Bisher ist sie Zweite Bürgermeisterin, nun möchte sie Zapfendorf als Bürgermeisterin führen. Schon in den vergangenen Jahren war Sabine Köhlerschmidt in viele Prozesse eingebunden – und im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen und Wünsche für den Markt Zapfendorf.
Sie kandidieren 2026 für das Amt der Bürgermeisterin von Zapfendorf – gegen den amtierenden Bürgermeister und einen weiteren Mitbewerber. Was hat Sie persönlich dazu bewogen, anzutreten?
Meine letzten sechs Jahre als Zweite Bürgermeisterin haben mich bewogen, als Bürgermeisterkandidatin anzutreten. In diesen sechs Jahren habe ich erlebt, wie spannend und wertvoll Kommunalpolitik für unsere Heimat ist. Etwas zu bewegen und zu erreichen, macht mir große Freude. Die persönlichen Gespräche in dieser Zeit mit den Bürgerinnen und Bürgern haben mir gezeigt, wie wichtig Zuhören und soziales Engagement sind, um andere Sichtweisen zu verstehen und dementsprechend auch zu handeln.
Welche Erfahrungen – beruflich, politisch oder ehrenamtlich – bringen Sie mit, die Sie für dieses Amt besonders geeignet machen? Und was waren Ihre bisherigen Hauptthemen als Zweite Bürgermeisterin?
Durch meine schon lange gelebten Ehrenämter im Sport und in der Politik bin ich immer im Kontakt mit den Menschen und kenne so die Bedürfnisse unserer Gemeinde. Auch im Team zu arbeiten, sowie es in den Vereinen geschieht, ist wichtig, um die Arbeit in der Gemeinde gut zu bewältigen.
Durch die Vorstandschaft beim CSU-Ortsverband bringe ich eine gute politische Vernetzung mit. Diese ist eine große Hilfe für eine erfolgreiche Kommunalpolitik. Durch regelmäßigen Austausch mit politischen Mandatsträgern können Ideen leichter umgesetzt werden.
Eines meiner Hauptthemen war in den letzten sechs Jahren unser Freibad Aquarena. Dort habe ich mich in allen Bereichen eingearbeitet und unterstützt, angefangen von Verwaltungsarbeit und Organisation, bis hin zum Dienst an der Badkasse (wenn nötig). Ein weiteres Thema war/ist die medizinische Versorgung. Aktiv habe ich nicht nur bei der Arztsuche mitgewirkt, ich habe viele Gespräche mit Investoren, Architekten geführt.
Das Aquarena-Freibad ist eines der meistdiskutierten Themen in Zapfendorf – insbesondere wegen des jährlichen Defizits. Wie rechtfertigen Sie den hohen Kostenfaktor gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern?
Unser schönes Freibad Aquarena ist nicht nur ein Aushängeschild für Zapfendorf, es bringt Besucher und Urlauber weit über die Landkreisgrenze hinaus, es ist auch wichtig für unsere Bevölkerung in Zapfendorf. Kinder können bei uns das Schwimmen lernen, was bei der Vielzahl an Schließungen von Schwimmbädern nicht mehr selbstverständlich ist. Alle Altersgruppen verbringen hier gemeinsam schöne Stunden und Tage. Die sozialen Kontakte werden gepflegt, man hat gemeinsam viel Spaß. Noch dazu ist die Bewegung im Wasser gut für unsere Gesundheit und stärkt unser Wohlbefinden.
Gab es in den vergangenen Jahren Momente, in denen Sie selbst gezweifelt haben, ob der Betrieb des Freibads langfristig tragbar ist? Und welche Schritte wurden ergriffen, um das Bad zukunftsfähig zu machen?
Natürlich und auch verständlich wird immer wieder (im Gemeinderat) in kontroversen Diskussionen über den Erhalt unseres Freibades diskutiert, jedoch kamen bei mir noch keine Zweifel auf. Das Bad sollte erhalten bleiben, natürlich immer mit Blick auf die Ausgaben. Um das Defizit zu schmälern, wurde zum einen im vergangenen Jahr auf der Dachfläche eine Photovoltaikanlage errichtet. Weiter wurde erreicht, dass uns der Landkreis finanziell unterstützt.
Trotz des Defizits möchte ich dieses wunderschöne Freibad erhalten und weiterhin für unsere Kinder, Familien, Senioren und Sportler öffnen.
