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Michael Senger: Sachliche, kompetente und verlässliche Kommunalpolitik

Die Finanzen sind in Zapfendorf immer wieder ein Thema, gerade auch, weil das beliebte Freibad dem Markt viel Geld kostet. Darum und um die vielen laufenden Projekte und kommende Herausforderungen geht es im großen Interview mit Bürgermeister Michael Senger, der erneut bei der Kommunalwahl antritt.

Sie blicken auf sechs Jahre als Bürgermeister zurück: Wie würden Sie diese Zeit zusammenfassen – was lief besser als erwartet, wo war es schwieriger als gedacht?

Die vergangenen sechs Jahre waren intensiv, herausfordernd und lehrreich. Wir hatten es mit großen Investitionen, unerwarteten Krisen wie Corona oder stark steigenden Baukosten zu tun. Positiv überrascht hat mich, wie viel wir trotz dieser Rahmenbedingungen umsetzen konnten – etwa bei den Kindertagesstätten, der Infrastruktur und den Baugebieten. Auch die sehr gute Zusammenarbeit von und mit den Vereinen und Ehrenamtlichen in der gesamten Gemeinde hat sich bei der Ausrichtung des Apfelmarktes im Jahr 2025 gezeigt. Schwieriger als gedacht war es, Entscheidungen zu vermitteln, die emotional nicht immer populär waren. Gerade hier braucht Kommunalpolitik vernünftige Entscheidungsträger für das Gemeinwohl im Marktgemeinderat und Durchhaltevermögen.

Das Aquarena-Freibad ist eines der meistdiskutierten Themen in Zapfendorf – insbesondere wegen des jährlichen Defizits. Wie rechtfertigen Sie den hohen Kostenfaktor gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern?

Unser Aquarena ist ohne Frage ein kostenintensives Angebot. Gleichzeitig ist es ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität in Zapfendorf und unser Aushängeschild – für Familien, Jugendliche, Vereine und auch Gäste von außerhalb. Ein Freibad wird sich wirtschaftlich nie selbst tragen, das ist uns allen bewusst. Wir rechtfertigen die Kosten, indem wir klar sagen: Es handelt sich um eine freiwillige Leistung, die bewusst für Lebensqualität und Attraktivität unserer Gemeinde erbracht wird.

Gab es in den vergangenen Jahren Momente, in denen Sie selbst gezweifelt haben, ob der Betrieb des Freibads langfristig tragbar ist? Und welche Schritte wurden ergriffen, um das Bad zukunftsfähig zu machen?

Natürlich gab es Momente, in denen man sich fragt, ob der Betrieb langfristig tragbar ist. Genau deshalb haben wir Maßnahmen ergriffen: Unter anderem Errichtung des Wasserspielplatzes, Renovierung der Wärmehalle, Investitionen in die Technik (zum Beispiel Umwälzpumpen), Errichtung einer Photovoltaik-Anlage, Anpassungen bei Öffnungszeiten und Eintrittsgebühren sowie eine stetige Überprüfung der laufenden Kosten. Ein weiterer wichtiger Punkt, war die Initiative von mir und den weiteren Schwimmbad-Bürgermeistern im Landkreis, einen Zuschuss des Landkreises Bamberg für den laufenden Betrieb zu bekommen. Hierbei hat der Landkreis Bamberg 200.000 Euro für das Jahr 2025 zugesagt, wovon allein der Markt Zapfendorf über 55.000 Euro erhalten hat. Für die kommenden Jahre wurde bereits eine erneute finanzielle Unterstützung beantragt. Auch bei möglichen Bundes- und/oder Landes-Fördertöpfen darf man nicht aufgeben, sich für diese Mittel immer wieder zu bewerben und auch dann zu bekommen. Ziel war und ist es, das Defizit so gering wie möglich zu halten, ohne das Bad kaputtzusparen.

Die Baustellen rund um Wasser und Abwasser und der Umbau des Horts sind aktuell die großen baulichen Themen. Im Gemeinderat wurde aber auch schon über eine komplette Sanierung der Ortsdurchfahrt, inklusive Verkehrsberuhigung, gesprochen. Wie sehen Sie Zapfendorf in den genannten Bereichen aufgestellt? Waren die getroffenen Entscheidungen richtig? Und wie soll es weitergehen?

Die Maßnahmen im Bereich Wasser und Abwasser sind Pflichtaufgaben – teuer, aber unvermeidbar. Zapfendorf ist hier eine der wenigen Gemeinden im Umkreis, die in den Genuss von Fördermitteln durch die RZWas-Förderung des Freistaates Bayern in Höhe von 50 beziehungsweise 40 Prozent kommt. Diese Förderung haben wir bisher und wollen diese auch zukünftig größtmöglich ausschöpfen. Gleiches gilt für den Umbau des alten Schulgebäudes (A-Bau) zum Hort, um den steigenden Bedarf gerecht zu werden. Die Diskussion um die Ortsdurchfahrt zeigt, dass wir Zapfendorf ganzheitlich weiterdenken müssen: Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität gehören zusammen. Rückblickend waren die getroffenen Entscheidungen richtig, auch wenn sie nicht immer bequem waren. Wichtig ist jetzt, die nächsten Schritte realistisch weiter zu planen und die Fördermöglichkeiten weiterhin konsequent zu nutzen.

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Der mögliche Neubau eines Feuerwehrhauses steht schon seit Jahren in der Diskussion. Braucht Zapfendorf wirklich einen solchen Neubau?

Die Feuerwehr ist ein zentraler Pfeiler unserer Sicherheit. Die Diskussion um einen Neubau kommt nicht aus dem Nichts, sondern basiert auf objektiven Anforderungen an Platz, Technik und Einsatzfähigkeit. Dies wurde 2023 im Feuerwehrbedarfsplan festgehalten und auch schon ein Grundstück von der Gemeinde gesichert. Klar ist aber: Eine leistungsfähige Feuerwehr in Zapfendorf ist keine Luxusfrage, sondern eine Pflichtaufgabe.

