Ist der Mittelschulstandort Zapfendorf in Gefahr?

Veröffentlicht am 21. Januar 2019 von Johannes Michel

Im September 2018 wurde das neue Feuerwehrhaus in Kemmern eingeweiht. Gerne dient es seitdem als Beispiel für mögliche Neubauten in der Region, auch im Zapfendorfer Marktgemeinderat wurde es erwähnt. Denn die Freiwillige Feuerwehr hat einen Antrag auf ein neues Zuhause gestellt. Diskutiert wurde zudem über die Entwicklung des Schulverbunds mit der Frage, ob die Mittelschule in Zapfendorf eine Zukunft hat.

Für Kommandant Stefan Eichelsdörfer und die Feuerwehrmänner und -Frauen ist die aktuelle Situation nicht mehr lange tragbar. Das zeigt der Antrag der Feuerwehr, der in der Sitzung des Zapfendorfer Marktgemeinderats am 17. Januar 2019 beraten wurde. Insbesondere die beengten Verhältnisse in der Herrngasse, direkt gegenüber des Rathauses, sind es, die zum Handeln zwingen. Aktuell können nicht alle Fahrzeuge hier untergebracht werden, ganz zu schweigen vom in Kürze eintreffenden Verkehrssicherungsanhänger, den der Landkreis in Zapfendorf stationieren wird. Die Tore sind zu schmal, es gibt keinen Büroraum, keine geschlechtergetrennten WCs, keine Duschen. Und auch die Parkplatzsituation ist oft so angespannt, dass bei Einsätzen erst einmal ein Stellplatz für die Autos der Feuerwehrler gefunden werden muss. Und so lautet der entscheidende Satz im Brief der Feuerwehr an die Gemeinde: „Die Feuerwehr Zapfendorf stellt hiermit den Antrag auf die Errichtung eines neuen Gerätehauses.“

„Der Markt Zapfendorf nimmt den Antrag sehr ernst“, so Bürgermeister Volker Dittrich. „Ein wesentlicher Aspekt wird die Standortfindung für ein neues Feuerwehrhaus sein, außerdem sind die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde zu berücksichtigen. Daher müssen wir zur Feuerwehr ehrlich sein und erklären, dass eine Umsetzung nicht kurzfristig möglich sein wird.“ Neubauten von Feuerwehrhäusern in der Region zeigten, dass mit einer staatlichen Förderung von rund zehn Prozent der Gesamtkosten zu rechnen ist. Beispiel Kemmern: Dort kostete das Haus rund 2,5 Millionen Euro, Zuschüsse gab es in Höhe von 250.000 Euro. Aufgrund der Gemeindegröße würde die Investition für Zapfendorf sicher höher ausfallen.


Links die Feuerwehr, rechts der Bauhof: Gegenüber des Rathauses geht es eng zu. Klar wurde: Beide Einrichtungen zusammen haben an diesem Standort keine Zukunft.

Bauhof und Feuerwehr: Synergieeffekte nutzen?

Gemeinderat Georg Ries (CSU) empfahl, zunächst einmal den genauen Bedarf klären zu lassen und Fachleute wie den Kreisbrandrat hinzuzuziehen. Erst dann zeige sich, welche Kosten auf die Gemeinde zukämen. Denn, so eine erste Tendenz im Gremium: Mit dem Neubau eines Feuerwehrhauses ist es nicht getan. Auch der Bauhof, der bislang direkt neben der Feuerwehr in der Herrngasse untergebracht ist, könnte einbezogen werden. Mögliche Lösungen: Ein neuer gemeinsamer Standort für beide Einrichtungen oder Verbleib von Feuerwehr oder Bauhof in der Herrngasse mit einem Neubau für die jeweils andere Einrichtung an einem neuen Standort.

„Die Feuerwehr wäre in der Herrngasse gut aufgehoben, wenn sie die ganze Fläche zur Verfügung hätte“, meinte etwa Andreas Schonath (Wählergemeinschaft Oberleiterbach). „Wir könnten den Bauhof hier herauslösen, Parkplätze wären dann ausreichend hinter dem Gebäude vorhanden.“ Klara Ott (CSU) sah das anders: „Wir sollten beide aus Einrichtungen der Ortsmitte herausnehmen, da wir den Platz für die Entwicklung unseres Dorfes gut gebrauchen könnten.“ Und Thomas Porzner (CSU) war der Ansicht, Bauhof und Feuerwehr sollten aufgrund der Synergieeffekte unbedingt zusammenbleiben. Abschließend wurden Bürgermeister und Verwaltung beauftragt, die notwendigen Fachleute zu kontaktieren und parallel nach möglichen Grundstücken für eine Auslagerung zu suchen.

Schulverbund: Das sind die aktuellen Optionen

Thema im Gemeinderat war auch die Entwicklung des Schulverbundes Oberes Maintal, dem Baunach, Breitengüßbach, Rattelsdorf und Zapfendorf angehören. Bürgermeister Dittrich zeigte dazu Informationen aus einer Sitzung des Schulverbundes, für die Verbundkoordinator Rudolf Hennemann, Rektor der Schule Baunach, mehrere Entwicklungsszenarien ausgearbeitet hatte:

  1. Jährliche Entscheidung mit Auflösung der schwächsten Klassen – das wären aktuell die 7. Klasse in Breitengüßbach und die 9. Klasse in Zapfendorf;
  2. Auflösung des Mittelschulstandorts Zapfendorf – Rattelsdorfer Schüler, die bisher nach Zapfendorf kommen, müssten dann nach Baunach, Zapfendorfer Schüler nach Breitengüßbach gehen;
  3. Beibehaltung von drei Standorten bis zur 6. Klasse, ab der 7. Klasse müssten Schüler pendeln.

