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Los entscheidet über Breitengüßbachs Bürgermeister-Stellvertreter

Im Titelbild: Stefan Schor wurde als Zweiter Bürgermeister vereidigt.

In der Wahlperiode 2020 bis 2026 muss Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder mit einem neuen zweiten und einem neuen dritten Bürgermeister zusammenarbeiten. Denn in der konstituierenden Sitzung zeigte sich aufgrund der geänderten Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat schnell, dass scheinbar ein etwas anderer Wind weht …

Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder begrüßte am 12. Mai 2026 zunächst die neuen Mitglieder des Gremiums und rief zu einer konstruktiven Zusammenarbeit auf. Man wolle „die besten Lösungen über alle Fraktionen hinweg für die Gemeinde Breitengüßbach finden“. Zugleich warb sie dafür, auch kompromissbereit zu sein und die traditionell hohe Bürgerbeteiligung im Ort weiter zu fördern. Vereidigt wurden sieben neu gewählte Gemeinderatsmitglieder: Leonhard Wagner (CSU), Peter Förner (FWZ), Tobias Aue (Grüne), Rainer Kroack (FWU), Andreas Schuster (FWU), Vanessa Zeis (UBB) und Christian Birk (UBB).

Schon früh zeichnete sich ab, dass die neue Sitzverteilung im Gemeinderat Auswirkungen auf die personellen Entscheidungen haben würde. Bei der Wahl zum Zweiten Bürgermeister trat der bisherige Amtsinhaber Alexander Porst (SPD) erneut an. Gegenkandidat war Stefan Schor von der CSU, der bei der Bürgermeisterwahl 2020 gegen Reinfelder kandidiert hatte. Vorgeschlagen wurde Schor von Gemeinderätin Tina Povrzan, Porst von Karin Schneiderbanger-Vogt. Die Abstimmung entwickelte sich zu einem Krimi: Sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlgang entfielen jeweils acht Stimmen auf Schor und acht Stimmen auf Porst. Damit musste das Los entscheiden. Das älteste Gemeinderatsmitglied, Bernhard Milsch, zog schließlich den Namen von Stefan Schor, der damit neuer Zweiter Bürgermeister wurde.

Ein nahezu identisches Bild ergab sich wenig später bei der Wahl zur Dritten Bürgermeisterin beziehungsweise zum Dritten Bürgermeister. Die bisherige Amtsinhaberin Karin Schneiderbanger-Vogt trat erneut an, Gegenkandidat war Andreas Schuster von der FWU. Wieder endeten beide Wahlgänge mit einem Patt von acht zu acht Stimmen. Erneut musste Bernhard Milsch das Los ziehen – diesmal mit dem Ergebnis zugunsten von Andreas Schuster, der danach zum neuen Dritten Bürgermeister vereidigt wurde.

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Andreas Schuster ist neuer dritter Bürgermeister der Gemeinde Breitengüßbach.

Die beiden Entscheidungen standen auch im Zusammenhang mit den veränderten Mehrheitsverhältnissen im neu gewählten Gemeinderat. Dass es überhaupt zu den Patt-Situationen kommen konnte lag auch daran, dass CSU-Gemeinderätin Anja Franz bei der Sitzung fehlte. Bürgermeisterin Reinfelder dankte nach den Wahlen sowohl Porst als auch Schneiderbanger-Vogt ausdrücklich für die Zusammenarbeit in den vergangenen sechs Jahren.

Neben den Personalentscheidungen verabschiedete der Gemeinderat mehrere organisatorische Regelungen für die neue Wahlperiode. Das Sitzungsgeld für Gemeinderatsmitglieder steigt von bislang 45 auf künftig 50 Euro. Zudem wurde die Grenze für die eigenständige Bewirtschaftung von Haushaltsmitteln durch die Bürgermeisterin von 13.000 auf 27.000 Euro erhöht. Sowohl die Satzung zur Regelung des örtlichen Gemeindeverfassungsrechts als auch die neue Geschäftsordnung wurden einstimmig beschlossen.

Ausschüsse und Verbände neu besetzt

Auch die Ausschüsse sowie die Vertretungen in verschiedenen Verbänden wurden neu festgelegt.

