Mit „Tenor trifft Rockröhre“ verschmelzen Suzan Baker und Malte Müller unterschiedliche Musikrichtungen. Das „Obermain-Duo“ gastiert in Hallstadt/Bad Staffelstein.
Die Idee, Rock und Klassik zu verbinden, ist seit den Beatles nicht neu. Zumeist zelebriert in der Kombination von Rockband und Symphonieorchester. Als Duo, bestehend aus Rockröhre und Operntenor, indes ist diese Verquickung nahezu einzigartig. Seit 2024 vermischen die in Bad Staffelstein lebende Rocksängerin Suzan Baker (einst Frontfrau bei „MacLoud“) und der aus dem kleinen Lichtenfelser Stadtteil Roth stammende Malte Müller beide Genres in überzeugender Weise, nur begleitet von Gitarre, Violoncello und Klavier. So zu erleben am Sonntag, 22. März, um 19 Uhr im Kulturboden in Hallstadt und am Sonntag, 28. Juni, um 19.30 Uhr auf der Seebühne in Bad Staffelstein.
Wie es zu diesem Cross-over (neudeutsch für: Kreuzung) kam und wie sich ihre Wege kreuzten, erzählen die Powerfrau und der einstige Regensburger Domspatz, der mit diversen namhaften Symphonieorchestern in die Welt hinauszog, im Gespräch mit dieser/m Zeitung/Medium.
Wie seid ihr beiden denn als Sanges-Duo zusammengekommen?
Malte: Ich habe Dennis Lüddicke, unseren Gitarristen, bei einer CD-Produktion mit Weihnachtsvertonungen, die ich für die Aktion „Helfen macht Spaß“ eingespielt hab‘, kennengelernt. Als wir nach Corona endlich ein Release-Konzert in der Stiftskirche Kloster Banz machen konnten, konnte ich Dennis‘ Partnerin Suzan für einen Gastauftritt gewinnen. Mir war Suzan als Größe in der Popularmusik bekannt, auch wenn ich sie bis dahin nicht persönlich getroffen hatte. Aber bereits von der ersten Probe an verstanden wir uns sehr gut und fanden uns auf gleicher Wellenlänge. Auch wenn wir musikalisch aus unterschiedlichen Welten kommen – Rock bzw. Singer-Songwriting und Klassik – haben wir uns gleich auf einer Ebene getroffen: Die Liebe zu guter Musik, egal aus welchem Bereich sie kommt und die Freude am Musizieren und das Weitergeben dieser Freude an das Publikum verbinden uns. Von unserem gemeinsamen Auftritt inspiriert, fassten wir direkt am Abend des Konzertes in Banz den Entschluss, auch in der Zukunft ein gemeinsames musikalisches Projekt zu starten. Dabei war es uns wichtig, dass sich keiner verstellen muss. So interpretiere ich mit großer Freude die unsterblichen Rock- bzw. Popklassiker genauso wie bekannte italienische Arien aus Oper und Konzert. Genauso ist es bei Suzan. Für mich ist es immer ein besonderes Highlight, wenn wir einige Stücke im Duett singen. Gerade die unterschiedlichen Herangehensweisen von Suzan und mir machen diesen besonderen Reiz aus. Auch ist es uns wichtig, den Charakter eines Stückes trotz neuer Herangehensweise und Interpretation nicht zu verfälschen. Dabei unterstützen uns unsere herausragenden Musiker, die auch aus unterschiedlichen Musikwelten kommen und für dieses Projekt zusammengefunden haben. Wir alle haben eine unglaubliche Freude und Spaß am gemeinsamen Musizieren und wollen unser Publikum aus dem Alltag herausreißen und mitnehmen. Dank der wunderbaren neuen Arrangements von Dennis Lüddicke kommen beide Welten immer zur Geltung, ohne sich zu verraten.
Wie erfolgt die Auswahl der Stücke fürs Repertoire?