Die Baustellen rund um Wasser und Abwasser und der Umbau des Horts sind aktuell die großen baulichen Themen. Im Gemeinderat wurde aber auch schon über eine komplette Sanierung der Ortsdurchfahrt, inklusive Verkehrsberuhigung, gesprochen. Wie sehen Sie Zapfendorf in den genannten Bereichen aufgestellt? Waren die getroffenen Entscheidungen richtig? Und wie soll es weitergehen?
Nachdem die nötige Sanierung unserer Wasser und Abwasserleitungen erfolgt ist, ist es dringend notwendig unsere Ortsdurchfahrt und auch die Ortsmitte von Zapfendorf aufzuwerten. Es gibt innerorts länger bestehende Baustellen, die für Unmut sorgen. Unsere veraltete Ortsmitte lädt nur zum Durchfahren ein, aber nicht zum Verweilen, das muss sich dringend ändern. Wir brauchen eine beruhigte Verkehrsführung mit einem begleitenden Radweg, sodass auch die vielen Radfahrer in unsere Ortschaft geleitet werden. Es sollte nicht noch mehr Zeit verstreichen, bis eine fachliche Beratung in Anspruch genommen wird, denn von der Planung bis zur Umsetzung vergeht viel Zeit.
Der Umbau des Horts ist aus meiner Sicht eine dringende Maßnahme, sodass die langjährige Übergangslösung endlich ein Ende hat und der Hort sich dauerhaft einrichten kann. Nahe der Schule und dem Kindergartens ist der Hort meiner Meinung nach in bester Lage.
Der mögliche Neubau eines Feuerwehrhauses steht schon seit Jahren in der Diskussion. Braucht Zapfendorf wirklich einen solchen Neubau?
Die Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehren gehört zu den Pflichtaufgaben einer Kommune, sowie auch die Bereitstellung und der Unterhalt von Gerätehäusern. Laut Feuerwehrbedarfsplan von 2023 braucht Zapfendorf dringend ein neues Feuerwehrhaus. Das vorhandene Feuerwehrhaus, Baujahr 1970, entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an sicherheitsrechtlichen Vorgaben. Unter Berücksichtigung unserer Leistungsfähigkeit sollten wir als Gemeinde unsere Feuerwehren so ausstatten, wie der Bedarf es uns zeigt. Die Feuerwehren sind die Sicherheit für unsere Bevölkerung in allen lebensbedrohlichen Situationen, deshalb sollten sie ihren Dienst mit bestmöglicher Ausrüstung erfüllen können.
Aus dem einst angedachten Medizinischen Versorgungszentrum mit Hausarztpraxis wurde ein Gesundheitszentrum ohne Arzt, dafür unter anderem mit großer Physiopraxis. Wie ist der Stand bei diesem Projekt – und was hat die Gemeinde diesbezüglich überhaupt noch selbst in der Hand? Vor allem mit Blick darauf, dass das „Haus für Gesundheit“ ein sehr ortsbildprägendes Grundstück nutzen wird?
Bereits beim Erwerb des Grundstückes vor zwölf Jahren war immer der Wunsch des damaligen Gemeinderates, an dieser Stelle ein Medizinisches Versorgungszentrum zu errichten. Es ist viele Jahre nichts passiert, aus den verschiedensten Gründen. Da sich eine unserer ortsansässigen Physiopraxen vergrößern wollte, wurde das Projekt ins Rollen gebracht. Zwei Jahre wurde nun an dem „Haus der Gesundheit“ geplant, weitere Ankermieter gesucht und auch gefunden. Jedoch kann nun, nach Unstimmigkeiten mit einem angrenzenden Nachbarn, das Projekt in dieser Form, an diesem Ort so nicht realisiert werden. Diese Entwicklung ist für den Markt Zapfendorf sehr bedauerlich, da wir dringend die ärztliche Versorgung sicherstellen müssen. Ich habe an diesem Projekt viel mitgewirkt und werde auch in Zukunft alles dafür geben, unsere ärztliche Versorgung im Markt Zapfendorf aufrecht zu halten.
Auch die Verkehrspolitik steht immer wieder im Fokus. Radwege Richtung Scheßlitz und besonders Unteroberndorf wären nötig, Busse fahren in den kleineren Orten kaum, den Bürgerbus gibt es nicht mehr. Was kann die Gemeinde hier tun?
