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Große Erfolge und große Sorgen

Im Titelbild: Das neue Führungsgremium: Rainer Dörr, Stefan Keppner, Norbert Kraus und Nicole Fuchs (von links). 

Führungswechsel beim TSV Breitengüßbach: Norbert Kraus übernimmt Vorsitz von Stefan Neubauer. Während dessen sorgt das schmucke Vereinsheim sorgt für ein Gerichtsverfahren.

Eine tiefgreifende Zäsur erfolgte bei der Generalversammlung des TSV: Nach 13 Jahren als Vorsitzender und einigen Querelen zuletzt stand Stefan Neubauer für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. Was einen kompletten Wechsel an der Vereinsspitze nach sich zog: Von der bisherigen Vorstandschaft blieb nur noch Schatzmeister Rainer Dörr übrig. Neuer Vorsitzender wurde mit 66 Stimmen bei 110 anwesenden Vereinsmitgliedern Norbert Kraus, der bereits über viele Jahre die Basketballabteilung geleitet und von 2002 bis 2010 auch als stellvertretender Vorsitzender fungiert hatte. Ihm zur Seite stehen neben Hauptkassier Rainer Dörr künftig Stefan Keppner als Stellvertreter und Nicole Fuchs als neue Schriftführerin. Weniger turbulent beziehungsweise überraschend  ging es bei der Bestätigung der neuwählten Abteilungsleiter des 1144 Mitglieder zählenden Vereins zu (siehe gesonderte Info-Box unten).

Die Mitgliederzahl des Großvereins gliedert sich wie folgt auf: Fußball (274), Turnen/Leichtathletik (241), Tanzsport (230) Basketball (227), Kegeln (72), Tischtennis (40), Wandern (60).

Eine Streitfrage innerhalb von Abteilungen entzündete sich an der umfassenden Modernisierung des Vereinsheim während der Corona-Krise. „Wir haben von 2021 bis 2025 über 400.000 Euro in unser Vereinsheim gesteckt, wofür es hohe Zuschüsse aus Corona-Überbrückungsmitteln gab“,  berichtete Schatzmeister Dörr. Und der scheidende Vorsitzende Neubauer hatte noch weitere Vorhaben auf dem Schirm, die nun seine Nachfolger anpacken müssten: „Sanierung der Toiletten und der Kegelstube, Abrechnung der LED-Flutlichtanlage.“ 

Und  noch ein Problem steht im Raum. Weil „der Staat einige Förderrichtlinien umqualifiziert“ habe, so Schatzmeister Dörr wörtlich, und Corona-Mittel zurückfordere, laufe seit vier Jahren ein Prozess vor dem Verwaltungsgericht gegen die IHK München als zuständiger Bewillungsbehörde. Ausgang ungewiss, etwaige Rückzahlungen drohen, politische Hilfestellungen vorteilhaft. Diese Herausforderungen muss nun das neue Vorstandsteam schultern.

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Stillleben eines Führungswechsels: Aktenstudium in der TSV-Geschäftsstelle

Kein Geld mehr für die Abteilungen?

„Dann müssen wir halt noch ein Darlehen aufnehmen“, hatte Stefan Neubauer eine Lösung für den Ernstfall parat, da auch schon für den Eigenanteil der Modernisierungsmaßnahmen ein Darlehen aufgenommen und von der Mitgliederversammlung damals abgesegnet worden war. Laut Schatzmeister Dörr betrug dies 60.000 Euro, wovon 18.000 Euro bereits abbezahlt wurden. Und dennoch kam er in seinen Jahresabschlüssen für 2024 und 2025 auf positive Ergebnisse mit fünfstelligen Guthaben auf den Bankkonten. Wegen der Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum sei aber noch eine Nachforderung bei der Körperschaftssteuer zu erwarten.

Die Zahlenspiele, die auch die Kassenprüfer Thomas Schuster und Christoph Hetzel fortführten und in eine Empfehlung zur Entlastung der bisherigen Vorstandschaft mündeten, kommentierte Norbert Kraus mit den Worten: „Wir haben ein super-schickes Vereinsheim, aber in den Abteilungen geht nix mehr, weil der Verein kein Geld mehr hat.“ Eine Einschätzung, die sich mit den Erfolgsmeldungen und breitensportlichen Aktivitäten aus allen Abteilungen nicht unbedingt deckt. Und die der bisherige Vorsitzende Neubauer so gar nicht teilt. „Ich stehe zu unseren Entscheidungen. Wir haben ein Schmuckstück dastehen und ich bereue nichts.“