Malte: Die Ideen kommen von uns allen. Natürlich ist Suzan mehr im Rockbereich bewandert als ich, wenngleich für mich die ausgewählten Rockklassiker keine unbekannten Kompositionen sind. Bei den klassischen Stücken kommen relativ viele Ideen von mir. Aber auch hier ist Suzan sehr vorgebildet und hat gute Einfälle, welche Stücke sich für unser Projekt eignen. Wichtig ist für uns nur das Eine: Es muss gute Musik sein. Für mich als klassischen Tenor sind viele Rockstücke, die ich mit meiner klassischen Stimme interpretiere, nicht weniger herausfordernd als manche italienische Arie. Zum Teil erfordern sie einen großen Tonumfang und gehen in extreme Lagen, genauso wie italienische Arien.
Und wie fühlt sich die Zusammenarbeit an?
Suzan: Die Liebe zur Musik steht bei unserem Projekt im Mittelpunkt. Malte und ich haben uns sofort verstanden, und selbst die Proben mit ihm machen mir unglaublich Spaß. Ich bewundere Malte dafür, wie er als Tenor, aus der klassischen Musik kommend, sich so mühelos in die Rockmusik einfühlen kann und freue mich unglaublich, dass er dieses spannende Experiment wagt. Für mich ist unser Projekt „Tenor trifft Rockröhre“ sehr inspirierend. Schon immer habe ich mich gern in fremdes, musikalisches Terrain gewagt und dabei habe ich mir stets einen eigenen Stil bewahrt. Mittlerweile blicke ich auf 35 Jahre Bühnenerfahrung zurück und habe mich immer wieder neu erfunden. Die Arbeit mit meiner damaligen Rockband MacLoud, die für ihre kraftvollen Auftritte bekannt war, hat mich geprägt, und dieser Einfluss spiegelt sich bis heute in meinem Duo-Projekt mit Dennis Lüddicke wider, mit dem wir seit 16 Jahren deutschlandweit touren. Jetzt, durch unser Klassik-Projekt und meine Zusammenarbeit mit Malte, öffnet sich mir wieder eine völlig neue Welt – und das passt perfekt zu meinem Drang, immer weiter zu wachsen und mich weiterzuentwickeln. Durch Dennis‘ virtuoses Gitarrenspiel und die inspirierenden Celloklänge entfaltet sich eine völlig neue Ausdruckskraft. Genau das ermöglicht es mir, kraftvolle Stücke mit tiefen, emotionalen Momenten zu verbinden und das Publikum in eine ganz eindrucksvolle Klangwelt mit unvergesslichen Gänsehautmomenten mitzunehmen.
Wie oft tretet ihr im Jahr zusammen auf und wo werdet ihr überall gebucht?
Suzan: Unser Projekt „Tenor trifft Rockröhre“ stößt überall auf große, positive Resonanz. Wir freuen uns sehr auf unsere bevorstehenden Konzerte am 22. März im Kulturboden Hallstadt, sowie am 28. Juni auf der Seebühne Bad Staffelstein. Da unser Projekt noch relativ jung ist, hoffen wir auf viele, weitere, schöne Konzerte, besonders überregional und stehen dahingehend schon mit einigen Veranstaltern in gutem Kontakt.
Wie klappt das mit der Terminkoordination?
Malte: Natürlich ist das nicht immer ganz so einfach. Neben Suzan und mir müssen auch noch unsere Musiker verfügbar sein. Manchmal muss dann auch etwas, wenn möglich, verschoben oder ein Ausweichtermin gefunden werden. Da ich als klassischer Sänger auch noch mit anderem Repertoire auftrete, insbesondere hat es mir auch der Liedgesang und die Entdeckung vergessenen Liedrepertoires angetan, muss alles gut koordiniert werden. Da Singen Hochleistungssport ist, müssen auch immer Regenerationsphasen eingeplant werden.
Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter der Hotline 0951-23837, oder unter www.kartenkiosk-bamberg.de [6].
Ralf Kestel, Veranstaltungsservice Bamberg. Titelfoto: Val Thoermer
