- Nachrichten am Ort - https://nachrichtenamort.de/ -

47.500 Euro Eigenanteil: Zweiter Anlauf fürs Quartierskonzept

Im Titelbild: Die Bamberger Straße gehört zu den Bereichen in Breitengüßbach, wo aufgrund der dichten Bebauung ein Nahwärmenetz denkbar wäre.

Im Juni war das Vorhaben gescheitert. [6] Nun unternahm die Gemeindeverwaltung einen neuen Anlauf, reduzierte den Umfang deutlich und reagierte auch auf Veränderungen der vergangenen Monate. Findet das Quartierskonzept für weite Teile Breitengüßbachs nun eine Mehrheit im Gemeinderat?

„Quartier Ortsmitte“. Da denken viele Breitengüßbacher vielleicht zunächst an den Kirchplatz, die Bamberger Straße und einige angrenzende Straßenzüge. Tatsächlich geht es um deutlich mehr. Rund 520 Haushalte und damit fast zwei Drittel des Hauptortes Breitengüßbach liegen in dem Gebiet, das genauer untersucht werden soll. Vor allem stellt sich die Frage: Wie können die Häuser dort künftig sinnvoll und wirtschaftlich mit Wärme versorgt werden?

Ganz neu ist die Überlegung nicht. Bereits die kommunale Wärmeplanung, die der Gemeinderat im Februar 2025 einstimmig beschlossen hatte, machte die Ortsmitte als Gebiet aus, in dem ein Wärmenetz näher betrachtet werden könnte. Denn die Bebauung ist hier sehr dicht. Dafür wäre eine Machbarkeitsstudie notwendig gewesen. Mit dem Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“ bot sich für Breitengüßbach allerdings eine umfangreichere Variante an: ein integriertes Quartierskonzept. Es würde zudem den Zustand der Gebäude, deren Wärmebedarf und Sanierungsmöglichkeiten beinhalten. Für Hauseigentümer könnte am Ende klar sein, ob ein Anschluss an ein Wärmenetz wirtschaftlich sinnvoll ist oder etwa eine Wärmepumpe besser zum eigenen Gebäude passt.

Über genau dieses Projekt wurde bereits zweimal diskutiert. Im Mai [7] hatte der neu gewählte Gemeinderat eine Entscheidung zunächst vertagt. Anfang Juni [6] folgte dann nach einem ausführlichen Vortrag von Prof. Markus Brautsch vom Institut für Energietechnik IfE aus Amberg die Abstimmung. Damals ging es um ein Gesamtpaket aus Quartierskonzept und einem anschließenden, auf mehrere Jahre angelegten Sanierungsmanagement. Rund 568.500 Euro förderfähige Kosten standen im Raum, mit einer 75-prozentigen Förderung über die KfW. Mit fünf zu fünf Stimmen fand das Vorhaben keine Mehrheit.

Diesmal ging es um deutlich weniger Geld

Genau an diesem Punkt setzte die Sitzung vom 29. September 2026 nun an. Geschäftsstellenleiter Stefan Neubauer verlas die Informationen – und räumte ein, dass die Zusammenfassung zweier unterschiedlicher Maßnahmen den Sachverhalt zusätzlich verkompliziert habe. Das Sanierungsmanagement sei eine eigenständige zusätzliche Maßnahme und gehöre nicht zu den bereits beschlossenen Schritten aus der kommunalen Wärmeplanung. Deshalb sollte diesmal ausschließlich über das Quartierskonzept entschieden werden.

