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Der Main als Wärme-Quelle – und der Abriss einer Brücke

Taugt der Main, um Hallstadt mit Wärme zu versorgen? Das war Thema im Hallstadter Stadtrat, als es um die Wärmeleitplanung ging. Aber auch der Abriss und Neubau der Brücke über die Autobahn beschäftigte das Gremium.

Der Lage am Fluss verdankt Hallstadt nicht nur seinen Namen (Hall = keltischen Ursprungs für Salz/-werk) und frühen Reichtum, weil über den Main schon in grauer Vorzeit Salz angeliefert und gehandelt wurde. Jetzt könnte der Main die Quelle erneuter Prosperität werden: als Energiequelle für ein Fernwärmenetz, das (fast) ganz Hallstadt im Zuge der Energiewende mit Wärme versorgt.

Diesen Vorschlag legte Projektleiter Markus Stark vom Institut für Energietechnik der Uni Amberg-Weiden am Mittwoch dem Stadtrat im Rahmen der ersten Ergebnisse für eine kommunale Wärmeplanung vor, wie sie von der Bundesregierung vorgeschrieben wird. Im Rahmen eigener Wärmeplanungen müssen Gemeinden und Städte ein Konzept entwickeln (lassen), wie bei schrittweiser Umsetzung in Zukunft alle Haushalte und Betriebe umweltfreundlich mit Wärme versorgt werden können. Das Zeitfenster reicht dabei bis 2045, wobei zunächst kein Anschluss- und Benutzerzwang vorgeschrieben ist, aber die künftige Bauleitplanung betroffen ist. Ein Zukunftsprojekt also.

Dazu bedarf es zunächst einer Bestandsaufnahme. Die hat Projektleiter Stark größtenteils schon vorgenommen, den Gebäudebestand und die städtischen Liegenschaften erfasst, die Stadtwerke Bamberg und Kaminkehrer befragt, bei Gewerbe- und Industriebetrieben angeklopft, welchen Bedarf sie haben und ob sie gegebenenfalls Abwärme beisteuern könnten. Ein Zwischenergebnis: Der Wärmebedarf für ganz Hallstadt liegt bei 92 Gigawatt-Stunden im Jahr (GWh/a). Stark: „Das entspricht 400 Sattelzügen voller Heizöl.“ Ein weiteres Ergebnis der Bestandserhebung verblüffte nicht nur Veit Popp (CSU): „90 Prozent der Wärme kommt noch aus fossilen Brennstoffen, deshalb müssen wir transformieren“, so der Referent.

Ein Glücksfall für Hallstadt

Wo soll die Energie herkommen? Diese Frage haben sich die Fachleute am Institut für Energietechnik auch gestellt und mehrere Varianten untersucht. Klarer Favorit neben der Abwärme (wie sie im Gewerbegebiet am Laubanger aus Kläranlage und Müllverbrennung schon genutzt wird): „Der Main bietet ein riesengroßes Potenzial mit seinen 10.000 Litern in der Sekunde, die selbst bei Niedrigwasser an Hallstadt vorbeifließen.“ Dabei denkt Projektleiter Stark nicht an einen Staudamm, sondern an die Entnahme von 100 bis 500 Litern in der Sekunde und die Nutzung der Wasserwärme. „Bei zwei Grad Wärmeentzug aus dem Wasser ließen sich 220 Gigawattstunden im Jahr erzeugen.“ Mehr als das Doppelte des aktuellen Verbrauchs. Hallstadts Vorteil dabei: das vorhandene Ausleitungsbauwerk, mit dem das frühere Michelinwerk mit (Kühl-)Wasser versorgt wurde. Stark: „Ein Glücksfall für Hallstadt.“ Erster Bürgermeister Thomas Söder: „Das Flusswasser bietet ein riesiges Potenzial, das wir noch nie gesehen hatten, zumal wir mit dem Cleantech Innovation Park als Rechtsnachfolger von Michelin auch noch das Wasserentnahmerecht haben.“

„Wie kriegt man aus zwei Grad Wasser 90 Grad Heizungsvorlauf?“, wunderte sich Veit Popp. Für Markus Stark kein Hexenwerk: „Durch Verdichtung über einen Wärmepumpen-Prozess in größerer Dimension, technisch machbar.“ Ein solche Anlage könnte westlich der Valentinstraße, auf der gegenüberliegenden Mainseite oder auch in Hallstadt-Süd entstehen. Festlegungen dazu gebe es noch nicht.

