In Baunach gibt es bei der Kommunalwahl diesmal nur einen Bewerber für das Amt des Ersten Bürgermeisters: Amtsinhaber Tobias Roppelt stellt sich zur Wiederwahl. Wir schauen mit ihm zurück auf die vergangenen sechs Jahre – und nach vorne auf die Zukunft der Stadt Baunach.
2020 wurden Sie erstmals zum Bürgermeister der Stadt Baunach gewählt. Wie würden Sie Ihre bisherige Amtszeit rückblickend in wenigen Sätzen beschreiben?
Tobias Roppelt: Ich denke, wir konnten in den vergangenen sechs Jahren Baunach und seine Stadtteile weiter voranbringen und viele weitreichende Entscheidungen treffen. Wir haben im Stadtrat fraktionsübergreifend konstruktiv zusammengearbeitet und gemeinsam viele Verbesserungen zur Steigerung der Attraktivität in unserer schönen Stadt erreicht. Die Menschen leben gerne hier und das spricht für eine vernünftige Kommunalpolitik.
Sie haben schon im Interview vor sechs Jahren Transparenz und Bürgernähe betont. In welchen Bereichen fühlen Sie sich hier am weitesten gekommen?
Das Rathaus war noch nie so transparent wie aktuell. Unser Mitteilungsblatt ist seit 2021 für alle Haushalte kostenlos. Alle Sitzungsprotokolle werden hier veröffentlicht. Ein Online-Bürgerinformationsportal wurde geschaffen, wir haben regelmäßige Bürgerversammlungen, was vorher nicht der Fall war und unsere Social-Media-Kanäle, sowie die Baunach-App erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Kommunikation aus und mit dem Rathaus hat sich positiv verändert.
Der Spatenstich für die neue Mehrzweckhalle wurde im Herbst 2025 gefeiert. Wie ist der aktuelle Stand und wie kommt die Baustelle voran?
Die Baustelle kommt gut voran. Teile des Rohbaus sind bereits zu sehen. Ich bin sehr froh, dass wir dieses wichtige Thema nach über 30 Jahren Diskussion und Planung nun endlich angehen. Das Projekt ist zwingend erforderlich. Die Hallen- und Raumkapazitäten in Baunach (und nicht nur bei uns) sind seit vielen Jahren ein Riesenproblem. In erster Linie für unsere Vereine und die Jugendarbeit, aber auch für die Schule und weitere kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen. Wir können uns glücklich schätzen, so viele engagierte Ehrenamtliche in unseren Vereinen und Organisationen zu haben. Damit das aber so bleibt und wir weiterhin attraktive Angebote für unsere Bürgerinnen und Bürger, sowie Kinder- und Jugendliche anbieten können, musste die Stadt endlich die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Dazu gehört die Mehrzweckhalle. Mit dem Namenssponsoring der Firma Messingschlager konnten wir einen wichtigen Partner finden, der eine wertvolle Unterstützung zum Betrieb der Halle beiträgt. Die Fertigstellung der neuen „Messingschlager ARENA“ ist für Frühjahr 2027 geplant.
Neben der Mehrzweckhalle: Was waren weitere Projekte der vergangenen sechs Jahre, die für Sie im Mittelpunkt standen?
Die Umsetzung des Sturzflutrisikokonzeptes in Baunach und den Stadteilen, Sanierung und Umbau des Rathauses in Baunach, Sicherung der Wasserversorgung, sowie der Ausbau der Infrastruktur in Straßen und der Daseinsvorsorge, waren sicher die größten Projekte. Natürlich hat auch die Generalsanierung unserer Grund- und Mittelschule, welche uns sicher noch einige Jahre beschäftigen wird, höchste Priorität. Dazu kamen viele kleinere Projekte, die die Lebensqualität in Baunach und den Stadtteilen verbessert haben.
Sie haben in der Vergangenheit mehrfach gesagt, dass angesichts sinkender Einnahmen und großer Projekte eine verantwortungsvolle Finanzpolitik nötig ist. Wie schätzen Sie die finanzielle Lage der Stadt heute ein?