Damit änderte sich auch die finanzielle Dimension erheblich. Für das Konzept werden förderfähige Kosten von 190.000 Euro angesetzt. 75 Prozent davon übernimmt die KfW, bei der Gemeinde würden damit rund 47.500 Euro verbleiben. Die ursprünglich vorgesehene Machbarkeitsstudie für ein mögliches Wärmenetz wäre darin bereits enthalten. Würde Breitengüßbach später nur diese Studie beauftragen, läge die Förderquote nach den Angaben der Verwaltung bei 50 Prozent. Hinzu kommt eine Besonderheit: Der Förderbescheid für das Quartierskonzept liegt Breitengüßbach bereits seit Februar vor. Neue Anträge nimmt das KfW-Programm wegen der großen Nachfrage inzwischen nicht mehr an. Entscheidet sich die Gemeinde gegen das Konzept, verfällt damit diese Fördermöglichkeit.

Maschinenring ist jetzt mit im Boot

Seit der ersten Abstimmung hat sich aber noch etwas anderes verändert. Die Nahwärmeanlage in Breitengüßbach gehört seit Juli nicht mehr der N-ERGIE, sondern der Maschinenring Bamberg Dienstleistungs-GmbH. Der Maschinenring ist in Breitengüßbach kein Unbekannter: Er liefert bereits die Hackschnitzel für die Anlage. An das vorhandene Nahwärmenetz sind unter anderem Bauhof, Hans-Jung-Halle sowie Grund- und Mittelschule angeschlossen. Der neue Betreiber hätte wohl auch Interesse daran, das Netz weiterzuentwickeln. Bei der Abstimmung Anfang Juni hatten noch keine Verträge vorgelegen.

Anzeige
Veranstaltungsservice Bamberg

Auch für einen möglichen Ausbau spielt das Quartierskonzept eine Rolle. Denn es würde einige Antworten liefern, etwa welche Gebäude sinnvoll angeschlossen werden könnten und ob ein wirtschaftlicher Betrieb eines Nahwärmenetzes möglich wäre. Für spätere Investitionen stehen weitere Förderprogramme zur Verfügung. Würde beispielsweise der Maschinenring den zweiten Heizkessel der Anlage, der derzeit noch mit Öl betrieben wird, durch eine erneuerbare Lösung ersetzen, könnten bis zu 40 Prozent der Investitionskosten bezuschusst werden. Vergleichbare Fördermöglichkeiten bestehen für Leitungen, Speicher oder bestimmte Hausübergabestationen.

Gemeinderat Markus Zeller (UBB) positionierte sich für den Vorschlag der Verwaltung. Die einzelnen Punkte seien nun detaillierter aufgeschlüsselt und voneinander getrennt. Dass mit dem Maschinenring inzwischen ein regionaler Partner im Boot sei, auf den man sich verlassen könne, sei ein weiteres Argument für das Konzept. Eine längere Diskussion entwickelte sich allerdings nicht. Von den Gegnern des Quartierskonzepts gab es in der Sitzung keine Wortmeldungen. Sieben Gemeinderatsmitglieder stimmten am Ende für das Quartierskonzept, acht dagegen. Damit ist auch der zweite Anlauf gescheitert. Karin Schneiderbanger-Vogt (UBB) beantragte eine namentliche Protokollierung der Abstimmung. Sie wolle nicht, dass es später heiße, sie habe die Bürgerinnen und Bürger um ihre Möglichkeiten gebracht. Ergebnis: Die Rätinnen und Räte von UBB und den Grünen stimmten dafür, die restlichen Gemeinderatsmitglieder dagegen. Zwei Gemeinderäte waren zur Sitzung entschuldigt.

Radweg bleibt auf der Agenda

Unter „Sonstiges“ informierte Reinfelder außerdem über den geplanten Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2197 zwischen Breitengüßbach und Zapfendorf. Bei einem Ortstermin Mitte September waren neben den Bürgermeistern beider Gemeinden auch Vertreter des Staatlichen Bauamtes sowie die Abgeordneten Holger Dremel und Emmi Zeulner zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen der notwendige Grunderwerb und weitere Abstimmungen mit der Deutschen Bahn und Grundstückseigentümern. Für Reinfelder war vor allem eine Botschaft wichtig: „Wir haben das Zeichen, dass das Projekt immer noch gewollt ist.“