Zumal in den Berichten der Abteilungsleiter bemerkenswerte Erfolge angesprochen wurden. Sie reichten von Weltmeistertiteln (Kegler Justin Moshacke im Team der U23-Nationalmannschaft), deutschen Meisterschaften und Vizemeisterschaften (Ü60- und Ü35-Basketballer), Berufung in Nationalmannschaften (zwei U16-Basketballer), Landestiteln (Bayernpokalsieg und U20-Vizemeisterschaft der Basketballer), zwei Mannschaften in der 2. Bundesliga (Kegeln Damen und Herren), Fernsehauftritten (United dance Team und Reiner Hoffmann), Großveranstaltungen wie eine Tanzshow des United dance teams mit 650 Besuchern, der Kinderfasching mit 700 Gästen oder der Sporttag der Leichtathletikabteilung.

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Boom beim Tanzsport

Aber auch die breitensportlichen Angebote zeugen von vielfältigem Vereinsleben. Das Spektrum reicht von zweijährigen Kids beim Eltern-Kind-Turnen bis zum 82-jährigen Ernst Schiersch, der noch in Punktekämpfen an der Tischtennisplatte steht.

Von einem „Boom mit aktuell 33 Neuaufnahmen“ schwärmte Birgit Schönborn-Herrmann beim Tanzsport, in der zwölf Tanzgruppen aktiv sind, neuerdings auch ein Inklusivgruppe. Und auch die Gymnastikgruppen stoßen an Kapazitätsgrenzen, wie Leiterin Sabine Zwiers weiß. Auf der Leichtathletikanlage haben im zurückliegenden Zeitraum 44 Teilnehmer die Anforderungen für das Deutsche Sportabzeichen erfüllt und erworben.

428 Wanderer zählte deren Leiter Reinhard Karsch bei 35 verschiedenen Angeboten, die bis Kemmern, aber auch ins Taubertal und gar zum „Trainingslager“ nach Blaubeuren führten. Abgerundet wird das facettenreiche Vereinsangebot von geselligen Veranstaltungen, wie u.a. bei der Kerwa, einer Gratis-Grill-Gaudi, Mensch-ärgere-dich-nicht-Turnieren oder Schnauzrunden. Oder bald einem Ferien-Basketball-Camp mit dem aus Würzburg stammenden NBA-Profi Maxi Kleber.

Die Neuwahlen führte der Wahlausschuss bestehend aus Ludwig Hummel, Roman Herl und Günter Schuster als Vorsitzendem durch. Gewählt wurden: Vorsitzender Norbert Kraus (66 von 102 abgegebenen Stimmen bei acht Enthaltungen),  2. Vorsitzender Stefan Keppner (97 von 99 Stimmen), Hauptkassier Rainer Dörr (110 von 110), Schriftführerin Nicole Fuchs (108 von 109). Der Posten des 3. Vorsitzenden blieb unbesetzt und soll bei einer späteren Mitgliederversammlung nachgewählt werden.

Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (Bürgerblock) attestierte der scheidenden Vorstandschaft eine „Super-Zusammenarbeit“ und wünschte sich auch mit der neue Führung eine „gute Kooperation“ und dem Verein harmonischen Zusammenhalt.

Dass die Arbeit nicht ausgeht, zeigte sich schon kurz nach dem Ende der fast vierstündigen Generalversammlung mit Rekordbesuch: Ein Unwetter mit Blitzeinschlag in der Nähe sorgte für einen Überspannungsschaden, der die Kommunikation in der TSV-Geschäftsstelle lahmlegte,  und die Niederschläge mit 50 Litern auf den Quadratmeter in einer Viertelstunde fluteten Kellerräume und Kegelstube, was für viel Schreibkram und Versicherungsverhandlungen führen dürfte.

Der Verwaltungsbeirat

Die Abteilungsleiter, die dem TSV-Verwaltungsbeirat, als zweitem Vereinsorgan neben der Vorstandschaft, angehören:

  • Basketball: Manuel Förtsch/Reiner Hoffmann (Stellvertreter)
  • Fußball: Markus Schmitt (neu)/Stefan Neubauer
  • Tischtennis: Tobias Witt
  • Kegeln: Dietmar Weiß/Dieter Nüßlein
  • Turnen/Leichtathletik: Sabine Zwiers/Rainer Dörr
  • Tanzsport: Birgit Schönborn-Herrmann/Steffi Grimm
  • Wandern: Reinhard Karsch/Thomas Kistner

Ralf Kestel