Alle Kommunen stehen vor großen finanziellen Herausforderungen. Die Stadt Baunach hat in den vergangenen Jahren trotz enormer Investitionen sehr gut gewirtschaftet. Die Schulden wurden bis 2025 kontinuierlich abgebaut und befanden sich auf einem Rekordtief. Nur deshalb können wir jetzt auch langersehnte Großprojekte angehen. Wir liegen auch in diesem Jahr auf Platz 5 der Steuerkraft im Landkreis Bamberg. Unsere Finanzkraft wünschen sich viele andere Kommunen! Dennoch wird auch in Baunach der Schuldenstand in den nächsten Jahren stark nach oben gehen. Es ist klar, dass wir nicht jedes Haushaltsjahr mit Krediten arbeiten können. Mit der Gründung der Baunacher Energiegesellschaft und Projekten bei erneuerbaren Energien wollen wir in den kommenden Jahren die Einnahmenseite stärken. Auch müssen wir Betriebserweiterungen und Betriebsansiedlungen fördern, um Arbeitsplätze zu schaffen, den Wirtschaftsstandort zu stärken und die Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen.
Auch vor sechs Jahren war der Durchgangsverkehr über die B279 ein Thema. Wie stehen die Chancen für eine wirkliche Ortsumgehung heute?
Der Durchgangsverkehr ist eine große Belastung für die Anwohner. Eine Umgehungsstraße ist ehrlicherweise kurz- und mittelfristig nicht realisierbar und aufgrund andauernd neuer Vorgaben im Baurecht und Naturschutzbestimmungen auch immer schwerer umzusetzen. Deshalb brauchen wir schnelle Verbesserungen und zielführende Maßnahmen an den Bundes- und Staatsstraßen im Ortsgebiet. Bauliche Veränderungen mit Fahrbahnteilern bei den Ortseinfahrten, durchgängig Tempo 30 und regelmäßige Kontrollen.
Neue Baugebiete wurden ausgewiesen, alte Bebauungspläne aufgehoben, gleichzeitig war das Schließen von Baulücken ein Ziel. Wie gelingt der Spagat zwischen Wachstum und nachhaltiger Flächenentwicklung?
Wir haben in dieser Legislaturperiode vier neue Baugebiete erschlossen. Alle Bauplätze sind vergeben. Auch in Sachen Baulücken hat sich einiges getan. Durch gezieltes Ansprechen der Grundstückseigentümer konnte die Zahl der freien Bauplätze in Baunach und den Stadtteilen in den vergangenen Jahren um 20 Prozent reduziert werden. Auch wurden leerstehende städtische Flächen wie beispielsweise das „Deutel Areal“ entwickelt und neuer Wohnraum geschaffen. Die Zahlen zeigen deutlich, dass wir nicht nur neue Baugebiete im Außenbereich ausweisen, sondern auch den Kernort stärken, um hier Leerstände zu vermeiden. Die Aufhebung alter Bebauungspläne ist wirklicher Bürokratieabbau, spart den Bauherren Kosten und vereinfacht Bauvorhaben. Die Nachfrage nach Wohnraum und Bauland in Baunach ist weiterhin ungebrochen. Das zeigt, dass wir eine attraktive und lebenswerte Stadt sind.
Der demografische Wandel war vor sechs Jahren ebenso ein Thema. Besonders im Fokus stehen hier Kinder und Senioren. Was wurde hier erreicht, und wo besteht noch Handlungsbedarf?
Baunach ist eine kinder- und familienfreundliche Kommune. Wir haben ausreichend Betreuungsplätze für alle Altersklassen. Mit dem neuen Waldkindergarten wurde das Angebot nochmal erweitert. Die Vereinbarung von Familie und Beruf muss immer gegeben sein. Unsere Spielplatzoffensive ist abgeschlossen. Hier sind Plätze für alle Generationen entstanden.
Für unsere Senioren freut es mich sehr, dass es gelungen ist, einen Ambulanten Pflegedienst in unserem Seniorenheim zu etablieren. Das ist ein großer Gewinn für unsere Stadt und ein wichtiger Beitrag zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger. Wir wollen unsere lokale Gesundheitsversorgung erhalten und weiter ausbauen. Das Thema Mehrgenerationen-Wohnen und Betreutes Wohnen müssen wir weiter voranbringen, um den demografischen Wandel entgegenzuwirken. Hier braucht es aber auch die nötigen Flächen.
Baunach zeichnet sich durch viele Veranstaltungen im kulturellen Bereich und durch ein reges Vereinsleben aus. Wie unterstützt die Stadt diese Strukturen?
