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Warum die Schwimmbäder so wertvoll sind – und was dringend passieren muss

Jahr für Jahr kehrt, wenn der Marktgemeinderat in Zapfendorf über den Haushalt berät, ein Thema wieder: Das Schwimmbad. Denn mit dem Freibad Aquarena [1] macht Zapfendorf jährlich Verluste. Und auch andere Bäder sind Zuschussbetriebe. Was muss passieren, damit sie erhalten bleiben können? Mehrere Bürgermeister aus Oberfranken haben sich zusammengeschlossen und fordern mehr staatliche Unterstützung.

Die Stadt Hallstadt profitiert seit langem von hohen Steuereinnahmen, insbesondere aus der Gewerbesteuer. Und kann sich damit leisten, das Freibad jährlich mit einem hohen sechsstelligen Betrag zu subventionieren. Und auch der Markt Zapfendorf legt pro Jahr einen sechsstelligen Betrag drauf. Große Sanierungsmaßnahmen nicht eingeschlossen.

Und eben jene Sanierungen können viele Kommunen finanziell nicht mehr schultern. In Zeil am Main wurde im Herbst das Hallenbad eben aus jenem Grund geschlossen. Denn die Stadt konnte sich umfangreiche Sanierungen über die Jahre nicht leisten, so dass nun nur noch ein Neubau in Frage käme. Der ist mit sieben bis acht Millionen Euro nicht nur sehr teuer, die Kosten überschreiten auch die maximale Fördersumme von 4,5 Millionen Euro, die im Bayerischen Finanzausgleichsgesetz festgelegt ist. Zwar beträgt der Fördersatz bis zu 90 Prozent, durch die Überschreitung aber würde Zeil am Main drei bis vier Millionen Euro selbst tragen müssen – zu viel. Sanierungsbedarf gibt es auch in Scheßlitz, Bürgermeister Roland Kauper rechnet mit rund 500.000 Euro für die Neugestaltung von Umkleiden, Duschen und Toiletten sowie ein neues Dach. Auch Filteranlage, Zuleitungen und Pumpen müssen erneuert werden, ebenso das Kinderplanschbecken.

Bürgermeister aus der Region kämpfen zusammen für den Erhalt von Schwimmbädern und mehr Fördergelder. Im Bild: Roland Kauper, Scheßlitz, Johann Pfister, Bischberg, Thomas Stadelmann, Zeil am Main, Stefan Paulus, Knetzgau, Volker Dittrich, Zapfendorf.

Auch in Knetzgau steht die Sanierung eines Schulschwimmbades an. Die Kosten aber sind von der Kommune allein nicht zu schultern. Ca. 2,5 Millionen Euro sind veranschlagt. „Unser Schwimmbad wird überwiegend von den Schulklassen aus Knetzgau, Rauhenebrach, Oberaurach, aber auch der Förderschule Haßfurt und Grundschule Eltmann besucht. „Wir benötigen dringend die Unterstützung von Bund und Land, allein können wir Kommunen diese Bäder nicht sanieren und unterhalten“, so Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus.

Und, nicht zu vergessen: Ein Frei- oder Hallenbad verursacht hohe Betriebskosten für Maschinentechnik, Personal und die Erwärmung des Wassers. In Zapfendorf sähe die Situation deutlich schlechter aus, wenn nicht die Abwärme der Bayerischen Milchindustrie für die Beheizung der Becken genutzt werden könnte.

Beim Sommernachtsfest im Aquarena in Zapfendorf herrscht jedes Jahr ein ganz besonderes Flair.

Immer weniger Kinder können richtig schwimmen

Was wäre für die Kommunen, die ein Bad betreiben, wichtig? Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich fasst zusammen: „Wir brauchen dringend hohe Fördersummen und -Quoten, die dann aber auch für die Sanierung aller Bereiche eines Schwimmbades gelten, ohne Ausnahmen. Das bedeutet: Auch Umkleiden oder Grünflächen sollten nicht ausgenommen werden. Außerdem wäre eine weitere wesentliche Unterstützung, Zuschüsse für laufende Kosten zu erhalten. Dazu gehören die Personalkosten und der Unterhalt, Verbrauchsmaterialien und Betriebsstoffe.“ Denn ohne Schwimmbäder kämen auch auf die Gesellschaft Probleme zu.

Bischbergs Bürgermeister Johann Pfister erklärt, dass alle Kommunen, die öffentliche Bäder betreiben, Defizite tragen, obwohl nicht nur die eigenen Bürgerinnen und Bürger davon profitieren. „Schulschwimmunterricht, DLRG-Veranstaltungen, VHS-Schwimmkurse auch für Erwachsene, Seniorenkreise, Triathleten Training, etc. nutzen unser Hallenbad, womit dieses auch der Volksgesundheit in vielfältiger Weise dient.“ Deshalb ist es nach seiner Meinung erforderlich, dass auch die laufenden Kosten eine staatliche Förderung benötigen. Über die Eintrittspreise können die Defizite nicht ausgeglichen werden, weil sonst die meisten Badegäste sich den Besuch nicht mehr leisten könnten.

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In den Schwimmbädern finden auch Kurse und besondere Aktionen statt, wie etwa das „Integrative Schwimmfest“ [3] in Zapfendorf.

Laut „Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft“ (DLRG), die sich auf eine repräsentative Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 beruft, sind fast 60 Prozent der Zehnjährigen heute keine sicheren Schwimmer mehr. „Die Schwimmfähigkeit der Kinder im Grundschulalter ist weiterhin ungenügend. Im Durchschnitt besitzen nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen“, erklärte DLRG-Präsident Achim Haag bei der Präsentation dieser Zahlen, wie der Internetseite der DLRG zu entnehmen ist. „Als sicherer Schwimmer kann nur gelten, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze sicher beherrscht. Alle Experten, Sportwissenschaftler und unsere Ausbilder sind sich einig, dass die Prüfungsanforderungen des Seepferdchens dafür zu gering sind.“ Und eine Information darf dabei nicht unter den Tisch fallen: Zwar absolvieren fast 80 Prozent der Kinder das Seepferdchen – es ist aber kein Schwimmabzeichen, sondern lediglich eine Bescheinigung dafür, dass sich das Kind auf einer Stecke von 25 Metern über Wasser halten kann.

Auch viele Bäderschließungen haben zu dieser Lage beigetragen – und weitere sollen verhindert werden. „Nicht nur die Schwimmausbildung für alle Altersschichten sollte uns eine Motivation sein, die Bäder zu erhalten. Ebenso wichtig ist der hohe Freizeitwert der Schwimmbäder, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Denn die Bäder sind auch ein Treffpunkt, nicht nur zum Schwimmen. Unser Aquarena beispielsweise bietet nicht „nur“ Schwimmen, hier können auch Fußball, Basketball und Beachvolleyball gespielt werden, es gibt einen Spielplatz und einen Cafébetrieb“, so Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich.

Tipp zum Weiterlesen: Schon vor sechs Jahren haben wir von Nachrichten am Ort uns ausführlich mit dem Thema „Schwimmbäder“ beschäftigt und damals insbesondere Hallstadt und Zapfendorf näher betrachtet. Mehr lesen Sie im Artikel Freibäder: Klotz am Bein oder wichtiger Standortfaktor? [4]