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Bio: Gut zu wissen, was alles nicht im Essen steckt

Sie sind gesünder, Ressourcen schonender produziert und schmecken besser. Während das letzte eindeutig eine subjektive Wahrnehmung ist, treffen die ersten beiden Punkte auf Bio-Lebensmittel absolut zu. Aber wie produziert man ökologisch und was sind die Unterschiede zum konventionellen Landbau? Das haben wir uns vor Ort auf dem Biohof der Abtei Maria Frieden in Kirchschletten vom dortigen Verwalter Andreas Schwab erklären lassen.

Ganz klar, auch ein Biohof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb und muss rentabel wirtschaften. Da geht es nicht darum, „wieder die Pferde vor den Pflug zu spannen“. Da werden schon auch schweres Gerät und die Errungenschaften der Technik und Forschung eingesetzt. Dennoch wird im Sinne der EU-Ökoverordnung (ein Richtlinienkatalog von über 700 Seiten) Landwirtschaft betrieben, mit dem Augenmerk auf die natürlichen Bedingungen und unter Zuhilfenahme ursprünglichen Wissens der Boden bearbeitet, Nutztiere gehalten und Saatgut vermehrt. Viel erinnert dabei an die eigentliche Aufgabe des Landbaus, die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln im Jahreskreislauf. Auf chemische Düngemittel oder Pestizide zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung wird verzichtet. Biohöfe unterliegen unabhängigen und jährlichen Kontrollen, die zum Beispiel den Zustand des Bodens und die Lebensbedingungen der Tiere prüfen. Landwirte wie Andreas Schwab, die den Bio-Gedanken leben, schließen sich zudem Bio-Verbänden (wie Bioland, Demeter) an, die in den 1990er-Jahren aus privaten Initiativen entstanden sind und meist noch strengere Richtlinien für eine ökologische Landwirtschaft haben. Es wird streng kontrolliert, dass neue Pflanzen, Samen und Futtermitteln ebenfalls nur in Bioqualität in den Betrieb kommen. Anhand von Kontrollnummern der Betriebe können jederzeit der Betrieb und die Lieferwege nachvollzogen werden. 

Bio-Serie Abtei Kirchschletten 2014 [1]
Nachrichten-am-Ort-Redakteurin Lena Thiem im Gespräch mit Andreas Schwab.

Wachstum wohin?

Wie die konventionelle Landwirtschaft auch, stehen Biohöfe zunehmend unter dem Druck, dass sich große Betriebe durchsetzen. Während in der konventionellen Landwirtschaft Wachstum und Produktivität unter anderem mit Dünger, Pestiziden und Antibiotika in der Massentierhaltung gesteigert werden, um die große Nachfrage an Fleisch, Geflügel und weiteren Lebensmitteln abzudecken, sehen die Bio-Verbände und die ihnen angeschlossenen Landwirte dies mit großen Bedenken. Denn wie weit kann Wachstum gehen? Nicht nur, dass der Mensch Gifte mit dem Essen zu sich nimmt. Umweltbelastung, Belastung der Böden und des Trinkwassers durch Überdüngung und Pestizide, das Auslaugen der Böden durch Monokulturen, nicht artgerechte Haltung und Mästung der Nutztiere sind nur ein paar Aspekte, die die Biolandwirtschaft zu vermeiden sucht, denn Nachhaltigkeit und Ressourcen-Schutz sind in Zeiten, in denen in vielen Ländern Mangelernährung und Hunger herrschen, enorm wichtig: „In 30 Zentimetern Krume liegt das Fortbestehen unserer Gesellschaft“, so Andreas Schwab. „In einem Fingerhut Humus stecken mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt.“

Die Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen wird mittels der sogenannten siebenfeldrigen Fruchtfolge weiter gefördert, anstatt Unkraut und Schädlinge mit chemischen Mitteln zu bekämpfen oder das Feld mit Nitrat-Dünger zu überziehen. Auf ökologischen Höfen wird der natürliche Kreislauf in die Produktion einbezogen. So werden die Anbauflächen und Streuobstwiesen immer wieder durch Rinder und ein paar Schafe beweidet und so die Artenvielfalt gestärkt. Prophylaktische Antibiotika-Gaben an die Nutztiere sind nicht nötig, denn es wird auf artgerechte Haltung mit gesundem Futter, genug Auslauf und Tageslicht geachtet und dafür gesorgt, dass die Tiere nach Möglichkeit erst gar nicht krank werden. Pflanzenrückstände, Wurzeln und der Dung der Tiere ergeben einen nährstoffreichen Düngung und bereiten den Boden für einen ausreichenden Ertrag.

Bio-Serie Abtei Kirchschletten 2014 [2]
Glückliche Hühner auf dem Bauernhof.

Der Verbraucher bestimmt die Produktionsbedingungen

Und dennoch ist es heimischen, mittelständischen und Klein-Bauern nur selten möglich – trotz staatlicher Subventionen, ihre regionalen Produkte zu den gleichen Preisen im Handeln anzubieten, wie importierte Bioware oder konventionelle Lebensmittel. Viele Bauern bieten ihre Waren daher im Direktvertrieb an. Hier kommt der Verbraucher ins Spiel, durch sein Kaufverhalten beeinflusst er die Produktionsbedingungen. Wer nur günstig Lebensmittel einkaufen will, wird auch nur günstige Qualität bekommen.

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Bewusstsein schaffen

Ein Bewusstsein schaffen für den ökologischen Kreislauf, für das, was uns die Natur bietet ohne Raubbau an ihr zu betreiben, das ist für Andreas Schwab schon fast eine Mission. Das ist sicherlich ein Grund, warum er im Schnitt jeden zweiten Tag verschiedene Gruppen auf dem Biohof in Kirschletten zu Gast hat und durch den Betrieb führt. Er gibt so nicht nur Kollegen und Jung-Landwirten Anstöße für biologische Bewirtschaftung, sondern auch Schulklassen einen Einblick in seine Arbeit und Anregungen zum Erhalt der Natur.

Sein Appell an die Verbraucher ist, sich bewusst mit den Lebensmitteln, den Produktionsbedingungen und der Herkunft zu beschäftigen. Natürlich ist das erst einmal mit Arbeit verbunden. Aber durch die Kennzeichnung der Produkte mit Kontrollnummern, kann man da mit einem Blick auf die Verpackung sehr schnell sehen, wo etwas produziert wurde. Label von Bio-Verbänden sollen dem Verbraucher zusätzliche Orientierung geben. Für Andreas Schwab ist „saisonal, regional, bio“ ein guter Ansatz für Kunden. Die Ideen und Qualität der Bio-Betriebe allein in Franken ist seiner Meinung nach unschlagbar. Auch das gilt es, für die nächsten Generationen zu bewahren, in dem wir die regionalen Anbieter mehr unterstützen.

Die weiteren Teile unserer Bio-Serie:

Viele Fotos von unserem Besuch auf dem Biohof finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

Text: Lena Thiem, Fotos: Johannes Michel