Halloween – Valentinstag – immer mehr fremdes Brauchtum setzt sich in unserem fränkischen Jahreskalender fest, und die herkömmlichen Traditionen geraten immer mehr in Vergessenheit? Nicht so in der Ziegelei Götz in Reckendorf. Gabi Götz hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur historische Handwerksarten und Materialien in die heutigen Bauweisen zu integrieren, sondern möchte auch das Brauchtum und die Gepflogenheiten der Alten bewahren.
So kam es zwischen Weihnachten und Neujahr auf dem Betriebsgelände zur zweiten „Rauhnachtsfeier“. Dieses Brauchtum hatte man früher während der zwölf Nächten zwischen Weihnachten (25.12.) und „Heilig-Drei-König“ (6.1.) ausgeübt.
Bei Einbruch der Dämmerung brodelte schon der Linseneintopf über dem Holzfeuer. Dazu gab es „Mehlspatzen“, kleine, mit dem Löffel aus einem Mehl-Milch-Eier-Salz-Teich abgetrennte und in Salzwasser gekochte Klöße. Das Gericht „Linsen und Spatzen“ am Ende des Jahres zu essen, trägt den Wunsch mit sich, dass das Geld im neuen Jahr nie ausgehen soll! Heißer Tee und Rauhnachtstrank wartete auf die kleinen und großen Besucher. Mit gehackten Nüssen gefüllte Bratäpfel schmorten in kleinen Backöfen und schmeckten vorzüglich.
An verschiedenen Arbeitstischen wurde gezeigt, wie z.B. Reisig-Ruten geschnürt wurde, die man früher zum „Pfeffern“, einem früher heidnischen Fruchtbarkeitsritual, benutzte. Mit diesen Büscheln schlugen die Kinder andere, wohl meist weibliche Freunde auf die Beine und bekamen dafür Süßigkeiten. Die Formen von heißen Wachstropfen in kaltes Wasser gegossen, sorgten bei den Umstehenden für viel Ratespaß bei der Deutung, wie der gegossene Gegenstand im kommenden Jahr für die Zukunft prägend sein konnte.
Auch ein „Wünschebaum“ stand zur Verfügung. Auf Zetteln konnten Ziele und Wünschenswertes aufgeschrieben, zusammengerollt und an das Wunschbaumgestell angebunden werden. Diese können in den Rauhnächten und den kalten Wintertagen bis Lichtmess reifen oder ihre Wirkung entfalten, und werden am 2. Februar in einem Ritualfeuer verbrannt.
Stark umringt wurde der Tisch mit den „Möbberla“, ein wohl nur noch in Reckendorf bekannter Brauch. Die kleinen Figuren wurden von Wilfried Pförtsch aus Thurnau nach der Überlieferung und dem Rezept seiner Eltern, die beide aus Reckendorf stammten, aus einem Zwetschgensaft-Mehl-Teig geformt. Er wusste noch zu erzählen, dass es sich hier um die ersten bekannten Bonbons handelte. In den Mund genommen, zerliefen sie langsam und stillten Hunger und Durst. Gerade bei der schweren Arbeit auf dem Feld waren sie ein willkommener Durstlöscher.
Die Möbberla …
Die gezeigten Motive unterschieden sich zu den bisher bekannten: Kleine Schälchen mit drei Kugeln erinnerten an die Legende des hl. Nikolaus, Kirchenpatron von Reckendorf, der mit den goldenen Kugeln drei Königstöchter vor ihrer bevorstehenden, ungewollten Heirat freikaufen konnte. Schweinchen mit der Jahreszahl 2026, Hühnern in Nestern oder Figurinen mit zwei Vogelköpfen. Letztere waren die „Hausgötter im Herrgottswinkel“, sie sollten wie Janus an das Vergangene erinnern, um befreit in die Zukunft blicken zu können.
Welche Sagen und Geschichten während den Rauhnächten noch ihren Ursprung hatten, davon erzählte Nina Oberst von Götzenkunst schließlich im Ausstellungsraum der Ziegelei. Erwachsene wie Kinder lauschten ihren Worten, wobei die Sage der „drei Nornen“, den nordischen Göttinnen, die über das Schicksal der einzelnen Menschen bestimmten, nachdenkliche Besucher hinterließ.
Die Veranstaltung verlief auf Spendenbasis, und so konnte die Summe von 500 Euro dem LBV in Bamberg von der Familie Götz übergeben werden. Wer an den alten Bräuchen teilhaben möchte, sollte sich den Termin 30. Dezember 2026 jetzt schon in seinem Kalender fest notieren.
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