Im Titelbild: Die vereidigten neuen Mitglieder Marktgemeinderates (von links nach rechts): Marc Pechmann, Florian Schneiderbanger, Markus Ziegmann, Mirjam Jakob, Sven Leimbach, Matthias Welsch
„Bleiben Sie am Ball.“ So begrüßte Erster Bürgermeister Hans-Jürgen Scheerbaum die Besucherinnen und Besucher der konstituierenden Sitzung. Er hätte sich öfters gewünscht, dass so viele Stühle beigetragen werden, und sich der Bürger für das politische Geschehen mehr interessiere, fügte er hinzu.
Die frisch gewählten Gemeinderäte wies Scheerbaum hingegen auf den Bibelspruch an der Wand des Sitzungssaales hin, den sein Amtsvorvorgänger, der anwesende Altbürgermeister Gerhard Jäger, dort anbringen ließ: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohl gehet, so gehet es Euch auch wohl“ (Jeremias 29,7).
Der Beginn einer neuen Legislatur-Periode sei für die Gemeinde ein besonderer Tag. Dank gehöre denjenigen, die sich für ein Ehrenamt zur Verfügung gestellt haben. „Dicke Bretter müssen gebohrt werden, Entscheidungen können manchmal leicht, aber auch schwer getroffen werden“, mit solchen Worten richtete Scheerbaum den Blick auf die Zukunft. Das Wohl der Gemeinde solle stets im Blick sein, auch bei finanziellen Einschränkungen müsse man stets abwägen, was mit den zur Verfügung gestellten Mitteln möglich ist. Mit dem Zitat seines Lieblingspolitikers, dem früheren Stuttgarter Bürgermeister Manfred Rommel, das da lautet: „Die Summe der Einzelinteressen ergibt nicht das Gemeinwohl, sondern Chaos“, wünsche er sich die Akzeptanz unterschiedlicher Meinung und einen respektvollen Umgang im Gremium. „Und es soll nicht gegeneinander, sondern für die Gemeinde gestimmt werden.“ Damit schloss der Erste Bürgermeister seine Rede.
Es folgte die Vereidigung der Neuen, der Gemeinderäte Marc Pechmann (RatZ), Florian Schneiderbanger (EL), Markus Ziegmann (Ebinger Liste), Sven Leimbach (SPD) und Matthias Welsch (CSU) sowie von Gemeinderätin Mirjam Jakob (RatZ).
Eine zweite und eine dritte Bürgermeisterin
Da die Vergangenheit gezeigt hatte, das keiner vor Krankheit gefeit ist, war man sich einig, zwei Stellvertreter für das Gemeindeoberhaupt zu wählen. Der Wahlausschuss wurde von Geschäftsleiter Roland Gehring, Kämmerer Michael Koch und dem Ersten Bürgermeister gebildet.
Für das Amt eines Zweiten Bürgermeisters schlug die CSU, namentlich Matthias Welsch, die vorherige Dritte Bürgermeisterin Sabina Sitzmann-Simon (CSU) vor, was auch von der Ebinger Liste, so erklärte es Otto Schobert, unterstützt werde. Holger Hornung (VU) stellte hingegen SPD-Marktgemeinderätin Christine Jäger als Kandidatin auf, welche sowohl von der SPD als auch von der Rattelsdorfer Zukunft, so Dr. Martin Hoffmann, bevorzugt werde. Nach der vorschriftsmäßig abgehaltenen geheimen Wahl gewann Sabina Sitzmann-Simon mit einer Stimme Mehrheit (neun zu acht). Sie bedankte sich für das Vertrauen ihrer Wähler. Im nächsten Wahlgang, in dem es um eine weitere Stellvertretung ging, erhielt die zuvor vorgeschlagene Christine Jäger mit 15 Stimmen den Zuspruch des Gremiums und wurde zur Dritten Bürgermeisterin erklärt. Otto Schobert (EL) und Edgar Böhmer (VU) hatten jeweils eine Stimme erhalten. Da die Marktgemeinderätin in den Vorjahren keines der Bürgermeisterämter ausgefüllt hatte, wurde sie vom Ersten Bürgermeister sogleich vereidigt.
