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Mundart und fränkische Tradition feierten Jubiläum

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums veranstaltet die Volksmusikgruppe Kemmärä Kuckuck ein „Fränkisches Mariensingen“ am Sonntag, 31. Mai 2026, um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Kemmern. Der Geburtstag wurde zudem bereits mit einem Festkommers begangen.

Den kirchlichen Teil der Feierlichkeiten gestalten die Jubilare „Kemmärä Kuckuck“, der „Graatzer Dreigesang“ unter der Leitung von Heinrich Geßlein und die „Steigerwälderinnen“ Lissi und Rita. Neben vorgetragenen Stücken wie „Zu dir o Maria“, „Geleite durch die Wellen“ oder „Abendgruß an Maria“ werden auch allgemeine Marienlieder gesungen und Texte zu Maria gelesen. Die Musikerinnen und Musiker laden am 31. Mai herzlich ein!

Bereits am 18. April hat im Pfarrheim in Kemmern mit vielen Erinnerungen, persönlichen Begegnungen und einem Blick zurück auf vier Jahrzehnte voller Musik und Gemeinschaft, der Festkommers stattgefunden. Hier wurde deutlich, wie eng die Geschichte der Gruppe mit dem kulturellen Leben des Ortes verbunden ist.

Schon der gemeinsame Auftakt mit dem Lied „Wohlauf die Luft“ sorgte für die passende Atmosphäre. Begrüßt wurden die Gäste von Joseph Haderlein, Maria und Josef Kutzelmann, Josefine Walther und Hans-Dieter Ruß. Unter den Ehrengästen befanden sich zahlreiche Vertreter aus Kirche, Politik und Heimatpflege.

Pfarrer Helmut Hetzel erinnerte dabei an die langjährige Verbindung der Gruppe zur Oberen Pfarre in Bamberg, wo die „Kemmärä Kuckuck“ seit vielen Jahren Fränkische Mariensingen gestalten. Auch bei Veranstaltungen in der Filialkirche St. Urban sowie im Pfarrheim seien die Musikerinnen und Musiker bei Heimat- und Tanzabenden über Jahrzehnte hinweg aktiv gewesen. Besonders hob er hervor, wie viele Menschen die Veranstaltungen regelmäßig anziehen und welche Spendensummen dabei bereits zusammenkamen.

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Botschafter fränkischer Musik und Kultur

Auch Bürgermeister Rüdiger Gerst würdigte die kulturelle Bedeutung der Gruppe für die Gemeinde. Er dankte den Mitgliedern für die musikalische Begleitung zahlreicher Veranstaltungen und erinnerte unter anderem an den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Landtagsabgeordneter Holger Dremel bezeichnete die Gruppe als echte Botschafter fränkischer Musik und Kultur. Die Vertreterin des Landesvereins für Heimatpflege Carolin Pruy-Popp, sowie die Vertreter der ARGE Fränkische Volksmusik Bezirk Oberfranken, Bertram Popp und Ehrenvorsitzender Jürgen Gahn betonten ebenfalls die gute Zusammenarbeit und die Bedeutung der Gruppe für die Pflege fränkischer Traditionen im westlichen Landkreis. Gahn lobte die Aktivitäten von Hans-Dieter Ruß, der über 24 Jahre als zweiter Vorsitzender tätig war und noch heute mit die meisten Veranstaltungen für die ARGE organisiert. Waltraud Ruß, Vorsitzende der Trachtengruppe Kemmern, dankte der Gruppe für die vielen Feste, Gottesdienste und Veranstaltungen, die sie bereits für den Verein gestalteten und mit ihrer Musik umrahmten, wie auch Dieter Wächler vom Heimat- und Verschönerungsverein Burgebrach, bei dem auch die Kemmärä Kuckuck seit drei Jahrzehnten aktiv sind. Krippenbaumeister Karl-Heinz Exner erwähnte die vielen Krippenausstellungen deutschlandweit, die von der Gruppe musikalisch umrahmt wurden.

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Hans-Dieter Ruß (Mitte) mit den Ehrengästen beim Festkommers.

Zum Jubiläum gehörte auch ein Totengedenken. Marion Töppke erinnerte besonders an die verstorbenen Mitglieder Sylvia Brehm, Edith Haderlein, Georg Walther und Gründungsmitglied Hermann Utter, der erst im vergangenen Jahr verstorben war.

Weg mit dem Kassettenrekorder!