Haupt- und Finanzausschuss
(Vorsitz: Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder, Stellvertretung zweiter/dritter Bürgermeister)

MitgliedErste StellvertretungZweite Stellvertretung
Karin Schneiderbanger-Vogt (UBB)Peter KießlingerChristian Birk
Vanessa Zeis (UBB)Markus ZellerKießlinger
Stefan Schor (CSU)Tina PovrzanAnja Franz
Andreas Schuster (FWU)Rainer Kroack
Peter Förner (FWZ)Bernhard Milsch
Tobias Aue (AG SPD/Grüne)Alexander Porst

Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss
(Vorsitz: Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder, Stellvertretung zweiter/dritter Bürgermeister)

MitgliedErste StellvertretungZweite Stellvertretung
Markus Zeller (UBB)Vanessa ZeisPeter Kießlinger
Christian Birk (UBB)Karin Schneiderbanger-VogtVanessa Zeis
Leonhard Wagner (CSU)Anja FranzStefan Schor
Rainer Kroack (FWU)Andreas Schuster
Bernhard Milsch (FWZ)Peter Förner
Alexander Porst (AG SPD/Grüne)Tobias Aue

Rechnungsprüfungsausschuss

MitgliedErste StellvertretungZweite Stellvertretung
Peter Kießlinger (UBB)Karin Schneiderbanger-VogtVanessa Zeis
Christian Birk (UBB)Markus ZellerKarin Schneiderbanger-Vogt
Tina Povrzan (CSU)Anja FranzLeonhard Wagner
Rainer Kroack (FWU)Andreas Schuster
Peter Förner (FWZ)Bernhard Milsch
Alexander Porst (AG SPD/Grüne)Tobias Aue

Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses wurde CSU-Gemeinderätin Tina Povrzan. Als Stellvertreter erklärte sich schließlich Christian Birk bereit, nachdem sowohl Alexander Porst (hier findet eine Rotation mit Tobias Aue als Mitglied statt, was einen Posten im Vorsitz nicht möglich macht) als auch Rainer Kroack nicht zur Verfügung standen.

Für den Schulverband Breitengüßbach wurden neben Bürgermeisterin Reinfelder außerdem Karin Schneiderbanger-Vogt, Anja Franz und Andreas Schuster als Verbandsräte bestimmt. In den Zweckverband „Kommunale Selbsthilfe“ entsendet die Gemeinde neben Reinfelder künftig Markus Zeller und Bernhard Milsch. Als Aufsichtsräte der Entwicklungsgesellschaft Breitengüßbach wurden Sigrid Reinfelder und Alexander Porst benannt.

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Der neue Gemeinderat. Auf dem Foto fehlt Anja Franz.

Quartierskonzept sorgt für Diskussion

Zum Ende der Sitzung beschäftigte sich das Gremium noch ausführlich mit einem möglichen integrierten Quartierskonzept für die Ortsmitte. Hintergrund ist das Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“, über das sowohl ein energetisches Entwicklungskonzept als auch ein begleitendes Sanierungsmanagement gefördert werden könnten. Die Gemeinde rechnet dabei mit Gesamtkosten von rund 568.500 Euro über mehrere Jahre, von denen 75 Prozent gefördert würden.

Das Quartierskonzept gilt dabei als logische Fortsetzung der bereits 2025 einstimmig beschlossenen kommunalen Wärmeplanung [8]. Diese hatte insbesondere für die dicht bebaute Ortsmitte Potenziale für ein mögliches Nahwärmenetz aufgezeigt. Mit einem Quartierskonzept könnte Breitengüßbach nun die Grundlage schaffen, um später auf hohe Förderquoten für konkrete Maßnahmen zugreifen zu können.

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In der Diskussion wurde jedoch deutlich, dass es innerhalb des (neuen) Gemeinderats noch erheblichen Klärungsbedarf gibt. Stefan Schor äußerte Zweifel daran, ob viele Hausbesitzer nach kürzlich erfolgten Heizungsmodernisierungen kurzfristig erneut investieren würden. Peter Förner verwies auf Beispiele gescheiterter Nahwärmenetze in kleineren Orten. Bernhard Milsch sah unter anderem fehlende Großverbraucher als Problem. Alexander Porst betonte dagegen, dass Bürgerinnen und Bürger zunächst belastbare Entscheidungsgrundlagen benötigten und die Gemeinde aufgrund der hohen Förderquote nur vergleichsweise geringe Eigenmittel aufbringen müsse.

Bürgermeisterin Reinfelder sprach von einem langfristigen „Masterplan“ für die Ortsmitte. Außerdem könne man Fachbüros in eine spätere Sitzung einladen, um Fragen zu Kosten und Einsparpotenzialen zu beantworten. Zeitweise sah es so aus, als würde das Quartierskonzept direkt abgelehnt, am Ende wurde der Tagesordnungspunkt aber zurückgestellt. Es soll nun ein Vertreter des das Instituts, das die Leistungsbeschreibung erstellt hat, in den Gemeinderat eingeladen werden und konkret über das Projekt informieren.  


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