Erster Bürgermeister Hans-Jürgen Scheerbaum (CSU) zwischen der neuen Zweiten Bürgermeisterin Sabina Sitzmann-Simon (CSU), links, und der Dritten Bürgermeisterin Christine Jäger (SPD).
Es folgten weitere Abstimmungen, wie die Höhe des Sitzungsgeldes (40 Euro/Sitzung) oder das Beibehalten der bisherigen Geschäftsordnung, bis eine neue erlassen werde. Bürgermeister Scheerbaum appellierte an die neuen und alten Räte, sich diese durchzulesen und bis zum nächsten Mal Änderungswünsche zu formulieren, damit darüber diskutiert werden könne. Die Vorschläge zur Besetzung der drei in Rattelsdorf agierenden Ausschüsse waren schon im Vorfeld abgeklärt worden, so dass die Listen das Einverständnis aller widerspiegelte und die Kandidaten einstimmig gewählt wurden.
Behindertenbeauftragter stellt sich ausführlich vor
So galt es noch, die Wahl des Rechnungsprüfungsvorsitzenden durchzuführen. Vorgeschlagen wurden die Kandidaten Oliver Gunzelmann (EL) und Holger Hornung (VU). Abgestimmt wurde nach Eingang des Vorschlags, so dass Oliver Gunzelmann neun Stimmen erhielt. Als sein Vertreter wurde einheitlich Holger Hornung bestimmt.
Für den Zweckverband der Rentweinsdorfer Gruppe, der für die Wasserversorgung des Marktes Rattelsdorf mit seinen Gemeindeteilen von Freudeneck bis Poppendorf zuständig ist, wurde neben dem „geborenen“ Mitglied, dem Ersten Bürgermeister, die Zweite Bürgermeisterin Sabina Sitzmann-Simon und ihr Stellvertreter Benedikt Gunzelmann gewählt. Als Jugendbeauftragte wurden mit Oliver Prath (CSU), Florian Niefert und Mirjam Jakob ein gleichberechtigtes Trio bestimmt, ersterer solle als „Primus inter Pares“ fungieren, so der Erste Bürgermeister.
Gruppenfoto: (von links nach rechts), 1. Reihe: Zweite Bürgermeisterin Sabina Simon-Sitzmann, Mirjam Jakob, Erster Bürgermeister Hans-Jürgen Scheerbaum, Holger Hornung. 2. Reihe: Matthias Welsch, Dritte Bürgermeisterin Christine Jäger, Sven Leimbach. 3. Reihe (vorne): Florian Schneiderbanger, Dr. Martin Hoffmann, Oliver Gunzelmann, Oliver Prath, Edgar Böhmer. 4. Reihe: Otto Schobert, Marc Pechmann, Dietmar Aman, Benedikt Gunzelmann, Markus Ziegmann
Scheerbaum erklärte im weiteren Verlauf, dass in der neuen Legislaturperiode das Amt des Senioren- und Behindertenbeauftragten gestärkt werden solle. Die Alterspyramide im Markt Rattelsdorf liege bei 31 Prozent der Generation 60plus. Laut Information aus der Bürgerversammlung ist ein Rückgang der Geburten von 40 auf 19 festzustellen. Um die mögliche Gestaltung dieses Ehrenamtes dem Gremium näherzubringen, erteilte der Bürgermeister einem Fach- und Sachkundigen dieser Sparte, Matthias Merkel, das Wort. Jener stammte ursprünglich aus Rheinland-Pfalz, fühle sich aber seit 2011 in Franken, besser Rattelsdorf sehr wohl. Bei seinem früheren Arbeitgeber war er Schwerbehindertenbeauftragter. Was er für dieses Amt mitbringen könne: Empathie, Menschenkenntnis, er verhalte sich neutral und entwickle eine gewisse Hartnäckigkeit, kenne sich auch mit dem Sozialgesetzbuch aus und plädiere für Barrierefreiheit sowie Seniorenpflege.