Dass ausgerechnet technische Probleme den Anstoß zur Gründung gaben, wirkt heute fast schon charmant nostalgisch. Denn ursprünglich gehörten die Musikerinnen und Musiker zur Trachtengruppe Kemmern, die ihre Auftritte in den 1980er-Jahren noch mit einem Kassettenrekorder begleitete. Doch oft fehlte bei Veranstaltungen der passende Stromanschluss – oder die benötigte Musik musste mühsam auf dem Band gesucht werden. Aus dieser Not entstand schließlich eine Idee: Warum nicht die Musik einfach selbst machen?

So fanden sich 1986 mehrere Mitglieder zusammen und gründeten das „Kreuzberg-Quartett“. Marion Töppke spielte Hackbrett, Hermann Utter wechselte von der Geige zum Kontrabass, Hans-Dieter Ruß übernahm das Akkordeon und Joseph Haderlein brachte die Mandoline mit ein. Die ungewöhnliche Besetzung sei nie akademisch geprägt gewesen, sondern vor allem von Freude an der Musik, heißt es im Rückblick der Gruppe. Schon bald entwickelte sich daraus mehr als eine reine Begleitmusik für Volkstänze. Mit Sylvia Brehm an der Gitarre sowie mehreren Sängerinnen wuchs die Formation weiter. Gleichzeitig entstand der Name „Kemmärä Kuckuck“ – angelehnt an den Spitznamen der Kemmerner Bürgerinnen und Bürger und unabhängig von einer festen Gruppengröße.

Beim Jubiläumsnachmittag standen daher nicht nur Zahlen und Daten im Mittelpunkt, sondern vor allem Geschichten aus vier Jahrzehnten Vereinsleben. Hans-Dieter Ruß, der seit Beginn die Gruppe leitet, bei dem Noten und Instrumente untergestellt sind und regelmäßig Musikproben gehalten werden, erinnerte in seinem Rückblick an zahlreiche gemeinsame Erlebnisse, Reisen und Auftritte. Besonders prägend seien unter anderem Heimatabende in Ungarn gewesen, bei denen sogar ein ungarisches Fernsehteam über die Gruppe und fränkische Traditionen berichtete. Hinzu kamen Auftritte im Bundestag in Bonn und Berlin, sowie Reisen nach Frankreich und Österreich. Auch Krippenausstellungen in verschiedenen Regionen Deutschlands und sogar in der Peterskirche in Wien gehören zur Geschichte der Gruppe.

Beeindruckend ist auch der Umfang des musikalischen Wirkens: Insgesamt 1.580 Auftritte hat die Gruppe in den vergangenen vier Jahrzehnten absolviert. Darunter waren nicht nur Tanz- und Heimatabende, sondern vor allem 760 kirchliche Veranstaltungen, wie Fränkische Mariensingen, Passions- und Adventssingen oder Gottesdienste. Dabei traten die Mitglieder stets in ihrer fränkischen Tracht auf, deren Besonderheit die Knöpfe mit dem Kemmerner Wappen sind. Ein Schwerpunkt liegt bis heute auf sozialen Auftritten. Regelmäßig besucht die Gruppe Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen in Baunach, Kutzenberg, Breitengüßbach, Hallstadt, Bamberg und Kemmern, um älteren Menschen mit Musik und Gesang Freude zu bereiten, was bei diesem Fest besonderer deutlich wurde.

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Fränkischer Melodienstrauß

Neben dem offiziellen Rückblick sorgten auch kleine Episoden aus dem Gruppenleben für viele Schmunzler im Saal. So erzählte Hans-Dieter Ruß von einer Fahrt nach Wien, bei der es bereits auf dem Hinweg eine Reifenpanne gab und nach dem Auftritt in der Peterskirche der Kontrabass auf spiegelglattem Untergrund umstürzte und der Hals abbrach.

Musikalisch umrahmt wurde der Festkommers von langjährigen Wegbegleitern und befreundeten Gruppen. Die Frauenschola Kemmern mit der Leiterin Sigrid Burkard, die Graatzer Hechten mit Heinrich Geßlein, die Kronicher Maala unter der Leitung von Monika Tscheritschek, sowie Musica Crebiz mit Manfred Krebs an der Spitze und die Jubilare gestalteten gemeinsam einen „Fränkischen Melodienstrauß“, bei dem auch das Publikum kräftig mitsang. Mit dem gemeinsam gesungenen „Kein schöner Land“ endete ein abwechslungsreicher und harmonischer Festnachmittag.


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