Mehr Probleme sah Stark bei einer Wasserstoffnutzung. „Hallstadt ist im bayerischen Kernnetzplan 36 Kilometer von einer Anschlussmöglichkeit an eine Wasserstoffleitung entfernt. Eine Eigenerzeugung wäre nur mit viel Stromeinsatz aus Freiflächen-Photovoltaikanlagen theoretisch möglich, bedarf aber einer Riesen-Investition.“

Dr. Hans Partheimüller (CSU) fragte nach der Wärme aus Abwasserkanälen, die laut Stark genutzt werden kann, aber nur eine untergeordnete Rolle spiele. Auch setzt Stark auf die Abwärme aus Industriebetrieben, wozu einige sich schon bereit erklärt hätten. Claudia Büttner (BBL/FW) hatte mit Blick nach Bad Staffelstein die Geothermie im Sinn, was für den Projektleiter mit „großem Risiko und wenig Hoffnung auf Wirtschaftlichkeit“ verbunden war, da bei einer Tiefbohrung, die viel Geld koste, die Fundwahrscheinlichkeit gering sei.  

Der nächste Schritt sei, so Stark, die Stadt in Quartiere einzuteilen, in denen ein Netzausbau sinnvoll und wirtschaftlich sei, was in Fünf-Jahres-Schritten immer wieder überprüft werden soll. Für wahrscheinlich hält er einen Beginn im Bereich des Brose-Werkes, evtl. auch im Wohngebiet an der Autobahn entlang. Doch so weit ist es noch längst nicht. Die nächsten anstehenden Schritte sind eine Machbarkeitsstudie für die Altstadt, Bürger-Informationen und Betreiber-Stammtische.  „Diese Studie ist der erste Schritt, um daraus Projekte zu entwickeln, um an Fördermittel zu kommen“, so Stark, wobei Bürgermeister Söder bis Ende Juni zumindest die Machbarkeitsstudie beschlossen haben möchte. Verena Luche (Die Grünen) lobte die „strategische und positive Planung, die für künftige Generationen wichtig“ sei.

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Weitere Themen aus dem Hallstadter Stadtrat

Vollsperre zwischen Hallstadt und Bamberg: Im Zuge des Ausbaus der Maintalautobahn zwischen den Anschlussstellen Hafen und dem Bamberger Kreuz wird die Brücke der einstigen Bundesstraße 4 zwischen Hallstadt und Bamberg abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Aus diesem Grund erfolgt ab Montag, 15. Juni, bis Ende November eine Vollsperrung der wichtigen Verkehrsbindung zwischen den Nachbarstädten, was große Probleme aufwerfen dürfte. Um die zu mildern, sind Abstimmungen mit vielen Beteiligten notwendig, wie Bürgermeister Söder eingestand, nicht nur wegen der Stadtbuslinien. Dabei sprach Ludwig Wolf (BBL/FW) die für Autofahrer angedachte Umleitung mit Einbahnregelung über die zwei Brücken an, die von der Flur zwischen Main und Autobahn über diese ins Gewerbegebiet Laubanger führen (Kufky-Weg, Achterbrücke). Die Sperrung wegen des anstehenden Abrisses über Autobahn und Seebach fällt vergleichsweise kurz aus, weil der Ersatzneubau bereits in den nächsten Tagen unmittelbar neben der Bestandsbrücke beginnt, die dann im Einschubverfahren in die bestehende Trasse eingefügt wird. Die Hauptlast der wegfallenden, vielgenutzten Verkehrsader wird mit Sicherheit der Berliner Ring aufnehmen müssen. Für April kündigte Bürgermeister Söder eine Bürgerversammlung in Hallstadt an, um dann alle Details in Sachen Umleitungen und Stadtbuslinien darzulegen, nachdem die Autobahn GmbH den ursprünglichen Zeitplan – Abrissbeginn bereits Ende April – nach hinten verschoben hat, wie die Stadtverwaltung aktuell am Montag erfahren habe.

Weiteres Brückenproblem: Neue Hoffnungen auf eine Lösung für die seit Jahren nur mittels Ampelregelung einspurig nutzbare Brücke über den Main zwischen Hallstadt und Dörfleins hegt Bürgermeister Söder aufgrund eines anstehenden Besprechungstermins im (Straßen-)Bauamt. „Dabei kommt auch der Zustand der Bamberger Straße zur Sprache“, die als Staatsstraße zum Zuständigkeitsbereich der Kronacher Behörde gehört. Ebenso wie die Mainbrücke. „Dabei hat eine von uns in Auftrag gegebene Verkehrszählung gezeigt, wie wichtig diese Straße ist, und uns kräftige Argumente liefert.“ Wie aus Stadtratskreisen zu erfahren war, liegen die Zahlen weit über den bisherigen Erhebungen des Straßen-Bauamtes.

Ende der Regionalwerke: Mit großer Mehrheit stimmte der Stadtrat der Auflösung zu. Bürgermeister Söder: „Das Projekt hat nicht den Weg genommen, den man sich erhofft hatte.“

Ralf Kestel. Titelfoto: Johannes Michel