Für die neue Aufgabe habe er, Merkel, schon Ideen im Kopf: Eine offene Sprechstunde, denn er fühle sich als Lotse für Beschwerden und Anliegen. Als erste Pflicht sehe er es, Veranstaltungen zu organisieren, wie „Kaffee & Kuchen“, auch verteilt auf die Ortsteile; gemeinsames Spielen sowie Wandern würden die Kontakte untereinander stabilisieren. Er könne sich auch bei kommunalen Baumaßnahmen einbringen, um Barrierefreiheit zu gewährleisten und entsprechende Vorschläge vorzubereiten. Der Besuch von Schulungen und Seminaren gehöre ebenfalls zu seinem Tätigkeitsfeld. Als konkretes Beispiel brachte der Sachverständige die Rampe am Rathaus ins Spiel. „Jemand hat sich dabei etwas gedacht, doch wie kommt der Rollstuhl- oder Rollator-Fahrer/In hinein? An der Eingangstür gibt es keinen Schalter, mit dem derjenige ohne Begleitperson die Tür öffnen kann!“
Neben einer regelmäßigen Berichterstattung im Ratsgremium möchte Merkel auch den Kontakt zu Behörden, Vereinen, Pflegeeinrichtungen und der Schule suchen. Als erstes biete es sich an, einen Empathie-Parcours mit Jugendlichen durchzuführen: Mit Hilfe einer VR-Brille wird für Junge eine Alterssimulation möglich, und ein Hindernisparcours erzeuge Verständnis für die Gruppe der Schwerbehinderten. Der Marktgemeinderat war sichtlich angetan von dieser Sachkompetenz und Begeisterung für das Amt, so dass Matthias Merkel einstimmig als Senioren- und Behindertenbeauftragter berufen wurde. Dritte Bürgermeisterin Christine Jäger begrüßte es, dass zukünftig auch das Gremium besser miteingebunden werde.
Der neue Senioren- und Behindertenbeauftragte Matthias Merkel an der Zugangsrampe zum Rathaus.
Nach Hinweis auf die bevorstehenden Haushaltssitzungen (22.05./23.06.), den Umweltausschuss (19.05.) und die nächste Marktgemeinderatssitzung (11.06.) beantwortete Bürgermeister Scheerbaum noch einige Anfragen und schloss den öffentlichen Teil der Sitzung.
Belegung der drei Ausschüsse
Bau- und Umweltausschuss: MGR Oliver Prath (CSU), MGR Dietmar Aman (CSU), 3. Bürgermeisterin Christine Jäger (SPD), MGR Otto Schobert (EL), MGR Florian Schneiderbanger (EL), MGR Edgar Böhmer (VU), MGR Holger Hornung (VU), MGRin Mirjam Jacob (RatZ)
Haupt- und Finanzausschuss: 1. Bürgermeister Hans-Jürgen Scheerbaum (CSU), MGR Matthias Welsch (CSU), 2. Bürgermeisterin Sabina Sitzmann-Simon, MGR Sven Leimbach (SPD), MGR Oliver Gunzelmann (EL), MGR Markus Ziegmann (EL), MGR Edgar Böhmer (VU), MGR Benedikt Gunzelmann (VU), MGR Dr. Martin Hoffmann (RatZ)
Rechnungsprüfungsausschuss: MGR Matthias Welsch (CSU), 2. Bürgermeisterin Sabina Sitzmann-Simon (CSU), MGR Sven Leimbach (SPD), MGR Oliver Gunzelmann (EL), MGR Markus Ziegmann (EL), MGR Holger Hornung (VU), MGR Marc Pechmann (RatZ)