Wir wollen Baunach lebendig halten. Unsere Veranstaltungen sind ein Höhepunkt im Gemeinschaftsleben und ein Symbol für die Lebendigkeit in unserer Stadt. Das geht natürlich nur mit unseren vielen aktiven Baunacher Vereinen und den dort ehrenamtlich tätigen. Dafür bin ich sehr dankbar. Die Stadt schafft hierfür die Rahmenbedingungen und unterstützt dabei. Mit der entstehenden Mehrzweckhalle ergeben sich, neben dem etablierten Bürgerhaus, nochmal ganz neue Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen. Unsere Förderrichtlinien für Vereine und insbesondere deren Jugendarbeit, liegen deutlich höher als andernorts. Das zeigt auch den hohen Stellenwert, den unsere Vereine und Organisationen haben.
Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?
Den Kommunen sollte mehr Handlungsspielraum gegeben werden. Die Bürgermeister und gewählten Vertreter vor Ort wissen selbst am besten was wichtig und gut für ihre Bürgerinnen und Bürger ist. Dazu braucht es keine unnötigen Vorgaben. Hierzu fehlt das Vertrauen in die Kommunen. Alles wird reguliert und von unterschiedlichen Behörden mehrfach kontrolliert.
Das Thema Bürokratieabbau ist bei jeder Landes- Bundes- und Europawahl seit Jahrzehnten Thema. Eine richtige Verbesserung konnte ich bisher nicht erkennen. Teilweise wirklich groteske Vorgaben und Vorschriften kosten unnötig Zeit und Geld, was uns anderswo wieder fehlt.
Der Abruf von Fördermitteln ist oft viel zu kompliziert und undurchsichtig. Mittlerweile braucht es bei großen Maßnahmen schon Ingenieurbüros, welche die Antragsstellung übernehmen. Das kann es nicht sein. Manchmal ist der Aufwand sogar größer als die Förderung selbst und somit werden Gelder überhaupt nicht in Anspruch genommen. Das ist niemanden vermittelbar.
Sie treten erneut an, diesmal ohne Gegenkandidaten. Was ist Ihre Motivation für eine weitere Amtszeit, und welche Ziele stehen ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste?
Die Herausforderungen in der kommenden Legislaturperiode werden sicher nicht einfacher. Die laufenden Projekte müssen abgeschlossen werden. Wir werden weiter frühzeitig in die Sanierung von Straßen-, Kanal- und Wasserbau investieren, um Folgekosten zu reduzieren. Die Planungen für den Hochwasserschutz in Baunach durch den Freistaat müssen endlich beginnen. Unsere Stützpunktfeuerwehr in Baunach braucht neue Räume. Der Glasfaserausbau soll flächendenkend durchgeführt werden. Auch das Thema Bürgerenergiegesellschaft mit dezentraler Energieversorgung wird uns beschäftigen. Es wird sicher nicht langweilig werden. Ich brenne für diese Aufgaben und bin bereit für mehr. Baunach ist meine Heimat, die ich weiter voranbringen möchte. Stillstand wird es mit mir nicht geben. Wichtig ist mir aber vor allem ein gutes Miteinander zum Wohle unserer schönen Stadt.
Zum Schluss: Was würden Sie den Wählerinnen und Wählern gerne persönlich mit auf den Weg geben, bevor sie am 8. März ihre Stimme abgeben?
Gehen sie zur Wahl! Demokratie lebt vom Mitmachen. Gerade bei der Kommunalwahl sieht man am ehesten, was die Politik vor Ort tut und wie sich Dinge entwickeln. Ich freue mich, wenn sie mich als Bürgermeister weiterhin dabei unterstützen. Für den Kreistag kandidiere ich auf Platz 3, Liste 6 des Bürgerblocks Landkreis Bamberg. Der nördliche Landkreis braucht hier starke Stimmen. Mit Herz und Verstand will ich mich weiter für unsere Heimat einsetzen. Wir haben noch viel vor!
Zur Person:
Tobias Roppelt, 43 Jahre, verheiratet, 2 Kinder
Gelernter Speditionskaufmann, 22 Jahre in der Transport- und Logistik Branche tätig, davon neun Jahre als Leiter der Disposition
Seit 24 Jahren politisch aktiv. Jugendbeauftragter, Stadtrat, stellvertretender Bürgermeister, seit 2020 1. Bürgermeister der Stadt Baunach und Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Baunach


