt, liegt an der Autobahn, Bundesstraße und Bahnlinie. Müsste eine solche Gemeinde nicht kontinuierlich schwarze Zahlen schreiben?

Die Gemeinde hat es verpasst, in den letzten Jahren richtige Gewerbesteuerzahler anzuwerben. Es wurden große Gewerbeflächen ausgewiesen und mit Supermärkten zugepflastert. Die großen Ketten zahlen, wenn überhaupt, nur einen Bruchteil an Steuern in die Gemeindekasse. Es gibt noch Gewerbeflächen, die von der Gemeinde zu schnell verkauft wurden. Diese liegen jetzt als Spekulationsobjekte brach. Es wurde viel Geld in die Erschließung dieser Flächen investiert, für wen? Solange im Rathaus niemand verstehen will, dass nicht mehr nur der Name Breitengüßbach mit drei Autobahnausfahrten Investoren anlockt. Oder, geht man ins Rathaus und erkundigt sich nach freien Gewerbeflächen, bekommt man zur Antwort „Ist in Planung“. Breitengüßbach braucht ein Ziel, mit klaren Vorstellungen. Die Gemeinde muss sich vermarkten und auf sich aufmerksam machen. Dann klappt es auch mit der Ansiedlung von finanzkräftigen Unternehmen. Es entstehen Arbeitsplätze und es klappt mit den Steuereinnahmen.

Neben Ihnen stellen sich weitere Kandidaten zur Wahl. Warum sollten die Bürger Ihnen ihre Stimme geben?

Ich bin überzeugt, dass ich viele der Kenntnisse und Erfahrungen aus 35 Jahren Berufsleben im Handwerk und der Industrie für das Amt des Bürgermeisters nutzen kann. Ich komme aus der Technik, habe mir in den letzten Jahrzehnten auch ein breites kaufmännisches Wissen erworben. Heute bin ich im Management tätig, eng verwandt mit den Aufgaben in der Gemeinde. Hier sehe ich meine Kompetenz und die Möglichkeiten, die desolate Situation der Gemeinde mit steigenden Verlusten zu stoppen und positiv zu verändern. Wenn die Bürger an meine Fähigkeiten glauben und mich die Zukunft der Gemeinde Breitengüßbach mitgestalten lassen wollen, bitte ich die Bürger, mir am 3. März 2013 den Auftrag dafür zu geben.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Was gefällt Ihnen an Breitengüßbach? Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Mir gefällt einiges in Breitengüßbach. Doch am meisten gefällt mir, wenn der Hahn vom Nachbarn morgens kräht. Mein Lieblingsplatz ist hoch über Breitengüßbach im Heißluftballon, mit Blick über Felder, Wiesen und Wälder.

 

Franz Schumm, 50 Jahre, Patchworker, sechs Kinder und fünf Enkel, ist seit 2002 als Unternehmer in Breitengüßbach tätig, zurzeit als kaufmännischer Angestellter im Management. In seiner Freizeit geht er gerne gut essen und fährt Motorrad.

Johannes Michel.
Das Interview spiegelt die Aussagen des Interviewten wieder – und muss nicht deckungsgleich mit der Meinung der Redaktion von Nachrichten am Ort sein.