Aus dem einst angedachten Medizinischen Versorgungszentrum mit Hausarztpraxis wurde ein Gesundheitszentrum ohne Arzt, dafür unter anderem mit großer Physiopraxis. Wie ist der Stand bei diesem Projekt – und was hat die Gemeinde diesbezüglich überhaupt noch selbst in der Hand? Vor allem mit Blick darauf, dass das „Haus für Gesundheit“ ein sehr ortsbildprägendes Grundstück nutzen wird?

Dass das angedachte Medizinischen Versorgungszentrum und später geplante Haus der Gesundheit mit Physiotherapie, Hausarztpraxis und Apotheke auf dem ehemaligen Hofmann-Gelände (Hauptstraße 26) nun keine Verwirklichung findet, wie der Investor im Januar verkündete, ist mehr als bedauerlich und ein großer Verlust für den gesamten Markt Zapfendorf. Hierzu verweise ich auf die gemeindlichen Informationen. Unabhängig davon ist die Stärkung und Sicherstellung einer guten medizinischen und gesundheitlichen Versorgung vor Ort nach wie vor ein zentrales Anliegen.

Auch die Verkehrspolitik steht immer wieder im Fokus. Radwege Richtung Scheßlitz und besonders Unteroberndorf wären nötig, Busse fahren in den kleineren Orten kaum, den Bürgerbus gibt es nicht mehr. Was kann die Gemeinde hier tun?

Beim Thema Verkehr stoßen Kommunen schnell an ihre Grenzen, gerade finanziell und rechtlich. Radwege, etwa in Richtung Scheßlitz, Rattelsdorf oder Unteroberndorf, sind sinnvoll, aber oft abhängig von Förderprogrammen, von der Verkaufsbereitschaft der bisherigen Eigentümer und teilweise von übergeordneten Straßenbaulastträgern. Hier laufen die Planungen beziehungsweise Gespräche für alle drei Radwege, bei denen der Markt Zapfendorf immer mit involviert ist. Beim ÖPNV setzen wir uns weiterhin für Verbesserungen ein, auch wenn kleine Ortsteile schwer wirtschaftlich zu bedienen sind. Der Wegfall des Bürgerbusses war letztlich auch eine Frage der Tragfähigkeit und der zum Schluss sehr geringen Nutzung.

Wie stabil sind die Gemeindefinanzen aktuell, und wo sehen Sie die größten Risiken für die nächsten Jahre?

Die Gemeindefinanzen sind aktuell stabil, aber angespannt. Steigende Kosten, unsichere Einnahmen und neue Pflichtaufgaben bergen Risiken. Besonders kritisch sehe ich die Entwicklung bei Baukosten und Energie.

Wenn Sie Prioritäten setzen müssen: Wo darf aus Ihrer Sicht nicht gespart werden – und wo schon?

Nicht gespart werden darf aus meiner Sicht bei Bildung, Kinderbetreuung, Sicherheit und der grundlegenden Infrastruktur. Einsparpotenzial gibt es bei freiwilligen Leistungen – allerdings immer mit Augenmaß.

Sie treten 2026 erneut an – diesmal gegen zwei Mitbewerber. Was motiviert Sie persönlich für eine weitere Amtszeit?

Mich motiviert der Wunsch, begonnene Projekte konsequent weiterzuführen und Zapfendorf nachhaltig weiterzuentwickeln. Ich kenne die Gemeinde, die Abläufe und die Herausforderungen – und ich habe nach wie vor Freude daran, Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu finden.

Wenn Sie an Zapfendorf im Jahr 2032 denken: Was soll dann rückblickend mit Ihrer zweiten Amtszeit verbunden werden?

Im Jahr 2032 soll man sagen können: Zapfendorf hat sich solide, maßvoll und zukunftsorientiert entwickelt. Gute Infrastruktur, verlässliche Betreuung, ein lebendiges Vereinsleben und stabile Finanzen – dafür möchte ich stehen.

Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?

Erstens: verlässliche und langfristige Förderprogramme für Kommunen.

Zweitens: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren, pragmatische Entscheidungen ermöglichen.

Drittens: echte Unterstützung im Bereich Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

Zum Schluss: Warum sollten die Zapfendorferinnen und Zapfendorfer Ihnen erneut ihr Vertrauen schenken?

Ich bitte erneut um Ihr Vertrauen, weil ich für eine sachliche, kompetente sowie verantwortungsbewusste und verlässliche Kommunalpolitik stehe. Nicht alles ist populär, aber vieles ist notwendig. Mir geht es um Zapfendorf – nicht um Schlagzeilen.

Zur Person:

Michael Senger aus dem Markt Zapfendorf, Sassendorf, 38 Jahre, ledig. Seit 22 Jahren ist er im öffentlichen Dienst tätig (Städte Bamberg und Erlangen); seit sechs Jahren nun als Erster Bürgermeister im Markt Zapfendorf. Er ist seit 2006 aktives Mitglied der Feuerwehr Sassendorf und war von 2018-2021 deren erster Kommandant. Ebenfalls seit 2006 ist Michael Senger Mitglied des Pfarrgemeinderates und bekleidet das Amt des Mesners. Seit 2015 gehört er der Prüfungskommission der Bayerischen Verwaltungsschule an. Darüber hinaus ist Michael Senger in den Sassendorfer Vereinen vielfältig engagiert. Er bewirbt sich für das Amt des Ersten Bürgermeisters im Markt Zapfendorf, als Marktgemeinderat und als Kreisrat für den Landkreis Bamberg.