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Satire, Humor und Biertragerl

Hans Well kommt mit seinen Wellbappn, 15 Instrumenten und Bamberger Lokalkolorit am Sonntag, 10. Mai, in den Kulturboden nach Hallstadt. Im Interview geht es um das aktuelle Programm, aber auch um fränkisches Bier und sein Leergut aus Kemmern.

Er lebt zwar in Zankenhausen, sucht aber keinen Streit, sondern kommt als Friedensstifter in Richtung Bamberg(er CSU). Dies kündigt Hans Well (bald 73) in der ihm eigenen, ironisch-satirischen Art für seinen Auftritt mit den Wellbappn im Kulturboden am Sonntag, 10. Mai, um 19 Uhr an. Zudem freut er sich als „Bier-Botschafter“, der bei bestimmten Sorten nicht ganz bierernst rät, den Arzt oder Apotheker zu konsultieren, auf fränkische Gerstensäfte. Daher auch die Vorfreude auf seine Gastspielreise in Franken, wie der Texter der „Biermösl Blosn“, der jetzt nicht mehr mit seinen Brüdern, sondern mit Tochter Sarah und dem Hackbrettspieler Komalé Akakpo unterwegs ist, in einem Interview verriet. Dazu bringt er sogar fränkisches Leergut (aus Kemmern) mit…

Drei Gastspiele in Franken am Stück, wie lange seid Ihr heuer schon unterwegs?

Hans Well: Oh, wir haben im Januar und Februar schon eine starke Auftrittsserie hingelegt, was auch, aber nicht nur mit den Kommunalwahlen zusammenhing. Als Menschen, die sich für Politik interessieren, haben wir im Kommunalwahlkampf halt so einige Leute unterstützt.

Gibt es jetzt ein neues Programm?

Da kommt immer wieder ein Schwung hinzu, weil wir versuchen akut zu bleiben. Nicht unbedingt tagespolitisch aktuell, aber zeitgemäß. Wir greifen das auf, was passiert und die Leut‘ interessiert. Zum Beispiel die Folgen der fossilen Energie, die man jetzt so ausbadet, weil eine Frau Reiche seit einem Jahr die Bremse reinhaut beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Und das trotz der Wut an der Zapfsäule oder am Stromzähler, weil versäumt wurde, den Wechsel richtig anzuschieben. Da hat sich die Lobby der Fossilen leider durchgesetzt.

Die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen schlagen bis nach Bayern durch. Tauchen Präsident Trump und Ministerpräsident Söder in Eurem Programm auf?

Natürlich, weil Bayern prägt doch die weltpolitischen Entwicklungen mit, weil wir einen wahnsinnig starken Ministerpräsident haben. Und Bamberg ist ja fast der Nabel der Welt. Da muss Bamberg sein Licht gar nicht unter den Scheffel stellen. Wir wissen, dass in der Domstadt die Hölle los ist mit ihrer universal weltprägenden Partei, die sich eben gespalten hat. Wenn wir jetzt dort auftreten, möchten wir einen Rettungs- und Versöhnungsversuch für bedrohte Arten starten, nachdem der Markus Söder zwar die Bienen gerettet, aber vergessen hat, die Huml Melanie zu retten. Deswegen werden wir die Dinge geradebiegen. Ich werde die nächsten Tage dazu nutzen, diese Themen zu bearbeiten und bin zuversichtlich, dass wir auf dem Stand der Dinge und Zeitläufe sind. Aber das nicht bierernst, sondern den Humor-Faktor rauskehren, obwohl einem der Humor schon verreckenkönnt‘, wenn da einer von der Auslöschung einer Zivilisation redet. Aber das sagt ja einer, der täglich beweist, wie „zivilisiert“ er ist. Dann passt es wieder. Es gibt einem größeren Spielraum, wenn man sich vor Augen führt, dass in der größten Tragödie ein Teil von Komödie steckt.

Die lokalen Aspekte kommen also nicht zu kurz?

Mit Sicherheit nicht! Das ist ja der sportliche Anreiz. Das mache ich seit unseren Anfängen mit derBiermösl Blosn. Für die Texte mache ich mich über verschiedene Quellen kundig, rufe Leute an, die ich kenne und anzapfe. So bildet sich in relativ kurzer Zeit eine gesicherte Ahnung heraus, was sich gesellschaftlich und politisch so tut, sich einbauen lässt und einen Witz hergibt.

Welche Quellen sind denn das?

Das sind ganz unterschiedliche Leute, die ich frag‘. Natürlich werde ich nicht Melanie Huml persönlich belästigen. Es gibt noch gute Zeitungen in Franken. Und man kann ja auch nachfragen. Das macht mir Spaß und erweitert meinen Horizont. Und die 40 Zeilen, die da im ersten Text stehen, machen auch dem Publikum Spaß und werden mit guten Reaktionen quittiert.

Warum warnst Du auf Eurer Homepage vor dem Genuss bestimmter Biere?

Weil die meisten Münchner Biere nur noch mit Schmähbegriffen bedacht werden können. Ohne Lobhudelei: Das fränkische Bier ist den oberbayerischen Bieren um Welten überlegen, weil die fränkischen Brauereien klein geblieben sind, ihren individuellen Geschmack bewahrt haben und durch die Globalisierung der Biere nicht versaut wurden.

Da kommst Du im Kulturboden an den richtigen Fleck…

Jaja, da hab’ ich beim letzten Auftritt ein Tragerl mitbekommen. Das hat nicht lange überlebt. Der Kulturboden ist überhaupt eine fantastische Bühne, nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Da stehst auf der Bühne und hast einen sehr guten, direkten Kontakt zum Publikum. Ich bin da ein bisschen geschädigt, weil ich mit meinen Brüdern fast nur noch in großen Hallen oder Zelten gespielt habe. Da macht so ein Kulturboden durch den Publikumskontakt viel mehr Spaß. Da freun wir uns schon richtig drauf.

Und wie bekommt Ihr das Alphorn in den Kulturboden?

Ob wir das überhaupt mitbringen, weil’s doch ziemlich lang ist? Das kommt aufs Programm an. Wir haben schon den Kontrabass, die schwere Tuba und 13 andere Instrumente im Auto, das damit schon ziemlich vollgestopft ist. Schaun wir mal, ob wir das Alphorn noch unterbringen.

Und das alles am Muttertag…

Meine Ehefrau und die Schwiegermutter haben die Freigabe schon erteilt. Weil ich im Gegenzug versprochen habe, dass ich fränkisches Bier mitbringe. Das Tragerl mit den leeren Flaschen habe ich noch und bring‘ es mit. Vielleicht wird’s ja ausgetauscht vom netten Personal dort.

Und wie lange wirst Du noch auf der Bühne stehen?

Der Dieter Hildebrandt, der mit seinen 86 Jahren noch innerhalb von zwei Tagen aktuelle und geniale Sachen in sein Programm geschrieben hat, hat mich nach dem Platzn der Biermösl Blosn dazu verdonnert, weiterzumachen. Ich kann mir schon noch so vier, fünf Jahre vorstellen, vor allem, weil’s mit Sarah und dem Komalé ja betreutes Singen ist. Und so lang es mich gfreit, auf der Bühne so Ad-hoc-Geschichten zu reimen und einzubauen, habe ich noch große Lust weiterzumachen.

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Ralf Kestel