Eigentlich hätte Breitengüßbach beim Glasfaserausbau in weiten Teilen des Gemeindegebiets kaum eigenes Geld in die Hand nehmen müssen. Das Unternehmen Leonet wollte auf eigene Kosten ein schnelles Netz aufbauen. Doch daraus wurde nichts: Im März zog sich das Unternehmen überraschend von seinen Plänen zurück.
Nun versucht die Gemeinde, die entstandene Lücke mit Hilfe von Förderprogrammen zu schließen. Dabei laufen derzeit zwei Verfahren parallel – eines davon ist bereits weit fortgeschritten. Das erste betrifft Hohengüßbach sowie Industriering und Gewerbepark in Breitengüßbach. Für insgesamt 101 Adressen soll dort die Telekom den Zuschlag erhalten. Vorgesehen ist ein FTTB-Ausbau, die Glasfaserleitung wird also bis zum Hausübergabepunkt geführt.
Das Angebot der Telekom beläuft sich auf rund 663.000 Euro. Bund und Freistaat Bayern sollen davon über die Gigabitförderung rund 530.000 Euro und damit 80 Prozent übernehmen. Bei der Gemeinde verbleibt voraussichtlich ein Eigenanteil von 133.000 Euro. Der entsprechende Beschluss war bereits in der nichtöffentlichen Sitzung im August gefasst worden und wurde am 8. September nun öffentlich bekanntgegeben. Noch fehlt allerdings der Zuwendungsbescheid. Sobald dieser vorliegt, kann der Kooperationsvertrag mit der Telekom unterzeichnet werden. Ab diesem Zeitpunkt hat das Unternehmen 48 Monate Zeit, den Ausbau umzusetzen.
Dieses sogenannte Lückenschlussverfahren war ursprünglich lediglich dafür gedacht, jene Bereiche zu erfassen, die Leonet bei seinem eigenwirtschaftlichen Ausbau nicht berücksichtigt hätte. Nach dessen Rückzug hat sich die Situation grundlegend verändert. Zumindest Hohengüßbach und das Gewerbegebiet können nun über diesen Weg versorgt werden. In Zückshut, Gut Leimershof und Teilen Unteroberndorfs ist der Glasfaserausbau bereits erfolgt.
Großprojekt für bessere Breitbandversorgung
Für wesentlich mehr Haushalte und Grundstücke steht Breitengüßbach dagegen noch am Anfang. In der Sitzung vom 8. September 2026 stellte Markus Will von Reuther NetConsulting dem Gemeinderat vor, wie die verbliebenen unterversorgten Bereiche erschlossen werden könnten. Eine vorangegangene Markterkundung hatte ergeben, dass kein Telekommunikationsunternehmen bereit ist, dort auf eigene Kosten ein Glasfasernetz zu errichten. Damit bleibt als Möglichkeit ein geförderter Ausbau.
Betroffen sind nach derzeitigem Stand rund 750 förderfähige Adressen, hauptsächlich in Breitengüßbach selbst sowie in Teilen Unteroberndorfs. Die Größenordnung ist erheblich. Will bezifferte die voraussichtlichen Gesamtkosten auf rund fünf Millionen Euro netto. Nach der derzeitigen Kalkulation müsste die Gemeinde davon etwa 900.000 Euro selbst tragen, weitere rund 500.000 Euro entfielen auf den künftigen Netzbetreiber.
„Die Frage lautet nicht, ob Glasfaser kommt, sondern wann und wie“, fasste Will die Situation zusammen. Noch dominieren in den betreffenden Gebieten Kupferleitungen der Telekom sowie das frühere TV-Kabelnetz von Vodafone.
Der Gemeinderat stellte dafür einstimmig die nächsten Weichen. Breitengüßbach entscheidet sich für das sogenannte Wirtschaftlichkeitslückenmodell. Die Verwaltung kann nun einen Förderantrag nach der Gigabit-Richtlinie 2.0 des Bundes stellen. Liegt ein vorläufiger Zuwendungsbescheid vor, folgt das Auswahlverfahren für einen Netzbetreiber. Über dessen Ergebnis und den späteren Vergabevorschlag muss erneut der Gemeinderat entscheiden.
Geduld wird dennoch nötig sein. Das Auswahlverfahren könnte nach den in der Sitzung vorgestellten Planungen im kommenden Jahr beginnen. Für die tatsächliche Inbetriebnahme wurde ein Zeitraum zwischen 2028 und 2032 genannt.
Parkplätze in der Ortsmitte kaum noch zu erkennen
Ein ganz anderes Problem sprach Gemeinderat Stefan Schor unter „Sonstiges“ an. Ihm ging es um die Parkplätze in der neu gestalteten Ortsmitte. Deren Markierungen seien inzwischen nur noch schlecht zu erkennen. Schor fragte deshalb, ob eine deutlichere, möglicherweise farbliche Kennzeichnung sinnvoll wäre. Zugleich brachte er eine zeitliche Begrenzung für das Parken ins Gespräch.
Eine solche Beschränkung hielt Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder derzeit nicht für erforderlich. Der Parkdruck in der Ortsmitte sei früher höher gewesen. Handlungsbedarf sah sie dagegen bei der Kennzeichnung selbst. Für die Abgrenzung der Stellplätze wurden Nägel verwendet. Durch den Salzauftrag hätten diese ihre Farbe verändert und unterschieden sich inzwischen kaum noch vom Pflaster. Die Gemeinde müsse deshalb nach einer Möglichkeit suchen, die Stellplätze wieder deutlicher kenntlich zu machen.
Weiteres aus der Sitzung vom 8. September 2026
Keine Einwände hatte der Gemeinderat gegen eine Planänderung für Verfüllungen am Baggersee. Bei Vermessungen war festgestellt worden, dass die sogenannte „Campingplatzinsel“ höher verfüllt worden war als ursprünglich vorgesehen. Breitengüßbacher Gemeindegebiet ist von der Änderung nur am Rand betroffen.
Ebenfalls einstimmig widmete der Gemeinderat einen im Zuge des Bahnausbaus VDE 8.1 neu geschaffenen Abschnitt des „Öffentlichen Feld- und Waldwegs rechts der Bahn“. Die 99,63 Meter lange Fortführung verbindet den bestehenden Weg mit der Klingenstraße und steht damit nun auch formal als öffentlicher Feld- und Waldweg zur Verfügung.