Der Radweg nach Unteroberndorf, auf dem die Gemeinde Zapfendorf schon lange Zeit wartet, ist das letzte nicht ausgebaute Stück des Radweges „Main-Radweg“ von Lichtenfels nach Bamberg. Laut einem Informationsaustausch von 2024 mit dem Städtischen Bauamt, Ingenieurbüro und der Gemeinde, ist der Radweg baulich umsetzbar. Jedoch fehlen noch Vermessungen der Grundstücke durch die Deutsche Bahn. Ich werde mich für den Radweg nach Unteroberndorf stark machen und dessen Umsetzung weiter vorantreiben.
Der Bürgerbus wurde in diesem Gremium abgesetzt, da für dieses Modell Bürgerbus kein hinreichende Nachfrage mehr vorhanden war und der Bus zum Teil leer seine Fahrten machte. Es ist für viele schwierig, zu fest bestimmten Zeiten den Bus zu nutzen. In verschiedenen Ortschaften funktioniert das flexibler mit einer Orts-App. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Nachbarschaftshilfe per App auch in größerem Umfang umgesetzt werden könnte.
Wie stabil sind die Gemeindefinanzen aktuell, und wo sehen Sie die größten Risiken für die nächsten Jahre?
Unsere Gemeindefinanzen sind aktuell noch tragfähig, aber sie sind bereits seit mehreren Jahren angespannt. Unsere Ausgaben sind spürbar gestiegen, hingegen unsere Einnahmen nicht. Als Bürgermeisterin will ich Verantwortung übernehmen, Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass wir handlungsfähig bleiben, ohne an der Lebensqualität zu sparen.
Wenn Sie Prioritäten setzen müssen: Wo darf aus Ihrer Sicht nicht gespart werden – und wo schon?
Wenn Prioritäten gesetzt werden müssen, darf aus meiner Sicht nicht bei der Bildung, sozialem Zusammenhalt und der Würde der Menschen gespart werden. Investitionen in diesen Bereichen zahlen sich langfristig immer aus, gesellschaftlich wie wirtschaftlich.
Einsparpotenzial sehe ich eher in einer besseren interkommunalen Zusammenarbeit. Aufgaben gemeinsam mit anderen Gemeinden zu bewältigen, etwa die Anschaffung von Geräten oder Dienstleistungen können Kosten sparen. Entscheidend ist für mich nicht, wie viel gespart wird, sondern wie klug.
Wenn Sie an Zapfendorf im Jahr 2032 denken: Was soll dann rückblickend mit Ihrer Wahl verbunden werden?
Ich hoffe, dass man 2032 sagt: Zapfendorf ist lebens- und liebenswert geblieben. Es hat an Attraktivität gewonnen, weil mit mir Politik nah am Menschen gemacht wurde und nicht an ihnen vorbei.
Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?
Weniger Bürokratie: Die Bürokratie ist für viele Gemeinden eine echte Bremse. Wir brauchen einfache Verfahren, schnellere Genehmigungen und weniger Formulare.
Vertrauen in die Kommunen: Viele Entscheidungen werden in Berlin oder im Land getroffen, umgesetzt werden sie aber bei uns vor Ort. Dafür brauchen wir Handlungsspielraum und verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen.
Unterstützung beim Ausbau und Erhalt unserer Infrastruktur: Die große Politik muss die Kommunen stärker beim Erhalt von Schulen, Straßen und öffentlicher Infrastruktur unterstützen.
Zum Schluss: Warum sollten die Zapfendorferinnen und Zapfendorfer Ihnen ihr Vertrauen schenken?
Ich möchte für die Zapfendorferinnen und Zapfendorfer Verantwortung übernehmen und werde für Sie immer ein offenes Ohr haben. Ich möchte als Erste Bürgermeisterin mit ihnen gemeinsam den Markt Zapfendorf weiter voranbringen.
Zur Person:
Sabine Köhlerschmidt ist in Zapfendorf aufgewachsen
Realschulabschluss mit mittlerer Reife
Arbeit in Lichtenfels als Kommissioniererin, anschließend Hausfrau und Mutter sowie selbstständige Einzelhandelskaufrau im eigenen Quelle-Shop und Internet-Café, anschließend als Mediengestalterin in der Werbetechnik tätig. Zum jetzigen Zeitpunkt Hausfrau und ehrenamtliche Zweite Bürgermeisterin.