„Wir müssen heute eine klare Aussage treffen, wie es aus unserer Sicht weitergehen soll. Von den genannten Varianten ist keine tragbar – unsere Schülerinnen und Schüler würden aus ihrem bisherigen Schulleben herausgerissen und müssten nach Breitengüßbach oder Baunach fahren. Und: Wir würden Fördermittel für die anstehende Sanierung des Schulgebäudes verlieren“, erklärte Dittrich und forderte eine klare Positionierung des Gemeinderats.


Die Grund- und Mittelschule in Zapfendorf. Der lange Querbau (B-Bau) soll demnächst saniert werden.

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Nachrichten am Ort

Von Rattelsdorf hängt für Zapfendorf einiges ab

Einige Räte zeigten sich verwundert über die aktuelle Entwicklung. „Wir hatten uns über Jahre im Mittelschulverbund auf vier Standorte geeinigt. Der schwächste sollte aufgelöst werden, was mit Rattelsdorf bereits geschehen ist. Zapfendorf stand dabei nie zur Diskussion“, meinte etwa Georg Ries (CSU). Das sah auch Gemeinderat Harald Hümmer (Wählergemeinschaft Oberleiterbach) so und ergänzte: „Bisher wurde immer Breitengüßbach als möglicher weiterer Standort genannt, der wegfallen könnte.“ Bürgermeister Dittrich informierte diesbezüglich, dass Breitengüßbach durch den Verband mit Kemmern auf mehr Schüler komme als Zapfendorf. Strittig waren die zugrunde liegenden Zahlen, die allerdings keine direkte Erwähnung fanden. Michael Vogel (Bürger-Vertretung-Lauf) verwies auf mögliche steigende Schülerzahlen, die keine Berücksichtigung fanden.

Bei einer Gegenstimme votierte das Gremium dafür, ein Veto einzulegen, falls eine der von Verbundkoordinator Hennemann vorgestellten Varianten zum Zuge käme. Eine Entscheidung darüber fällt wohl am 22. Januar in einer Sitzung des Schulverbunds. Somit bekannte sich der Gemeinderat deutlich zur Achse Rattelsdorf/Zapfendorf.

Und wie stehen die Chancen zum Erhalt dieser Achse? Rattelsdorfs Bürgermeister Bruno Kellner, mit dem Nachrichten am Ort sprach, meinte dazu: „Unsere Zusammenarbeit war immer gut und ich bin dafür, die Achse zu stärken und nach wie vor die Rattelsdorfer Schüler nach Zapfendorf zu schicken. Allerdings gibt es eine Voraussetzung: Momentan stehen mögliche Gastschulbeiträge im Raum, die Rattelsdorf eventuell an Zapfendorf zahlen soll. Diese schweben wie ein Damoklesschwert über der Achse. Wenn sie kommen sollten und Breitengüßbach im Gegenzug keine Beiträge erhebt, dann habe ich auch kein Problem mit, unsere Schüler in Breitengüßbach unterzubringen. Im Schulverbundsvertrag sind solche Gastschulbeiträge ohnehin nicht vorgesehen, da es hier um den Erhalt von Schulstandorten geht. Und ein Schulstandort sollte einer Gemeinde auch etwas wert sein.“

Bürgermeister Volker Dittrich hatte aufgrund der Nachfrage eines Gemeinderats in der Sitzung erwähnt, dass die Gastschulbeiträge „aktuell kein Thema“ seien. Für endgültige Entscheidungen über die Schulstandorte ist im Verbund ist ein Einvernehmen der Bürgermeisterin aus Breitengüßbach und der Bürgermeister aus Baunach, Rattelsdorf und Zapfendorf nötig. Außerdem spricht auch das Schulamt gehörig mit.

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  1. Bernhard Weber 22. Januar 2019 at 07:17 - Antworten

    Es ist schon bezeichnent, dass im Norden von Zapfendorf ein Sport- und Freizeitpark entstehen wird. Dazu mehrere Grundstücke und Gebäude erworben wurden. Das alles ohne Zwang und vermutlich wegen der relativ hohen Förderung. Der Brandschutz hingegen ist eine Pflichtaufgabe, die seit Wegfall der Feuerschutzabgabe von den Kommunen zu tragen ist. Mir fehlen die richtigen Prioritäten.

  2. Stefan Haderlein 31. Januar 2019 at 20:59 - Antworten

    Ich denke, und dafür sind sicherlich viele, das eine Feuerwehr im Ort und relativ zentral sein sollte. Damit im Falle eines Falles die Feuerwehrleute und natürlich dann die Feuerwehr selbst schnell an Ort und Stelle sein kann. Das so etwas zur Diskussion steht verstehe ich nicht sorry. Was ist dringender???

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